Kapitel 7 von 15: Schottland

42% der Gesamtreise

Tag 37 von 88

Eine wahre Herausforderung: Schottlands Regen und steile Klippen

4 min Lesezeit

Schottland 🇸🇧 Wind/Regentag 87.3 km

Etappen-Infobox

Datum: 7.5.2011

Tageskilometer: 87.34 km

Route: Carnoustie → Stonehaven

Fahrzeit: 6:38:40

Schnitt: 13.1 km/h

Gesamtstand: 2631.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 37: Schottlands Regen
Tag 37: Schottlands Regen

Der Tag begann, als ich um 2 Uhr morgens vom lauten Plätschern des Regens auf meinem Zelt geweckt wurde. Es klang, als ob es sechs Uhr wäre, aber als ich auf die Uhr schaute, war es mitten in der Nacht. Ich setzte mir Gehörschutz ein und versuchte, weiterzuschlafen. Als mein Wecker um sieben Uhr klingelte, regnete es immer noch, also drehte ich mich erneut um und schlief weiter. Erst um 8:30 Uhr stand ich schließlich auf, was für mich schon recht spät war. Draußen hatte der Regen aufgehört, aber alles war noch nass. Das Zelt wischte ich so gut es ging trocken, doch ganz trocken wird es beim Verpacken eigentlich nie. Selbst an regenfreien Tagen sorgt der Morgentau dafür, dass das Zelt feucht bleibt.

Die Fahrt begann entlang der Küste, wobei ich mich zuerst nach Arbroath begab. Bis dahin lief alles ziemlich gut, und ich überlegte kurz, eine Kaffeepause einzulegen, entschied mich jedoch dagegen, da ich bereits 1 1/2 Stunden später als geplant losgekommen war. Von Arbroath nach Montrose verlief die Strecke in einem leichten Auf und Ab. Immer wieder gab es Blicke auf die Lunan Bay und ihre Strände, dazu kam das beeindruckende Red Castle, eine alte Burgruine, die den Weg säumte. Der Vormittag blieb trocken, und sogar die Sonne schien kurz durch die Wolken. Doch ich merkte, dass ich mich von der gestrigen Etappe noch nicht ganz erholt hatte. Jeder Anstieg fühlte sich schwer an, und ich musste öfter kleine Pausen einlegen.

Nach 40 Kilometern erreichte ich Montrose. Es fühlte sich an, als hätte ich bereits 80 Kilometer in den Beinen, und ich war mir noch nicht sicher, ob ich den Tag in Inverbervie oder in Stonehaven enden lassen sollte. In St Cyrus machte ich eine Pause im National Nature Reserve Visitor Centre, angelockt von einem Coffee-Schild. Während ich den Kaffee genoss, erfuhr ich einiges über die örtliche Küste und die Tierwelt. Die Pause war genau richtig, denn kurz danach stand ein fast senkrechter Aufstieg von 80 Metern bevor. Zu meiner Überraschung schaffte ich es ohne abzusteigen – langsam aber sicher kommt Kraft in die Beine.

Oben angekommen, führte der Weg über 8 Meilen entlang der A92, einer vielbefahrenen Hauptstraße. Der Verkehr störte mich diesmal nicht. Kurz hinter St Cyrus setzte der Regen wieder ein, der jedoch bald wieder aufhörte. Die Strecke bis Inverbervie war flach und angenehm, doch als ich dort ankam, fühlte ich mich erschöpft. Ich überlegte kurz, den Tag dort zu beenden, doch 65 Kilometer schienen mir ein wenig zu wenig. Also entschied ich mich, weiter nach Stonehaven zu fahren.

Der Regen setzte plötzlich wieder ein – und dieses Mal richtig. Es war kein leichter Schauer, sondern ein echter schottischer Regen. Meine Schuhe waren bald durchnässt, und ich merkte, dass die Shimano M42 Radschuhe nicht wirklich wasserdicht sind. Die letzten 10 Kilometer zogen sich ewig hin. Es regnete ununterbrochen, und ich war klatschnass und durchgefroren.

Kurz vor Stonehaven kam ich an der beeindruckenden Dunnottar Castle vorbei, das hoch auf den Klippen thronte. Doch ich war zu erschöpft, um einen Stopp einzulegen. Der Blick auf Stonehaven aus 150 Metern Höhe war überwältigend – die Bucht, der Hafen und der Strand breiteten sich vor mir aus. Doch die Straße hinunter war gesperrt, da der Hang abgerutscht war. Es war ein Abenteuer, durchzukommen.

Mein primäres Ziel war jetzt, eine Unterkunft zu finden, doch das gestaltete sich schwierig. Entweder waren die B&Bs belegt oder es öffnete niemand die Tür. Ein freies Zimmer fand ich, doch der Preis von 60 £ war mir zu hoch. Der Besitzer bot mir sogar an, in seiner Garage zu schlafen – ein Angebot, das ich dankend ablehnte. Schließlich fand ich einen Campingplatz, der noch einen halbwegs trockenen Platz hatte. Beim Aufbau sprach mich ein Mann aus Baden-Baden an, der für eine Internet-Recherche über Schottland unterwegs war.

Morgen früh soll es wieder starken Regen und Windstärke 5 geben. Na, ich freu mich schon. Bye Micha

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Aberdeen. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?