Kapitel 5 von 15: England

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Tag 25 von 88

Gegenwind bis zur Küste – Die Belohnung nach einem harten Tag in Bridlington

3 min Lesezeit

England 🇬🇧 Wind/Regentag 81.1 km

Etappen-Infobox

Datum: 25.4.2011

Tageskilometer: 81.08 km

Route: Hull → Bridlington

Fahrzeit: 5:45:55

Schnitt: 14.2 km/h

Gesamtstand: 1778.0 km

Wind-Fokus: Heute war der Wind ein dominanter Mitspieler.

Tag 25: Gegenwind bis zur Küste
Tag 25: Gegenwind bis zur Küste

Der heutige Tag begann ohne das gewohnte English Breakfast, denn in der Self-Catering-Unterkunft musste ich mir meinen Morgenkaffee selbst zubereiten. Glücklicherweise gab es eine kleine Küche, und ich konnte mir heißes Wasser für den Kaffee machen. Als ich mein Fahrrad die enge Treppe hinuntertrug und endlich auf dem Sattel saß, verspürte ich eine gewisse Vorfreude, wieder auf der Straße zu sein.

Der Weg aus Hull führte mich zunächst über Cottingham, wo mich ein nichtgeteertes Stück mit tiefen Schlaglöchern erwartete. Nach einigen holprigen Kilometern erreichte ich endlich wieder eine vernünftige Straße und nahm Fahrt auf. Kurze Zeit später erreichte ich Beverly, eine Stadt, die einen ausgesprochen guten Eindruck hinterließ – sauber und gepflegt. Hier hätte ich mir fast einen Kaffee gegönnt, doch um 10:00 Uhr war es dafür noch zu früh.

Auf meiner Weiterfahrt sprach mich ein Mann in Beverly an, der mir nach meinem Bericht über meine Reise respektvoll die Hand schüttelte. Ein Moment, der mir Kraft gab. Doch die Herausforderung wartete schon: Der Wind nahm merklich zu, und als ich mich Richtung Driffield bewegte, bekam ich die volle Wucht von Windstärke 4 zu spüren. Ich dachte, ich hätte den ständigen Gegenwind in Friesland hinter mir gelassen, aber offenbar hatte ich mich geirrt.

Unterwegs begegnete ich den ersten Tourenradlern. Eine dreiköpfige Gruppe überholte mich, doch sie zogen sich über eine Distanz von 150 Metern auseinander, was mich vermuten ließ, dass sie nicht wirklich gemeinsam unterwegs waren. Später begegnete ich einer sechsköpfigen Gruppe, mit der ich ein kurzes Gespräch führte, bevor ich sie ziehen lassen musste – sie hatten eindeutig weniger Gepäck und waren besser ausgeruht.

Je näher ich Bridlington kam, desto mehr setzte mir der Wind zu. Auf einem Stück hinter Burton Agnes kämpfte ich mich eine Meile lang im absoluten Gegenwind bergauf, was das mit Abstand anstrengendste Stück des Tages war. Doch hinter diesem zermürbenden Anstieg ging es mit Rückenwind und bergab weiter, was mich ein wenig versöhnte.

Als ich schließlich Bridlington erreichte und die Stadt durchquerte, erblickte ich die Küste. Was für ein Anblick! Vor mir erstreckte sich ein majestätisches Kliff, das von den Yorkshire Wolds bis zur Nordsee reichte. Nach Tagen ohne die Nordsee war der Anblick wie eine Belohnung. Der weite Sandstrand und die freie Sicht aufs Meer ließen alle Anstrengungen vergessen.

Doch ich hatte noch keine Unterkunft. Drei Campingplätze standen zur Auswahl, und während ich mich für den Weg Richtung Bempton entschied, setzte der Gegenwind wieder ein. Als ich an einem kleineren Platz vorbeikam, bog ich spontan ab und hoffte auf einen freien Platz – und ich hatte Glück. Der kleine Platz hatte noch genau zwei freie Stellplätze. Nach dem Zeltaufbau traf ich das Paar wieder, das ich unterwegs kennengelernt hatte. Sie waren auf einer viertägigen Tour von Manchester nach Bridlington unterwegs, insgesamt 178 Meilen.

Während ich auf dem Campingplatz zur Ruhe kam, wurde mir bewusst, dass in England mit Ostern offenbar die Radsaison begonnen hatte. Obwohl ich bereits viele Rennradfahrer gesehen hatte, war die Anzahl in den letzten Tagen deutlich gestiegen. Ein schöner Abschluss eines harten Tages, der mich erneut daran erinnerte, warum ich diese Reise mache: Es sind die Landschaften, die Begegnungen und die kleinen Momente, die es unvergesslich machen.

Bis morgen, Micha

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Whitby. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?