Kapitel 5 von 15: England

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Tag 26 von 88

Der Cinder Way und die Schönheit der Robin Hood Bay – Ein unvergesslicher Tag

3 min Lesezeit

England 🇬🇧 76.4 km

Etappen-Infobox

Datum: 26.4.2011

Tageskilometer: 76.44 km

Route: Bridlington → Whitby

Fahrzeit: 5:56:49

Schnitt: 12.8 km/h

Gesamtstand: 1854.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 26: Der Cinder Way
Tag 26: Der Cinder Way

Der heutige Tag begann mit gemischten Gefühlen. Die Wettervorhersage versprach kräftigen Wind aus nordwestlicher Richtung, genau von vorne – so wie gestern. Aber ich war gut vorbereitet, hatte gestern extra noch eine große Portion Pasta gegessen und war früh schlafen gegangen. Schlaf und die richtige Ernährung sind das A und O, wenn man eine solche Tour meistert.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Müsli, Bananen und Kaffee ging es dann los. Die ersten Kilometer waren wie erwartet windig, doch schon bald stellte ich fest, dass der Wind weniger das Problem war als die Hügel, die sich vor mir auftürmten. Die ersten Anstiege waren anspruchsvoll, aber ich fühlte mich gut und ließ mich davon nicht unterkriegen.

Nach Hunmanby kam das erste Highlight des Tages: eine Abfahrt, die mir zum ersten Mal auf dieser Tour Geschwindigkeiten über 50 km/h bescherte. Die zwei Taschen am Vorderrad machten es notwendig, auf das Aufschaukeln des Rads zu achten, aber die Abfahrt war rasant und gab mir einen kräftigen Energieschub. Doch kaum war der Spaß vorbei, wies mir eines der typischen Route-1-Schilder den Weg – und ich rauschte im vollen Tempo daran vorbei. Also ab in die Eisen und zurück, um der Route zu folgen.

Kurz vor Scarborough veränderte sich die Landschaft: Es wurde immer welliger, und die Nordsee rückte näher. In Scarborough selbst erwartete mich das erste große Highlight des Tages: die beeindruckende Bay mit dem Castle auf einem Felsen. Ein atemberaubender Anblick, der mich vollkommen in seinen Bann zog. Die Stadt schien auf verschiedenen Ebenen zu existieren, mit Promenaden, die sich auf mehreren Höhen verteilten. Am Strand herrschte reges Treiben, obwohl das Wetter eher trüb und kalt war. Surfer trotzten den Wellen, während Kinder auf Eseln am Strand entlang ritten. Ein kurioses, aber irgendwie charmantes Bild.

Die Fahrt führte weiter entlang der Küste, und bald begann der Cinder Way, ein 30 km langer Radweg, der auf einer alten Eisenbahnstrecke verläuft. Die Strecke war mal schotterig, mal sandig, und immer wieder buckelig. Der Weg war zwar anstrengend zu fahren, aber die Ausblicke auf die Küste machten jede Mühe wett. Besonders beeindruckend war die Robin Hood Bay – ein Anblick, der mir schlicht den Atem raubte. Hohe grüne Hänge, die in eine wunderschöne Bucht mit Kliff münden, und Schafe, die friedlich auf den Wiesen grasten – ein wahrhaft magischer Moment.

Der Weg nach Whitby führte über ein altes Aquädukt, das mich 30 Meter über dem Boden thronen ließ. Die Aussicht war spektakulär, doch die Anstrengungen des Tages machten sich allmählich bemerkbar. In Whitby angekommen, steuerte ich direkt die Touristeninformation an und ließ mir den Weg zum nächsten Zeltplatz und einem Youth Hostel erklären. Der Weg zum Youth Hostel war ein echter Kraftakt – die Steigung betrug sicherlich mehr als 20 %. Doch angekommen, musste ich erfahren, dass kein Platz mehr frei war. Enttäuscht, aber nicht entmutigt, ließ ich mich zu einem Backpacker Hostel vermitteln.

Für nur 17 Pfund fand ich schließlich eine Unterkunft und entschied mich spontan, zwei Nächte zu bleiben. Der morgige Tag wird ein Ruhetag sein, und ich werde die Gelegenheit nutzen, Whitby ausgiebig zu erkunden. Die Atmosphäre im Backpacker Hostel ist entspannt, und ich freue mich auf eine erholsame Nacht, um Kraft für die nächsten Etappen zu tanken.

Bis morgen, Micha.

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Whitby. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?