Kapitel 13 von 15: Dänemark
95% der Gesamtreise
Tag 84 von 88
Der letzte Tag in Dänemark: Auf zur Grenze nach Deutschland
4 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 22.06.2011
Tageskilometer: 70.94 km
Route: Ribe → Rudbøl
Fahrzeit: 4:48:41
Schnitt: 14.7 km/h
Gesamtstand: 5939.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Heute war der letzte Tag mit den letzten Kilometern im nicht-deutschen Gebiet. Das Ende kam immer näher. Der Himmel war bewölkt und der Wind kam aus Südwesten – leider in die Richtung, in die ich fuhr. Interessanterweise hatte ich keinen einzigen negativen Gedanken wegen des Wetters. Ich nahm es hin, wie es war, und fuhr einfach los.
Von Ribe führte mich der Weg schnurstracks wieder an den Deich. Es war so flach, dass ich bereits sehen konnte, wo ich drei Stunden später landen sollte. In solchen Momenten geht man oft in sich und denkt über alles Mögliche nach – über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Ein Spaziergang ist es allerdings nicht, wenn man mit 12 km/h gegen den Wind ankämpft. Es fordert Konzentration auf sich selbst. Wenn die Oberschenkel anfangen zu brennen, erinnere ich mich daran, ruhig zu treten: erst links, dann rechts, immer schön im runden Tritt. Ich habe mittlerweile so viel Übung, dass ich trotz der Anstrengung und der Monotonie immer weiter trete – so lange, wie es notwendig ist.
Trotz der Herausforderungen war ich froh, nach 70 km in Rudbøl anzukommen. Zuerst fuhr ich das Youth Hostel an. Dort fragte man nach einem Jugendherbergsausweis. Mein vorläufiger Campingausweis interessierte sie nicht. Bettwäsche wollte ich haben, doch dann stellte sich die entscheidende Frage: Kronen oder Euro? Ich antwortete, dass ich seit über 2,5 Monaten keinen Euro mehr gesehen habe und lieber mit Kreditkarte zahlen würde. Das wurde verneint. Auf meine Frage nach einem Geldautomaten erfuhr ich, dass der sieben Kilometer südlich bei Friedrichshafen sei. „Wenn ich da ganz hinfahre, fahre ich bestimmt nicht mehr zurück“, dachte ich mir und so konnte ich aufgrund mangelnder Liquidität nicht einchecken. Das passierte mir auf der gesamten Reise zum ersten Mal.
Ein paar Hundert Meter weiter gab es einen Campingplatz. Die Rezeption war offen, aber niemand war anwesend. Ich rief eine Nummer an und wurde in Dänisch begrüßt. Als ich in den Sprachen, die ich kann – Deutsch und Englisch – antwortete, stellte ich fest, dass es nichts nützte; er sprach weiter in Dänisch. Nach einer Weile kam schließlich jemand, der mir zuwinkte. Es stellte sich schnell heraus, dass es sich um den gleichen Mann handelte, mit dem ich telefoniert hatte. Ich fragte nach einer Hütte, und er signalisierte mir, dass wir dafür ins Restaurant gehen müssten. Nach etwas Hin und Her einigten wir uns schließlich auf den Preis. 50 Euro waren mir allerdings zu viel, also signalisierte ich, dass mir ein Zeltplatz reichen würde.
Ich wurde über den Platz geführt: Sanitäranlagen, Küche, alles wie gewohnt. Das Highlight war jedoch ein 12-Meter-Schwimmbecken! Ich holte zum allerersten Mal meine Schwimmsachen heraus und machte mich auf den Weg zum Schwimmbecken. Nach einer Stunde Kraulen, Bahn hoch und Bahn runter, stellte ich fest, wie sehr mir das gefehlt hatte. Für die richtige Triathlon-Form muss ich allerdings noch etwas mehr tun.
Auf dem Rückweg zum Zelt sah ich eine zehnköpfige Gruppe von Campern, die beim Grillen saßen, darunter auch der Platzwart. Heute war Mittsommernacht, und in Dänemark versammeln sich die Menschen an diesem Abend. Ich wurde hergewunken und eingeladen, daran teilzunehmen. Ich nahm dankend an und bekam zu essen und Wein. Den ganzen Abend saß ich mit der Gesellschaft zusammen, es wurde gescherzt und gesungen. Die meiste Zeit verstand ich kein Wort, was mir jedoch nicht fremd war, denn auch zu Hause in großen Gruppen habe ich oft Schwierigkeiten, alles zu folgen.
Ich durfte sogar einem dänischen Ritual beiwohnen – der Verbrennung der Blocksberg-Hexe. Morgen werde ich die Grenze zu Deutschland überqueren und in vier bis sechs Tagen zurück in Hamburg sein. Ich freue mich auf das, was noch kommt. Bis bald!
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Nordstrand. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?