Kapitel 7 von 15: Schottland
52% der Gesamtreise
Tag 46 von 88
Regen, Wind und Berge: Ein Tag auf den Orkney-Inseln
4 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 18.05.2011
Tageskilometer: 78.58 km
Route: Stromness → Stromness
Fahrzeit: 5:21:00
Schnitt: 14.7 km/h
Gesamtstand: 3359.0 km
Wind-Fokus: Heute war der Wind ein dominanter Mitspieler.
Der heutige Morgen begann anders als gewohnt. Vielleicht lag es daran, dass mein Rad 30 Kilogramm leichter war, da ich die Taschen im Hostel lassen konnte. Die Route würde mich in einem Rundkurs wieder nach Stromness zurückführen, was mir die Freiheit gab, ohne das zusätzliche Gepäck zu fahren. Diese Erleichterung fühlte sich wie eine neue Art des Reisens an. Ich hatte keine Eile, denn ohne das zusätzliche Gewicht ließ sich das Rad mühelos und angenehm bewegen. Der Regen am Morgen schien mich kaum zu stören – ich wusste, dass dieser Tag entspannter und schneller sein würde.
Meine Tour startete entlang einiger beeindruckender Sehenswürdigkeiten. Die „Stones of Stenness“ und der „Ring of Brodgar“, uralte Steinformationen, ragten mystisch aus dem Nebel hervor. Diese prähistorischen Stätten erinnern stark an Stonehenge und gelten als bedeutende religiöse Stätten aus der Steinzeit. Es ist schwer, sich vorzustellen, welche Zeremonien hier vor Tausenden von Jahren stattgefunden haben. Der Regen, der mich begleitete, schien diese uralte Atmosphäre noch zu verstärken.
Nach diesen ersten Eindrücken fuhr ich weiter nach Scara Brae, einer der besterhaltenen jungsteinzeitlichen Siedlungen Europas, die vor etwa 5000 Jahren errichtet wurde. Die Geschichte dieser Siedlung faszinierte mich sehr. Sie war jahrhundertelang unter einer Sandschicht verborgen, bis der Wind sie schließlich freilegte. Es war ein beeindruckendes Gefühl, durch diese alten Ruinen zu gehen und sich vorzustellen, wie Menschen hier gelebt und gearbeitet haben. Die kleinen, steinernen Häuser zeugten von einem einfachen, aber strukturierten Leben ohne Hierarchien. Die gesamte Siedlung war so gut erhalten, dass man die Lebensweise der Menschen erahnen konnte. Ein Blick in die Ausstellung des Visitor Centres verstärkte dieses Gefühl noch.
Während meines Aufenthalts in Scara Brae traf ich auch wieder auf meine beiden Radkameraden von gestern. Wir setzten uns zusammen ins Café und unterhielten uns bei einem Kaffee über die Route und die Herausforderungen des Radreisens. Es war schön, bekannte Gesichter zu sehen und sich über die Erlebnisse des Vortags auszutauschen.
Die Fahrt ging weiter und wurde zunehmend windiger. Kurz nach Scara Brae zog dichter Nebel auf, und es begann wieder zu regnen. Der Weg nach Birsay, der nördlichsten Spitze meiner Tour, führte mich durch endlose grüne Wiesen und entlang von Seen. Die Umgebung war malerisch, und der Ausblick auf das Meer und die Felsklippen entschädigte für das graue Wetter. Besonders der Leuchtturm auf der Landzunge Brought Head, der majestätisch über dem Meer thronte, war ein Höhepunkt meiner Tour. Die Aussicht war trotz des Wetters unvergesslich.
Der Rückweg wurde dann jedoch zu einer echten Herausforderung. Ab Evie drehte der Wind und kam mir direkt entgegen. Dazu regnete es in Strömen, und die ohnehin schon anstrengenden Anstiege wurden durch den Gegenwind noch schwerer. Es gab Momente, in denen ich dachte, dass ich mich kaum noch fortbewegen konnte, besonders bergauf. Selbst bergab musste ich treten, um vorwärtszukommen. Die nassen Straßen und der dichte Nebel machten es schwer, den Überblick zu behalten. Zusätzlich verlor ich unterwegs meine Werkzeugtasche, weil sie sich vom Rad löste. Zum Glück bemerkte ich es rechtzeitig und konnte sie wieder einsammeln.
Die letzten 20 Kilometer zogen sich endlos hin. Der Regen prasselte unermüdlich auf mich herab, und ich hatte das Gefühl, gegen unsichtbare Kräfte anzukämpfen. Doch ich biss die Zähne zusammen und kämpfte mich durch. Die letzten 10 Kilometer waren zwar trocken, aber der Wind machte den Rest der Fahrt zur Strapaze.
Am Ende des Tages war ich froh, wieder im Hostel zu sein. Obwohl meine Füße nass und meine Kräfte erschöpft waren, war ich stolz auf das, was ich geschafft hatte. Nun hatte ich die Orkney-Inseln fast vollständig erkundet. Morgen würde es ruhiger zugehen, bevor ich mich auf die Fähre nach den Shetland-Inseln begebe.
Bye Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Kirkwall. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?