Kapitel 5 von 15: England

20% der Gesamtreise

Tag 18 von 88

Von Kirchen und Hauptstraßen – Ein Tag in Englands grüner Weite

3 min Lesezeit

England 🇬🇧 67.3 km

Etappen-Infobox

Datum: 18.4.2011

Tageskilometer: 67.32 km

Route: Halesworth → Norwich

Fahrzeit: 4:55:57

Schnitt: 13.6 km/h

Gesamtstand: 1259.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 18: Von Kirchen und Hauptstraßen
Tag 18: Von Kirchen und Hauptstraßen

Der Tag begann wie die letzten in England – mit einem klassischen English Breakfast. Es ist schon mein drittes dieser Art, und langsam fange ich an, es zu lieben: knuspriger Speck, Bohnen, Würstchen, Eier und dazu Toast mit Marmelade. Perfekt, um die Energiereserven für den Tag aufzufüllen.

Nachdem ich mich wieder auf die Straße begeben hatte, begann der Tag ähnlich ruhig wie der letzte endete. Die Strecke führte mich über eine stark befahrene Straße, auf der ich das Gefühl hatte, dass Autofahrer Radfahrer einfach ignorieren. Kein Wunder, dass die meisten Engländer in grellgelben Warnwesten unterwegs sind – hier auf dem Fahrrad unsichtbar zu bleiben, kann schnell gefährlich werden.

Die Landschaft war, wie auch schon am Vortag, nicht besonders abwechslungsreich: grüne Wiesen, hin und wieder ein paar Bäume und endlose Rapsfelder, die sich bis zum Horizont erstreckten. Doch das Fahren fiel mir heute leichter. Die Strecke war nicht so hügelig, und so rollte es besser als am Tag zuvor. Meine erste Pause legte ich in Beccles ein, und es scheint, als hätte ich mir unbewusst angewöhnt, meine Pausen immer an Kirchen zu machen. Jede Stadt, egal wie klein, hat eine – und alle sehen sie beeindruckend aus. Noch besser: Vor jeder Kirche gibt es eine Bank, perfekt zum Ausruhen.

Beccles hatte eine besondere Atmosphäre. Die Stadt liegt an einem Fluss und wirkte durch ihre Lage direkt am Wasser maritimer als andere Orte. Nach meiner kurzen Pause ging es weiter, doch die Fahrt auf den Hauptstraßen ließ mich schnell nach ruhigeren Wegen suchen. Zum Glück führte die Route schließlich durch ein Wohngebiet und einen kleinen Wald, bis ich in Loddon ankam. Dort traf ich auf ein älteres Paar auf einem Tandem – beide trugen edle Brooks-Pullover und hatten dazu passende Brooks-Ledersättel auf ihren Rädern. Ein kleines Mode-Statement für Radreisende. Wir hielten an, tauschten uns aus und lachten über die Eigenheiten unserer jeweiligen Fahrten.

Nach Loddon führte mich die Route weiter nach Norwich, eine der größeren Städte in dieser Region. Dort hatte ich vor, eine Unterkunft für die Nacht zu finden, aber das stellte sich als schwieriger heraus als gedacht. Ich versuchte zunächst, ein Bed & Breakfast in Reepham zu buchen, aber entweder waren sie zu teuer oder ich konnte niemanden erreichen. So führte mich mein Weg ins Stadtzentrum von Norwich, wo ich die Touristeninformation aufsuchte. Die freundliche Dame half mir schließlich, einen Zeltplatz zu finden. Sie rief sogar für mich an und bestätigte, dass es noch einen freien Platz gab.

Die Fahrt dorthin war jedoch eine echte Herausforderung: Feierabendverkehr und keine Radwege. Wieder einmal wurde mir klar, dass wir Deutschen uns über schlechte Radwege nicht beschweren sollten – hier gibt es schlicht keine. Nach einigen nervenaufreibenden Kilometern kam ich endlich auf dem kleinen, aber gut gepflegten Campingplatz an. Ich war nicht der einzige Zelter, und die sanitären Anlagen machten einen ordentlichen Eindruck. Einzig die Lage direkt an der Hauptstraße hätte ein Manko sein können, aber nach einem langen Tag auf dem Rad schlafe ich ohnehin sofort ein.

Warum schreibe ich so wenig über das Meer? Dieser Teil der North Sea Cycle Route (NSCR) verläuft entlang der Nationalen Radroute 1, die etwas weiter ins Inland führt. In den kommenden Tagen werde ich hoffentlich wieder mehr vom Meer sehen. Für heute verabschiede ich mich und freue mich auf den nächsten Tag.

Good night, Micha

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Burnham Deepdale. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?