Kapitel 4 von 15: Niederlande - England

17% der Gesamtreise

Tag 15 von 88

Der Abschied – Letzte Fahrt durch die Dünen und Überfahrt nach England

4 min Lesezeit

Niederlande - England 🇳🇱 - 🇬🇧 22.6 km

Etappen-Infobox

Datum: 15.4.2011

Tageskilometer: 22.56 km

Route: Scheveningen → Harwich

Fahrzeit: 1:12:01

Schnitt: 18.0 km/h

Gesamtstand: 1019.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 15: Der Abschied
Tag 15: Der Abschied

Der Morgen begann luxuriös – das Frühstück wurde uns direkt aufs Zimmer gebracht. Es war einer dieser Momente, in denen ich mich fragte, wie schnell die Reise immer komfortabler wurde. Doch mit einem weinenden Auge dachte ich daran, dass dieser Luxus bald hinter mir liegen würde. Wir hatten ein gemütliches Doppelzimmer im Hotel De Stern in Scheveningen, eine wirklich empfehlenswerte Unterkunft, vor allem, wenn man sich den Preis teilt. Nach einem ausgiebigen Frühstück waren wir erstaunlich schnell abfahrbereit. Kein Zelt abbauen, keine Ausrüstung verstauen – um 08:40 Uhr rollten wir bereits los.

Unsere heutige Strecke war kurz, nur etwas über 20 Kilometer bis Hook van Holland, wo meine Fähre nach England ablegte. Es war fast schon zu früh für mich, da ich erst ab 12:30 Uhr einchecken konnte. Also fuhren wir gemächlich das letzte Mal gemeinsam durch die niederländischen Dünen. Die Landschaft, die mich in den letzten Tagen begleitet hatte, schien sich zu verabschieden. Die Sonne war noch hinter Wolken versteckt, aber die frische Luft und der Wind, der uns an die Küste trieb, ließen den Abschied real werden.

Um 10:00 Uhr erreichten wir den Fährhafen. Mein Weggefährte, der extra einen kleinen Umweg gefahren war, um mich zu begleiten, und ich blickten gemeinsam auf die vergangenen fünf Tage zurück. Es war schwer zu glauben, dass wir uns bald trennen würden. Unsere Wege hatten sich zufällig gekreuzt, und jetzt war es an der Zeit, getrennte Wege zu gehen. Er hatte noch 65 Kilometer vor sich, während ich bald die Fähre betreten würde. Wir umarmten uns kurz, tauschten ein letztes Lächeln und wünschten uns gegenseitig viel Glück. Vielleicht würden wir uns in Aberdeen wiedersehen, falls der Zufall es wollte.

Um 12:30 Uhr begann das Boarding. Ich schob mein Rad in den gigantischen Bauch des Schiffes, das mich nach England bringen sollte. Es war beeindruckend, wie viel Platz es dort gab – ich parkte mein Fahrrad an einem speziellen Ständer und schnappte mir meine wichtigsten Sachen. Ein kleiner Rucksack, den man auf Faustgröße zusammenrollen kann, erwies sich als nützlich, um Wertsachen bei mir zu tragen. Dann machte ich mich auf den Weg nach oben, bis Deck 9, wo der Aufenthaltsbereich war.

Endlich, um 14:30 Uhr, legte die Fähre ab. Fünf Stunden lang sollte ich nun über die Nordsee schippern, eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass ich in den letzten zwei Wochen fast ununterbrochen in Bewegung war. Auf dem Schiff war alles vorhanden: Restaurants, Bars, ein Kino und sogar ein Raum für TV-Fans. Das WLAN war kostenlos, und so nutzte ich die Zeit, um mich um eine Unterkunft in Harwich zu kümmern.

Die Überfahrt war ruhig, doch die Gedanken an das, was vor mir lag, ließen mich unruhig werden. Endlich würde ich in England ankommen, und mit dem Linksverkehr und den unbekannten Strecken wartete ein neues Abenteuer auf mich. Gegen 20:00 Uhr legten wir in Harwich an, und als die Klappe des Schiffes sich öffnete, war es Zeit, wieder aufs Rad zu steigen. Sechs Decks ging es hinunter, bevor ich auf die Straße rollte und englischen Boden unter den Reifen hatte.

Die ersten Meter in Harwich fühlten sich noch ungewohnt an, aber ich fand schnell meinen Weg zum Paston Lodge, einem kleinen, erschwinglichen Hotel, das ich für 35 £ gebucht hatte. Nach dem Einchecken suchte ich noch ein örtliches Pub, das „Mayflowers“, auf, wo ich mich gleich an die englische Küche gewöhnen konnte. Ein gemütlicher, familiärer Ort, der perfekt war, um den Tag ausklingen zu lassen.

Morgen beginnt das nächste Kapitel meiner Reise. Ich muss mich ans Linksfahren gewöhnen, mit englischen Karten zurechtkommen und mich auf die Suche nach Campingplätzen machen. Mal sehen, welche Abenteuer England für mich bereithält.

Goodbye, Micha

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Ipswich. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?