Kapitel 9 von 15: Norwegen
60% der Gesamtreise
Tag 53 von 88
Regen, Wind und endlose Brücken: Auf dem Weg nach Haugesund
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 25.05.2011
Tageskilometer: 76.55 km
Route: Leirvik → Haugesund
Fahrzeit: 6:34:25
Schnitt: 11.6 km/h
Gesamtstand: 3741.0 km
Wind-Fokus: Heute war der Wind ein dominanter Mitspieler.
Als ich heute Morgen aufwachte, hatte ich Schwierigkeiten, aus dem Bett zu kommen. Der gestrige Tag hatte mir mehr abverlangt, als ich zugeben wollte, und mein Fuß schmerzte immer noch, als ich humpelnd zum Zelt zurückgekehrt war. Doch wie so oft auf dieser Reise, war es Zeit, weiterzumachen. Nach ein paar vorsichtigen Schritten stellte ich fest, dass der Schmerz nachließ, und so bereitete ich mich auf den Tag vor.
Frühstück fiel eher spärlich aus – Kaffee gab es keinen, da mein Trangia Spirituskocher immer noch nicht zu öffnen war. Dazu kam, dass gestern Sonntag war und ich nichts mehr einkaufen konnte. So blieben mir nur zwei Brötchen, die ich noch hatte, mit Marmelade und Nutella von der Tankstelle.
Gegen zehn Uhr machte ich mich endlich auf den Weg. Mein erster Halt war ein Geschäft in der Amphi Kaufpassage, wo ich hoffte, Ersatz für meinen Kocher zu finden. Tatsächlich fand ich in einem Sportladen einen Gasbrenner für meinen Trangia. Es scheint, dass Gas hier einfacher zu bekommen ist als Spiritus, und der Vorteil des schnelleren Kochens und des fehlenden Rußes überzeugte mich.
Nachdem ich meine Vorräte aufgefüllt und ein neues iPhone-Ladekabel gekauft hatte, ging es los. Der Weg verlief zunächst ruhig, das Wetter war trocken, und Norwegen begann, mich willkommen zu heißen. Der Wind, der über die Granitfelsen pfiff, war durch die Waldschneisen gut abgeschirmt, sodass ich ungestört vorankam. Doch das änderte sich schnell, als ich die erste von vielen Brücken überquerte. Der Wind blies ungebremst von vorne, und jede Brücke war eine neue Herausforderung.
Kurz hinter der zweiten Brücke fing es dann an zu regnen, und das sollte sich bis zum Abend nicht ändern. Das schlechte Wetter nahm mir den Genuss der wunderschönen Landschaft, die ich durchquerte. Kleine Buchten mit Fischerbooten und Holzhäusern boten faszinierende Anblicke, aber ich konnte mich aufgrund des Windes und Regens nicht richtig darauf einlassen. Jeder Kilometer zog sich endlos hin.
Bei Kilometer 30 machte ich eine Pause in einem Bushäuschen – ein Glück, dass es diese Unterstände hier überall gibt. Doch lange konnte ich nicht verweilen, denn bei dem Regen kühlt man schnell aus. Vor mir lagen noch 20 Kilometer bis zur nächsten Fähre, und es ging stetig bergauf. Die Anstiege in dieser Felslandschaft waren zwar anstrengend, aber die Aussichten auf das Wasser und die Fjorde entschädigten mich dafür.
Nach einer kurzen Kaffeepause entschied ich, die Etappe bis Haugesund durchzuziehen, obwohl es spät wurde. Die letzten 25 Kilometer waren weniger windig, und ich kam wieder besser voran. Um kurz vor 21:00 Uhr erreichte ich schließlich Haugesund. Der Regen hörte auf, und die Sonne kam kurz heraus, während ich den Campingplatz fand. Er schien geschlossen, doch später tauchte jemand auf, sodass ich doch noch duschen konnte.
Ich baute mein Zelt auf, und der neue Gaskocher funktionierte einwandfrei. Doch der Wind pochte heftig gegen das Zelt, und es fing erneut an zu regnen. Hoffentlich hält es die Nacht über.
Tschüs Micha.
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Skudeneshavn. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?