Kapitel 12 von 15: Schweden - Dänemark
82% der Gesamtreise
Tag 72 von 88
Überfahrt nach Dänemark
4 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 12.06.2011
Tageskilometer: 48.19 km
Route: Varberg → Fjellerup
Fahrzeit: 3:10:41
Schnitt: 15.2 km/h
Gesamtstand: 5124.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Der Platz an der Burgmauer mit dem frisch gemähten Rasen, auf dem mein Zelt stand, war optimal gelegen für die Übernachtung. Er war sicher nur nicht dafür gedacht. So ganz entspannt war mein Schlaf nicht. Ich bin mehrmals nachts aufgewacht. Ich hab es sogar endlich mal geschafft, vor 07:00 Uhr aufzustehen. Frühstück fiel heute ausnahmsweise mal aus. Frischmachen war auch nur begrenzt möglich. Zum Ableger brauchte ich nicht mal fünf Minuten. Hatte ja einen exklusiven Schlafplatz gefunden.
Um 07:30 Uhr konnte ich mir das Ticket für die Überfahrt im Wert von 525 SEK kaufen. Dort konnte ich mich auch noch ein wenig frisch machen. Kurze Zeit später konnte ich bereits die Fähre besteigen. Die Abfahrtszeit betrug 08:55 Uhr und die Ankunftszeit 13:10 Uhr. An Bord gibt es Free WiFi. Ich suchte mir einen Platz mit Steckdose und fing an, die Berichte der letzten beiden Tage zu schreiben. An Bord bin ich von einer älteren Dame angesprochen worden, ob ich Radfahrer sei. Als ich ihr erzählte, dass ich um die Nordsee fahre und ihr die Karte zeigte, holte sie ihren Mann und die beiden Enkel dazu. Es waren Schweden und sie waren wohl am Radfahren interessiert.
In Dänemark angekommen atmete ich erstmal tief durch. Ich habe nun das fünfte Land hinter mich gelassen. Wie immer spielte ein wenig Wehmut mit hinein. Nach anfänglicher Skepsis hat mir Schweden letztendlich gut gefallen. Merkwürdig nur, dass ich dort mehr Deutsche als Schweden kennengelernt habe. Das mag wohl einfach daran liegen, dass Schweden ein beliebtes Urlaubsland für Deutsche ist.
In Grenaa begrüßte mich ein Schild, welches über die Northsea Cycle Route informiert. Sehr praktisch. Ich folge der 5 bis Skagen und von da der 1 bis Deutschland. Eigentlich ganz einfach. Als nächstes wollte ich mir Kartenmaterial besorgen. Ich sprach einen Mann an, ob er mir sagen könne, wo sich die nächste Buchhandlung befinde. Er versuchte es mir mit leichten Schwierigkeiten auf Englisch zu erklären. Ich sprach zwischendurch ein deutsches Wort. Er reagierte darauf und fragte in gutem Deutsch, ob ich aus Deutschland kommen würde. Er meinte, sein Deutsch wäre besser und erklärte es mir nochmals auf Deutsch. Ich werde es jetzt so halten, dass ich immer zuerst die Frage stelle, ob Deutsch oder Englisch besser wäre.
Um zum Buchladen zu kommen, musste ich drei Kilometer in die Stadt fahren. Eine Fahrradkarte hatten sie nicht, dafür aber eine 1:500000 Übersicht, auf der die Radrouten drauf eingezeichnet waren. Was noch viel wichtiger ist: Es sind die Zeltplätze auf der Karte verzeichnet. Ich werde, genauso wie in Skandinavien, die Campingplätze entscheiden lassen, wo meine Etappen enden.
Um kurz nach zwei ging es endlich los. Wieviel ich heute noch fahren wollte, wollte ich noch auf mich zukommen lassen. Ich fuhr los, kam aus der Stadt heraus und fühlte mich gleich wohl. Das Wetter war sonnig und warm. Als ich so fuhr, fragte ich mich, was anders wäre als gestern. Erstmal das Gefühl, wieder nach Norden zu fahren. Was aber prägnanter ist: Es gibt keine Felsen und hier gibt es Korn. Es ist ein wenig wie zu Hause. Viele Kornfelder, Wiesen, Alleen, kleine Wälder und Küste.
Zum späten Nachmittag zog der Himmel ein wenig zu. Ich entschied mich, es nicht später werden zu lassen als 18:00 Uhr. In Fjellerup haben sie gar zwei Campingplätze. Ich nahm den am Strand. Während ich in Schweden um eine Campingkarte herumkam, wurde ich hier nach einer gefragt. Ich legte mir gleich eine Jahreskarte für 100 Kronen zu. Eine Tageskarte hätte mich 35 gekostet. Da ich noch ein paar Tage in Dänemark bin, kommt mich die Jahreskarte günstiger.
Jetzt, wo ich in meinem Zelt liege und den Bericht schreibe, muss ich feststellen, dass es hier ganz schön laut ist. Ich höre laute Musik, Gespräche und Kinder. Es ist Pfingstwochenende und Sommer. Da werde ich mich wohl dran gewöhnen müssen.
Bis morgen, Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Hadsund. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?