Kapitel 3 von 15: Niederlande

14% der Gesamtreise

Tag 12 von 88

Blühende Tulpenfelder und tosende Wellen – Mit Rückenwind entlang der Nordseeküste

3 min Lesezeit

Niederlande 🇳🇱 Wind/Regentag 72.6 km

Etappen-Infobox

Datum: 12.4.2011

Tageskilometer: 72.58 km

Route: Den Oever → Egmon aan Zee

Fahrzeit: 4:31:27

Schnitt: 16.0 km/h

Gesamtstand: 911.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 12: Blühende Tulpenfelder und tosende Wellen
Tag 12: Blühende Tulpenfelder und tosende Wellen

Morgens aufzuwachen und sich nicht um den Kocher für den ersten Kaffee des Tages kümmern zu müssen, fühlt sich mittlerweile wie purer Luxus an. Eine Stunde mehr, die ich nicht damit verbringe, Zelt abzubauen und alles zu verstauen. Stattdessen gab es heute ein reichhaltiges Frühstück im Hotel, mit allem, was das Herz begehrt – und ja, ich gestehe, ich habe ein paar Marmeladenpäckchen eingesteckt. Ein kleiner Vorteil für Radreisende mit begrenztem Stauraum.

Als wir losfuhren, war der Regen der Nacht bereits Geschichte, doch Windstärke 4 aus Nordwest machte klar: Heute würde die Natur erneut ordentlich ins Land pusten. Das Hotel hatte uns gut erholt, doch die Beine, die seit über einer Woche täglich rotieren, fühlten sich schwerer an als zu Beginn. Dennoch war der Wille, voranzukommen, ungebrochen. Die Landschaft begann sich zu verändern – weg vom Deich, hin zu endlosen Kanälen und wunderschönen Alleewegen, die uns vor dem Wind schützten.

Plötzlich explodierte die Landschaft in Farben. Felder voller leuchtender Tulpen in Rot, Gelb und Weiß erstreckten sich, so weit das Auge reichte. “Tulpen aus Amsterdam” summte in meinem Kopf, während ich für einen Moment sogar den Gegenwind vergaß. Was für ein Anblick!

Unsere Fahrt führte uns schließlich zu den Dünen bei Callantsoog, wo wir eine Pause einlegten. Hier, an der Küste, wo die Rennradfahrer, von denen gefühlt 80 % über 60 sind, die Straßen dominieren, trafen wir auf einen weiteren Nordsee-Radler. Und was für eine Begegnung! Ein Schweizer, der seine Nordsee-Runde in entgegengesetzter Richtung fährt und sich vorgenommen hat, die gesamte Strecke in nur 60 Tagen zu bewältigen. Das bedeutet: mindestens 100 Kilometer am Tag, ohne Ruhetag! Ich konnte kaum glauben, wie viele Zufälle mir auf dieser Reise schon begegnet sind.

Nach einem langen Gespräch tauschten wir unsere Daten aus und verabschiedeten uns – mit einem leisen Bedauern. Wer weiß, vielleicht kreuzen sich unsere Wege noch einmal.

Dann kam der Wind. Wir kletterten auf den Deich und sahen die Nordsee in ihrer ganzen Wucht – die weißen Gischtkronen tanzten auf den Wellen, und der Wind war so stark, dass man sich hineinlehnen konnte, ohne umzufallen. Ein Moment, der die rohe Kraft der Natur fühlbar machte. Doch hinter den Deichen schützten uns die Hügel und der Kiefernwald, durch den wir kilometerweit fuhren. Der Szenenwechsel war atemberaubend – und plötzlich standen wir am endlosen Sandstrand von Bergen aan Zee, wo mutige Kitesurfer den Wind für ihre Kunststücke nutzten.

Sieben Kilometer weiter endete unser Tag in Egmond aan Zee auf einem familienfreundlichen Campingplatz, ganz in der Nähe des Meeres. Morgen legen wir einen weiteren Ruhetag ein, um unsere Beine zu schonen und zu planen, wie wir den nächsten großen Schritt – die Überfahrt nach England – angehen.

Bis morgen, Micha

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Egmon aan Zee. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?