Kapitel 3 von 15: Niederlande

13% der Gesamtreise

Tag 11 von 88

Der endlose Damm – Zwischen Nordsee und IJsselmeer

3 min Lesezeit

Niederlande 🇳🇱 99.5 km

Etappen-Infobox

Datum: 11.4.2011

Tageskilometer: 99.51 km

Route: Holwerd → Den Oever

Fahrzeit: 6:00:36

Schnitt: 16.6 km/h

Gesamtstand: 838.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 11: Der endlose Damm
Tag 11: Der endlose Damm

Die Nacht begann mit dem Glockenschlag des Kirchturms um eins. Und so ging es bis sieben Uhr morgens, als schließlich auch mein Wecker sich dazu gesellte. Es hatte etwas Besonderes, direkt vor einer Kirche zu übernachten. Auch wenn der Schlaf dadurch etwas unterbrochen wurde, genoss ich dieses einzigartige Gefühl.

Eine heiße Dusche am Morgen ist purer Luxus, und auf vielen Campingplätzen muss man dafür zahlen – vier Minuten für 50 Cent waren in diesem Fall ein guter Deal. Immer noch besser als Katzenwäsche. Pünktlich um 09:00 Uhr war ich mit Packen und Satteln fertig, und so machten wir uns früh auf den Weg, der LF10 folgend, auf der die North Sea Cycle Route (NSCR) verläuft.

Es ging entlang des Deichs, dann wieder weg, um Gehöfte herum auf schmalen Wegen. Das erste Highlight war eine Kirche in Hohebeigtum, die auf einem Hügel thronte und die Umgebung majestätisch überragte. Der Wind war heute nicht besonders stark, aber selbst der leichte Gegenwind bremste uns merklich. Die Sonne schien, und es war ein wunderschöner Tag – aber der Wind zwang uns, häufiger Pausen einzulegen, als wir wollten.

Schließlich beschlossen wir, uns beim Gegenwind abzuwechseln und im Windschatten zu fahren: 1,5 km führte der eine, dann der andere. Das half nicht nur physisch, sondern auch mental. Wir würden diese Technik noch bitter nötig haben.

Harlingen, eine wunderschöne und eindrucksvolle Stadt, lag als nächstes vor uns. Der Hafen war gefüllt mit alten Segelschiffen, und die schmalen, schief stehenden Häuser entlang der Gracht erinnerten mich an Amsterdam. Der Anblick war faszinierend und es war der perfekte Ort, um eine Mittagspause einzulegen.

Nach der Pause führte uns die Route 9 km direkt am Wasser entlang – zum ersten Mal auf der Tour fuhren wir wirklich direkt am Wasser, ohne den Deich dazwischen. Es war ein Moment, der sich ins Gedächtnis einbrannte: die endlose Weite des Wassers und die frische Brise im Gesicht.

Und dann kam der Damm. Ein schier endloser 30 km langer Damm, der Friesland von Nord-Holland trennt. Auf der einen Seite das IJsselmeer, auf der anderen die Nordsee. Der Damm besteht aus einer Autobahn, zwei breiten Fahrradwegen und einem Deich, der die Nordseeseite schützt. Alle 10 km gibt es kleine Stationen mit einer Tankstelle, einem Hafen oder einer Statue des Erbauers.

Ich glaube, es war Schicksal, dass ich meinen Weggefährten getroffen habe. Ohne seine Unterstützung wäre diese Überquerung eine echte Prüfung geworden. Wir setzten wieder unsere Windschatten-Taktik ein, wechselten alle 3 km die Führung und legten alle 10 km eine Pause ein. Von 15:30 Uhr bis 18:00 Uhr kämpften wir uns über diesen endlosen Damm, und am Ende waren wir einfach nur glücklich, es geschafft zu haben.

Auf dem Damm trafen wir einen älteren Moto Guzzi-Fahrer, der uns warnte, dass in der Nacht Windstärke 7 und Regen aufziehen würden. Das war der Moment, in dem wir uns entschieden, uns eine feste Unterkunft für die Nacht zu suchen. Wir nahmen das erstbeste Hotel – ein Glücksgriff, wie sich herausstellte, denn es hatte kostenloses WLAN.

Jetzt werde ich versuchen, so viele Bilder wie möglich hochzuladen. Morgen geht es weiter aus Nord-Holland.

Bis bald, Micha

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Egmon aan Zee. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?