Kapitel 9 von 15: Norwegen

68% der Gesamtreise

Tag 60 von 88

Eine erholsame Hütte und die Strategie für das Essen unterwegs

4 min Lesezeit

Norwegen 🇳🇴 44.7 km

Etappen-Infobox

Datum: 31.05.2011

Tageskilometer: 44.68 km

Route: Mandal → Søgne

Fahrzeit: 3:41:46

Schnitt: 12.1 km/h

Gesamtstand: 4175.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 60: Erholsame Hütte und Essensstrategie
Tag 60: Erholsame Hütte und Essensstrategie

Heute habe ich mal einen Gang runtergeschaltet. Der Morgen lief wie gewohnt, mit einer Ausnahme: Ich stellte den Wecker nicht auf 10 Minuten Intervall, sondern schaltete ihn gleich ganz aus, als er um 07:00 Uhr klingelte. So schlief ich erstmal zweieinhalb Stunden länger. Auf dem Weg zum Waschraum kam ich mit einem Süddeutschen ins Gespräch. Er ist gestern in Kristiansand angekommen und möchte bis zum Nordkap hochfahren – 4000 km in zwei Monaten. Das entspricht der Leistung, die ich bringen muss.

Während wir sprachen, kamen drei junge Mädchen und ein Junge auf uns zu. Sie hatten Deutsch als Sprache in der Schule und hatten die Aufgabe, Deutsche in Deutsch zu interviewen. Wo geht das besser als auf dem Campingplatz, da wimmelt es ja nur so von Deutschen! Und ich dachte, die wären alle auf Mallorca.

In Mandal kaufte ich mir erst mal eine neue Gaskartusche. Diese ist doppelt so groß wie die vorherige und dürfte damit auch doppelt so lange halten. Meine Tagesration Essen besorgte ich mir auch gleich. Da ich nicht frühstücken konnte, holte ich dies bei Sonnenschein am Strand nach. Um 14:00 Uhr kam ich endlich aus Mandal heraus. Mal wieder recht spät. Ich war immer noch sehr angeschlagen von den letzten Tagen. Ich hatte leichte Kopfschmerzen und fühlte mich ein wenig schwach.

Die folgende Strecke war gut zu fahren und enthielt nur leichte Anstiege. Ich fuhr ganz moderat und versuchte, mich beim Fahren ein wenig zu erholen. Ich hätte ja jetzt auch einen Ruhetag einlegen können. Im Moment möchte ich damit aber noch ein wenig sparsam umgehen, man weiß ja nie, was noch auf einen zukommt: Regen, platte Reifen, nicht fahrende Fähren und was einem sonst noch widerfahren könnte.

Das Wetter war gut. Anfangs sonnig und später bedeckt. Die Strecke war schön. Immer wieder kam ich an kleinen Städtchen vorbei, mit Sandstrand oder einem kleinen, seeförmigen Fjord mit kleinen bewohnten Inseln darin. Wer einmal eine eigene Insel besitzen möchte, muss nach Norwegen kommen; hier gibt es sie. Hier hat auch fast jeder Norweger sein eigenes Boot. Und statt einer Autogarage hat er eine Bootsgarage direkt am Wasserrand.

Nach Kristiansand waren es von Mandal aus etwas über 60 km, und der Campingplatz war irgendwo dahinter. Würde wieder spät werden, weil ich ja so spät erst losgefahren bin. Ich fühlte mich soweit ganz in Ordnung, aber auch die leichten Anstiege waren heute anstrengend. Bei Søgne erblickte ich ein Schild, welches auf einen Campingplatz hinwies. Ein bisschen früh dachte ich und fuhr erst mal weiter.

Ein paar Kilometer weiter sah ich ihn dann. Meine Strecke ging links weiter, und der Campingplatz war direkt zu meiner rechten. Ich blieb stehen und überlegte. 44 km stand auf dem Tacho. Ein bisschen wenig. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass ich ein wenig Erholung gebrauchen konnte, steuerte ich den Campingplatz an. Ich nahm mir vor, eine Hütte zu mieten, vorausgesetzt, sie wird nicht mehr als 350 NOK kosten.

Die letzten Tage hatte ich nicht viel Glück mit dem Anmieten einer Hütte. Entweder war niemand da, bei dem ich hätte mieten können, oder sie war einfach zu teuer. An der Rezeption meinte man zu mir, die kleinste wäre eine Vierpersonen-Hütte und würde 700 NOK kosten. Ich sagte nur: „Too expensive for me.“ Er tippte ein wenig auf der Tastatur herum und meinte nach einer Weile, er könne maximal auf 400 NOK runtergehen. Ich zögerte kurz, stimmte dann aber zu.

Die Hütte hat einen Raum, in dem man sich aufhalten und kochen kann. Es gibt einen Schlafraum mit zwei Doppel-Hochbetten und es gibt ein WC mit Dusche. Ein TV gibt es ebenfalls. Was für ein Luxus nach über einer Woche Zelten im Regen. Nachdem ich alle meine Sachen in der Hütte hatte, fing es draußen kräftig an zu schütten. Es war absolut die richtige Entscheidung, hier zu bleiben. Das hätte mich sonst wieder eine Menge Körner gekostet.

Ich habe mir schön eine Vierpersonen-Pasta zubereitet, mit Paprika, Salami und Zwiebel. Ich könnte auch mal wieder Fisch essen, hatte ich schon lange nicht mehr. Beim Essen habe ich mir Derrick in Deutsch mit norwegischem Untertitel angeschaut. Das ist schon imposant. Ich bin überzeugt, dass es morgen wieder rollen wird, wenn das Wetter mitspielt. Die nächsten Tage sollen ein wenig flacher werden. Ich muss auch noch ein wenig an meiner Essensstrategie während des Fahrens arbeiten. Ich brauche mehr Kohlenhydrate für solche Belastungen.

Bis morgen, Micha.

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Lillesand. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?