Kapitel 5 von 15: England
19% der Gesamtreise
Tag 17 von 88
Höhen und Tiefen – Von Ipswich nach Halesworth auf der Suche nach dem Flow
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 17.4.2011
Tageskilometer: 82.54 km
Route: Ipswich → Halesworth
Fahrzeit: 5:44:12
Schnitt: 14.4 km/h
Gesamtstand: 1192.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Die Nacht im Bed & Breakfast in Ipswich hatte einen ganz eigenen Charme. Das Haus war ein Labyrinth aus Zimmern mit alten Möbeln und Accessoires, die bei uns als Kitsch durchgehen würden. Überall lagen Dinge herum – von Zeitschriften bis hin zu Reinigungsmitteln, die sich auf der Treppe stapelten. Doch der Gastgeber war freundlich, und beim Frühstück lief sogar Formel 1 im Hintergrund. Ein seltsamer, aber angenehmer Start in den Tag.
Heute sollte es über die National Cycle Route 1 weitergehen. Doch schon auf dem Weg zurück zur Route verlor ich die Orientierung. Das Verlassen der Route stellte sich als kleiner Umweg heraus, und es dauerte eine Weile, bis ich wieder die vertrauten Schilder entdeckte. Mit Hilfe meines iPhones fand ich schließlich zurück, doch der Anfang des Tages fühlte sich etwas holprig an. Gestern hatte ich noch das Gefühl, eins mit dem Rad zu sein – heute wirkte alles etwas schwerfälliger. Die Anstiege, die ich gestern mühelos erklommen hatte, waren heute eine echte Herausforderung.
Die englische Landschaft, durch die ich fuhr, schien sich alle 10 Kilometer zu wiederholen. Malerisch, ja – aber auch monoton. Ab und an hatte ich das Gefühl, im Kreis zu fahren, so ähnlich sahen die Felder aus. Doch wie immer gibt es bei solch einer langen Fahrt Momente, in denen die Gedanken abschweifen. Man durchlebt verschiedene Phasen: vom unbesiegbaren Gefühl des Vorwärtskommens über Momente der Erschöpfung bis hin zu einem meditativen Zustand, in dem die Kilometer nur so vorbeifliegen. Doch heute kämpfte ich mehr mit mir selbst als mit der Strecke.
Woodbridge war der erste Ort, der mich aus meiner Gedankenwelt riss. Eine kleine, ruhige Stadt, die mich zu einer Pause einlud. Hier tankte ich neue Energie, bevor es weiter nach Framlingham ging, wo mich die erste echte Burg auf meiner Reise erwartete. Der Anblick war beeindruckend und brachte etwas Abwechslung in den Tag, der sonst von gleichförmigen Hügeln und Feldern geprägt war.
Eine Lektion, die ich heute lernte, war die Wichtigkeit, sich frühzeitig um eine Unterkunft zu kümmern. Zeltplätze sind auf dieser Strecke selten, und die Karten sind nicht immer hilfreich, da keine Campingplätze eingezeichnet sind. Heute war Halesworth mein Ziel, doch es schien schwieriger als erwartet, ein Bed & Breakfast zu finden. Schließlich landete ich in einem Lokal, das sich als Hotel herausstellte – und die Preise waren saftig. 54 £ für eine Nacht waren über meinem Budget. Doch die freundliche Dame gab mir ein Verzeichnis mit Bed & Breakfasts, und nach einigen Telefonaten war klar: Alles war ausgebucht.
Am Ende fand ich doch noch ein Zimmer im „The Angel“, und zu meiner Erleichterung reduzierte sich der Preis auf 45 £ – nicht gerade günstig, aber besser als die ursprüngliche Summe. Ein Doppelzimmer ganz für mich allein, und plötzlich fühlte sich der Tag doch noch wie ein kleiner Erfolg an.
Morgen geht es weiter durch England, und ich hoffe auf neue Eindrücke und vielleicht weniger Anstiege. Aber wer weiß, was das Abenteuer noch bereithält?
Best regstes, Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Norwich. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?