Kapitel 5 von 15: England

27% der Gesamtreise

Tag 24 von 88

Fahren bis zum Horizont – Über die Humber Bridge nach Hull

3 min Lesezeit

England 🇬🇧 87.1 km

Etappen-Infobox

Datum: 24.4.2011

Tageskilometer: 87.13 km

Route: Market Rasen → Hull

Fahrzeit: 5:46:01

Schnitt: 15.1 km/h

Gesamtstand: 1696.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 24: Fahren bis zum Horizont
Tag 24: Fahren bis zum Horizont

Heute war einer dieser Tage, an denen der Weg genauso beeindruckend war wie das Ziel. Am Morgen verließ ich den Racecourse in Market Rasen mit halb aufgeladenen Geräten – ein immer wiederkehrendes Problem auf Campingplätzen. Ohne Steckdose bleibt nur die Möglichkeit, bei einem Camper freundlich zu fragen oder den Rasieranschluss im Bad zu benutzen, was mir aber zu riskant ist. Also machte ich mich auf den Weg und hoffte, dass die verbleibende Akkulaufzeit reichen würde.

Von Market Rasen ging es direkt hinein in die Wolds, eine hügelige Gegend, die mich mit einer beeindruckenden Rampe begrüßte. Die 150 Meter Höhe musste ich in einem Zug bezwingen, was ganz schön anstrengend war. Doch oben angekommen, belohnte mich eine atemberaubende Aussicht auf die umliegende Landschaft. Auf den folgenden Abfahrten dachte ich nur: „Was für ein fantastisches Radgebiet!“ Viele englische Radfahrer hatten wohl dieselbe Idee, denn ich begegnete unzähligen Rennrad- und Mountainbikern. An einem Punkt stand sogar ein leuchtend gelbes Schild mit der Aufschrift „Caution Cyclists“ und auf der Rückseite „Cyclemania“. Genau so fühlte ich mich: im Paradies für Radfahrer.

Beelsby war der nächste Ort auf meiner Route, doch der hielt nicht viel für mich bereit. Also fuhr ich schnell weiter. Die folgenden 23 Meilen waren geprägt von ständigen Anstiegen und Abfahrten. Ein besonderes Highlight war ein Waldweg, der etwa fünf Meilen lang war. Solche Strecken sind immer eine schöne Abwechslung, auch wenn die Schlaglöcher und unebenen Stellen das Fahren mit Gepäcktaschen zu einer wackeligen Angelegenheit machen.

Schon aus der Ferne konnte ich die majestätische Humber Bridge sehen. Als ich schließlich vor ihr stand, war ich beeindruckt von der Größe dieses Bauwerks. Sie verbindet die Orte Barton Upon Humber und Hull und bietet Radfahrern einen separaten Weg, um die riesige Brücke zu überqueren. Auf der anderen Seite angekommen, befand ich mich in Hull, der größten Stadt, die ich bis jetzt in England durchquert hatte.

Nachdem ich die Brücke hinter mir gelassen hatte, hielt ich an einer Informationsstelle, um meine nächsten Schritte zu planen. Ein Hobby-Radler gesellte sich zu mir und wir unterhielten uns eine Weile. Er bot an, mich ein Stück weit durch Hull zu begleiten, was mir sehr willkommen war. Leider verpasste ich dann eine Abzweigung und fuhr viel zu weit nach Osten, was mich einige zusätzliche Kilometer kostete. Dank meines Navis fand ich jedoch zurück auf die Route.

Die Suche nach einer Unterkunft machte mich allmählich nervös, denn der Tag neigte sich dem Ende zu und mein iPhone-Akku war fast leer. Ich nutzte die letzten Stromreserven, um mit der App Quipe nach einer Unterkunft zu suchen. 500 Meter weiter, in einer kleinen Seitenstraße, fand ich schließlich eine. Es war eine Selbstversorger-Unterkunft, was für mich kein Problem darstellte – ich hatte ja mein eigenes Frühstück dabei. Einen abschließbaren Raum für mein Fahrrad gab es leider nicht, also trug ich es die schmale Treppe hinauf und schloss es an einem Regenabflussrohr an.

Am Abend setzte ich mich in die kleine Bar im Erdgeschoss, die auch Karaoke anbot. Zum Glück traf ich dort auf ein deutsches Paar, mit dem ich mich eine ganze Weile sehr angenehm unterhielt. Es war schön, mal wieder in der Muttersprache zu plaudern, nachdem ich die letzten Tage ausschließlich Englisch gesprochen hatte.

Morgen geht es weiter in den Norden – hoffentlich mit genauso spannenden Erlebnissen. Bis morgen, Micha

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Bridlington. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?