Kapitel 1 von 15: Deutschland
5% der Gesamtreise
Tag 4 von 88
Plattes Land und Gegenwind – 108 km Kampf durch die friesische Landschaft'
4 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 4.4.2011
Tageskilometer: 108.61 km
Route: Dangast → Neuhalingersiel
Fahrzeit: 6:51:32
Schnitt: 34.1 km/h
Gesamtstand: 392.0 km
Wind-Fokus: Heute war der Wind ein dominanter Mitspieler.
Der Tag begann, wie so viele auf dieser Reise, mit einem besonderen Moment – diesmal war es Helmut, der Schleusenwärter, dessen Stimme mich aus dem Schlaf riss. Er unterhielt sich mit einem Camper in aller Seelenruhe. Und während ich mich langsam aus meinem Zelt schälte, realisierte ich, dass es Zeit für eine schnelle „Mäusedusche“ war. Dusche gab es dort nicht. Nach einem ausgiebigen Frühstück, bei dem meine Touring-Kombüse wieder einmal glänzte – frisches Brot, Aufschnitt, Käse und natürlich frisch gebrühter Kaffee (kein Instant-Kram!) – war es Zeit, die Sachen zu packen.
Langsam lief das morgendliche Packen routiniert ab. Alles hatte seinen festen Platz: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche und Bad – alles ordentlich verstaut in den Packtaschen. Da kam auch Helmut vorbei, und wir plauderten ein wenig. Er erzählte mir, wie in Dangast der Punk und der Professor Seite an Seite im Kurhaus sitzen, ohne dass sich jemand daran stört. “Das ist Dangast”, sagte er mit einem Lächeln. Ich war beeindruckt von diesem kleinen, aber freundlichen Ort und seiner warmen Gemeinschaft. Falls ihr jemals hier seid, macht einen Abstecher zur Siel-Schleuse und fragt Helmut über die Siele aus. Er wird mit Freuden erzählen!
Kurz vor dem Aufbruch kam ich mit einem anderen Camper ins Gespräch. “Schwalbe-Reifen?”, fragte er, „Die taugen was! Die hab ich auch. Aber mein Bike hat nen E-Motor, da muss ich nicht so viel strampeln.“ Ich erzählte ihm von meinen 6000 geplanten Kilometern. Er blieb kurz still, als müsse er diese Zahl erstmal verdauen. Dann wünschte er mir viel Erfolg.
Die ersten Kilometer vergingen schnell, als ich von Dangast in Richtung Ellenserdamersiel fuhr. Plötzlich sah ich links von mir eine riesige Schar Vögel – es mussten Tausende sein, alle starrten in dieselbe Richtung. Es sah fast aus, als würden sie einen unsichtbaren Gott anzwitschern. Ein Moment, der sich in mein Gedächtnis brannte. Dann, in Sanderaheim, war das nächste Highlight: Jedes Haus trug einen Wimpel mit der mittelalterlichen Berufsbezeichnung seines Bewohners. Es fühlte sich an, als wäre ich durch die Zeit gereist. Am Ortsausgang prangte ein Schild: “Frieslands schönste Stadt von 1985 bis 2004”. Ein unerwartetes, aber charmantes Detail.
Mein Weg führte weiter am Wasserschloss Gödens vorbei. Ein wirklich beeindruckendes Anwesen, in dem noch heute die Nachfahren der mittelalterlichen Schlossherren leben. Ein kurzer Abstecher auf das Gelände und 15 Minuten staunen lohnten sich allemal.
Über Sande ging es nach Wilhelmshaven, wo ich am Banter See vorbeifuhr, in dem ich einst meinen ersten Freiwassertauchgang gemacht hatte. Die Promenade am Südstrand war hübsch, aber ruhig – offenbar war ich noch etwas zu früh für die Touristenwelle. Ein Blick auf das Marine-Museum und das Aquarium verriet mir, dass es hier noch viel zu entdecken gibt.
Als ich weiterfuhr, fing es plötzlich an zu regnen – mein erster Regen auf dieser Tour. Also schnell in die volle Regenmontur. Kaum war ich fertig angezogen, hörte der Regen wieder auf. Dankeschön! Ich entschied mich, die Sachen trotzdem anzulassen und fuhr weiter in Richtung Hooksiel. Der kleine Hafenort war idyllisch, doch der Wind, der mir von vorn ins Gesicht blies, wurde zunehmend unangenehmer. Ich befand mich mitten im „Friesischen Windkanal“, und die Windräder, die überall in dieselbe Richtung zeigten, schienen mir zu sagen: „Gegenwind ist dein ständiger Begleiter.“
Die letzten Kilometer wurden hart. Statt der geplanten 75 km wurden es schließlich 108 km – eine echte Herausforderung. Gegen Ende des Tages trat ich ordentlich in die Pedale, um die 20:00 Uhr-Annahme auf dem Campingplatz in Neuharlingersiel noch zu erreichen. Um 19:45 Uhr kam ich endlich an. Vollgas, direkt ins Ziel.
Zum Glück hatte ich die freie Auswahl an Zeltplätzen – mal wieder der einzige. Doch das war mir egal. Eine heiße Dusche, ein leckeres Abendessen und ein WLAN für 5 Euro, das leider nicht funktionierte – so endete der Tag.
Morgen könnte ich mir eine kleine Verschnaufpause gönnen. Neuharlingersiel sieht nach einem Ort aus, an dem man einen Tag verbringen könnte. Es gibt sogar ein Schwimmbad. Mal sehen, was der nächste Tag bringt.
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Neuharlingersiel. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?