Kapitel 9 von 15: Norwegen
61% der Gesamtreise
Tag 54 von 88
Starker Wind und unberechenbares Wetter auf dem Weg nach Skudeneshavn
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 26.05.2011
Tageskilometer: 49.94 km
Route: Haugesund → Skudeneshavn
Fahrzeit: 3:55:23
Schnitt: 12.7 km/h
Gesamtstand: 3791.0 km
Wind-Fokus: Heute war der Wind ein dominanter Mitspieler.
Heute Nacht wehte der Wind so heftig gegen mein Zelt, dass ich dachte, es würde mich mitsamt meiner Ausrüstung fortblasen. Es erinnerte mich an Stonehaven, wo ich Ähnliches erlebte. Der Wecker klingelte, und der Regen prasselte unaufhörlich auf das Zeltdach. Der Gedanke, im gemütlichen Schlafsack zu bleiben, war zu verlockend, aber irgendwann musste ich mich doch aufraffen. Nach 2 ½ Stunden des Zögerns stand ich endlich auf.
Das Frühstück fiel heute etwas anders aus: Statt Müsli mit Milch musste ich feststellen, dass ich aus Versehen Sahne gekauft hatte. Das war mir in England auch schon passiert. So gab es nur Brötchen und eine Banane, was auch reichte. Während ich aß, stellte ich meinen Plan für den Tag zusammen und wartete, dass der Regen endlich nachließ.
Als es dann gegen Mittag trocken war, packte ich meine Sachen und machte mich bereit. Ich bin froh, dass ich bis jetzt nie im Regen alles zusammenpacken musste. Haugesund bot auf meinem Weg nicht viel Sehenswertes, und als ich weiterfuhr, ging es zum Hafen hinaus. Die nächste Herausforderung war die Überquerung einer Brücke zur Insel Karmøy – und diese Brücke war nichts für schwache Nerven.
Mit einem Geländer, das mir kaum bis zur Brust reichte, und einer Höhe von mindestens 100 Metern in der Mitte der Brücke, fühlte ich mich, als würde ich mich in Lebensgefahr begeben. Der Wind war stark, und der Fußweg war so schmal, dass ich mein Rad schieben musste. Doch die Aussicht von der Spitze der Brücke war spektakulär, auch wenn der starke Wind und die vorbeirauschenden LKWs das Ganze ziemlich gefährlich machten.
Nachdem ich sicher die Brücke hinter mir gelassen hatte, ging es weiter. Die Radweg-Beschilderung in Norwegen ist oft nicht sehr hilfreich, und ich musste mich erst zurechtfinden, bevor ich auf die richtige Route traf. Zum Glück fand ich bei Avaldsness ein Informationsschild mit der Route und den Campingplätzen der Insel. Das half mir, meine Tagesetappe zu planen.
Die Landschaft auf Karmøy war eher sanft hügelig, mit weiten Feldern, Wäldern und ab und zu Granitfelsen. An einigen Stellen konnte man das Meer sehen, und der Wind brachte die Wellen zum Brechen. Die Strecke war im Vergleich zu den Vortagen zwar nicht so atemberaubend, aber dennoch bot sie schöne Anblicke.
Gegen 18:00 Uhr beendete ich meine Fahrt nach etwa 50 Kilometern in Skudeneshavn, wie geplant. Ich fand einen kleinen, gepflegten Campingplatz am Stadtrand. Diese Campingplätze haben fast immer kleine Küchen, was äußerst praktisch ist. Während ich in der Küche sitze, mein iPhone und iPad auflade und den Bericht schreibe, schaue ich aus dem Fenster und sehe blauen Himmel. Das wäre unterwegs auch schön gewesen!
Ein kleiner Hagelschauer zog vorbei, und jetzt ist es wieder leicht bewölkt. Die Vorhersage deutet an, dass das Wetter diese Woche instabil bleibt. Ich hoffe, dass es wenigstens trocken bleibt, wenn ich fahre.
Ciao Micha.
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Ølberg. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?