Kapitel 1 von 15: Deutschland
8% der Gesamtreise
Tag 7 von 88
Geschichten am Deich und Rückenwind – 69 km durch Ostfriesland
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 7.4.2011
Tageskilometer: 68.71 km
Route: Norddeich → Dyksterhus
Fahrzeit: 3:57:33
Schnitt: 17.4 km/h
Gesamtstand: 512.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Heute war es mal richtig gemütlich. Kein Zelt, das abgebaut werden musste, und kein Frühstück, das ich selbst zubereiten musste. Es war einer dieser Tage, an denen man sich einfach nochmal umdreht – oder gleich viermal. Diese morgendliche Routine, die normalerweise mindestens zwei Stunden dauert, konnte ich heute ganz entspannt auslassen. Stattdessen stand mein Frühstück schon bereit. Das Ei war perfekt – flüssiges Eigelb, so wie es sein sollte.
Gegen 10 Uhr machte ich mich dann wieder auf den Weg, mit meinem treuen „Stevens Nordseeradler“ als Begleiter. Der erste Stopp war Norden, aber die Stadt war so schnell durchquert, dass ich kaum Notiz davon nahm. Die North Sea Cycle Route (NSCR) war hier besonders gut ausgeschildert – etwas, das nicht in jeder Stadt selbstverständlich ist. Größere Orte wie Norden neigen dazu, von Vandalismus betroffen zu sein, und oft fehlen einfach die Schilder. In Norden hätte ich mir das Ostfriesische Teemuseum ansehen können, aber die Zeit war knapp und die Kilometer mussten am Ende des Tages passen.
Nach Norden ging es wieder gegen den Wind, aber im Vergleich zu gestern war das fast schon lächerlich. Der Wind war zwar da, aber nichts, was ich nicht bewältigen konnte. Kurz darauf bog ich nach Süden ab, und ab diesem Moment hatte ich endlich Rücken- oder Seitenwind – eine echte Erleichterung. Die Landschaft konnte ich nun wieder in vollen Zügen genießen.
Die nächsten Orte waren Osteel und Marienhafe, zwei sehr schöne Ortschaften. In Marienhafe hatte der berühmte Pirat Störtebeker einst in der alten Kirche seine Winterquartiere aufgeschlagen. Ein geschichtsträchtiger Ort.
Die NSCR führt nicht immer nur am Deich entlang, sondern macht auch Abstecher ins Inland. Das ist gut so, denn der „Deichkoller“ kann schnell zuschlagen, wenn man nur den Deich vor sich hat. Es wäre schade, einige dieser schönen Orte zu verpassen.
Mein nächstes Ziel war Greetsiel, ein malerisches Fischerdorf, in dem man gut und gerne Urlaub machen könnte. Hier hielt ich mich fast zwei Stunden auf. Zuerst besuchte ich ein kleines Museum über das Wattenmeer – ein sehr gelungenes Arrangement, das mir den Lebensraum Nordsee noch näherbrachte. Danach gönnte ich mir ein Stück Kuchen in einem Café mit Blick auf den Hafen. Der Kuchen schmeckte hier gleich doppelt so gut.
Als ich mich wieder auf den Weg machen wollte, sprach mich ein älterer Herr auf mein Fahrrad an. Wir kamen ins Gespräch, und ich erzählte ihm von meiner Reise und meiner Heimat Hamburg. Er erzählte mir, dass seine Familie seit dem 14. Jahrhundert in Hamburg lebt. So vertieften wir uns in ein Gespräch über die friesischen Häuptlinge und deren Burgen. Zum Abschluss tauschten wir Adressen aus, und der Herr von Appen bot mir an, ein Wochenende in Greetsiel zu verbringen – mit einer Unterkunft, die er mir bereitstellen würde. Was für eine nette Geste!
Ein paar Meter weiter entdeckte ich einen T-Online Hotspot – meine Chance, endlich ein paar Bilder hochzuladen. Leider konnte ich noch nicht alles hochladen, aber ich werde morgen in Emden versuchen, weitere Bilder online zu bringen.
Der Rest der Strecke verlief angenehm. Mit Rückenwind im Rücken stieg ich kurz vor meinem Etappenziel nochmal auf den Deich. Ab und zu warf ich einen Blick über den Deich, und der Anblick war atemberaubend: Die niederländische Küste und eine Bohrinsel waren klar zu erkennen. Morgen geht es nach Emden – Heimatstadt von Otto Waalkes. Da werde ich wohl auf die Suche nach der ostfriesischen Nationalflagge gehen: „Weißer Adler auf weißem Grund.“ Otto lässt grüßen.
Gute Nacht, Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Nieuweschans. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?