Kapitel 7 von 15: Schottland
47% der Gesamtreise
Tag 41 von 88
Zwischen Pannen und Panoramen: Ein langer Tag nach Inverness
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 11.5.2011
Tageskilometer: 85.41 km
Route: Elgin → Inverness
Fahrzeit: 6:37:33
Schnitt: 12.9 km/h
Gesamtstand: 2932.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Heute begann der Tag mit einem außergewöhnlich guten englischen Frühstück. Die Sonne schien, das Fahrrad war gepackt, und alles versprach, ein wunderbarer Tag zu werden. Es gelang mir sogar, vor 9 Uhr loszufahren, was mich hoffnungsvoll stimmte. Die Route sollte heute weniger spektakulär in Sachen Küstenblick sein, aber dafür warteten andere Überraschungen auf mich.
Kaum aus Elgin heraus, hatte ich das erste Mal Ärger. Die Schraube des Tubus-Gepäckträgers hatte sich wieder gelöst. Also hieß es: alle Taschen abnehmen und die Schraube festziehen – ein Problem, das mich bereits 20 Minuten kostete. Doch es sollte noch besser kommen: Kurz danach erlitt ich einen Plattfuß am Hinterrad, der zweite auf meiner Reise. Eine weitere Stunde ging verloren, während ich den Reifen flickte.
Trotz dieser Rückschläge ließ ich mir die Laune nicht verderben und machte mich weiter auf den Weg. Bei Kinloss legte ich einen kurzen Stopp in einem Spar-Markt ein, und die Kassiererin sprach mich auf meinen Helm an, den ich mittlerweile fast nur noch zum Schlafen absetze. Ich erzählte ihr von meinem Vorhaben, und sie zeigte sich beeindruckt.
Kurz nach Kinloss fing es an zu regnen. Dieses Mal war ich besser vorbereitet und zog auch die Füßlinge an, da meine Radschuhe bereits bewiesen hatten, dass sie dem Regen nicht standhalten. Glücklicherweise dauerte der Schauer nur fünf Minuten, und ich konnte bald darauf die Regenkleidung wieder ablegen. Der Himmel zeigte eine Mischung aus dunklen und hellen Wolken, mit gelegentlichen Löchern, durch die die Sonne schien. In der Ferne konnte man Regen über den Highlands sehen, während es in meiner unmittelbaren Umgebung trocken blieb.
Die Strecke bis Nairn war weitgehend flach und nicht besonders spannend. In Nairn hatte ich die Hälfte meiner Tagesetappe geschafft und legte eine kleine Mittagspause an der Küste ein. Dort konnte ich einen Blick auf die fernen Kliffs über dem Moray Firth werfen, und die beeindruckenden Highlands waren schon in der Ferne sichtbar.
Nach der Pause ging es durch die Berge, mit einem ordentlichen Anstieg, der mir jedoch nicht allzu schwerfiel. Oben angekommen, bot sich mir ein fantastischer Ausblick über den Moray Firth, die Highlands und die umliegenden Erhebungen. Die nächsten 30 Kilometer führten mich durch hügeliges Gelände, vorbei an abgeholzten Waldgebieten und sprudelnden Gebirgsbächen. Es war eine abwechslungsreiche, aber angenehme Strecke.
Als ich etwa 15 Kilometer vor Inverness war, begann der Hinterreifen wieder Luft zu verlieren. Ich entschied mich, erst einmal nur zu pumpen und zu sehen, wie weit ich so kommen würde. Nach einem zweiten Mal Pumpen hielt der Reifen dann bis Inverness durch.
Inverness, eine der größeren Städte Schottlands, empfing mich mit regem Verkehr. Es dauerte eine Weile, bis ich mich durch die Vororte in den Stadtkern gekämpft hatte. Glücklicherweise hatte ich mir bereits mittags ein Hostel ausgesucht, das ich direkt ansteuerte. Dort landete ich in einem Sechsbettzimmer, gemischt mit Männern und Frauen, was mir nichts ausmachte.
Nach der Ankunft kümmerte ich mich um den Reifen. Doch gerade als ich fertig war, brach das Ventil ab, und ich musste alles erneut auseinanderbauen und den Schlauch wechseln. Trotz meiner Müdigkeit kam ich schnell mit den anderen Gästen ins Gespräch. Ein Radfahrer aus Irland, der quer durch Schottland nach Belgien fahren wollte, und eine New Yorkerin, die auf einer Europa-Tour Sehenswürdigkeiten in England, Deutschland und der Schweiz besuchen wollte, sorgten für interessante Gespräche.
Während ich diesen Bericht schreibe, fallen mir die Augen zu, also beende ich den Tag hier.
Night Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Invershin. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?