Kapitel 7 von 15: Schottland
49% der Gesamtreise
Tag 43 von 88
Hochs und Tiefs in den schottischen Highlands: Durch Wind, Regen und atemberaubende Landschaften
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 13.5.2011
Tageskilometer: 92.57 km
Route: Invershin → Bettyhill
Fahrzeit: 6:19:11
Schnitt: 14.6 km/h
Gesamtstand: 3118.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Der heutige Tag begann mit einer kleinen Enttäuschung: Der Schraubverschluss meines Trangria Spirituskochers ließ sich einfach nicht öffnen. Das bedeutete: kein Kaffee am Morgen – kein idealer Start für einen langen Tag in den Highlands. Dennoch setzte ich mich um 10:00 Uhr aufs Rad, nur eine Stunde später als geplant, und war bereit, die Tagesstrecke von über 90 Kilometern zu bewältigen.
Zunächst fühlte ich mich etwas müde und kraftlos, aber ich ignorierte diese kleinen Warnsignale. Der Weg nach Lairg führte entlang eines plätschernden Sturzbaches, begleitet von Wäldern und gelegentlichen Felswänden auf der anderen Seite des Wassers. Die Atmosphäre war friedlich, und bald erreichte ich das Besucherzentrum an den Shin Falls. Ein Stopp für einen Kaffee war nötig, besonders nach dem fehlenden morgendlichen Getränk.
Lairg, am Ufer des Loch Shin, machte einen einladenden Eindruck, aber hinter diesem kleinen Ort begann das große Nichts – 60 Kilometer durch weite, menschenleere Moore und Hügel. Die Highlands erstreckten sich majestätisch in der Ferne, die Gipfel teils über 1.000 Meter hoch. Die ersten 10 Meilen bis zum höchsten Punkt der Route waren mühsam, zumal starker Regen und Seitenwind die Anstiege erschwerten.
Obwohl mir nur wenige Menschen begegneten, überholten mich zwei Rennradfahrer auf dem höchsten Punkt, und für einen Moment versuchte ich, mit ihnen mitzuhalten. Doch sie waren zu schnell, und bald waren sie außer Sichtweite. Die Abfahrten in dieser unberührten Landschaft waren atemberaubend. Ich genoss die Geschwindigkeit und die Kulisse des Ben Kilbreck zu meiner Rechten und das weite Land zu meiner Linken.
Bei Altnaharra traf ich die beiden Rennradfahrer wieder, die von ihrer Fahrt von Südengland nach John O’Groats erzählten. Diese Strecke über mehr als 1.000 Meilen scheint bei englischen Radfahrern beliebt zu sein. Wir unterhielten uns kurz über unsere jeweiligen Abenteuer, bevor sie wieder davonfuhren.
Die folgenden Anstiege kosteten einiges an Kraft, doch der Blick auf Loch Loyal und die umgebenden Berge war die Anstrengung wert. Die rasante Abfahrt entlang des Sees war einer der Höhepunkte des Tages, mit dem imposanten Ben Loyal im Hintergrund und dem spiegelnden Wasser des Lochs.
Kurz hinter Tongue, nach einem weiteren Anstieg, gab mein Gepäckträger nach – eine Schraube hatte sich gelöst und war verschwunden. Zum Glück konnte ich die Halterung mit einer Ersatzschraube sichern, aber langsam wird das Schrauben-Repertoire knapp. Von Tongue bis Bettyhill, meinem Ziel für den Tag, standen mir drei weitere steile Anstiege bevor. Jeder von ihnen verlangte mir die letzten Reserven ab, besonders die beiden, bei denen ich fast auf 3 km/h reduziert war.
Endlich erreichte ich Bettyhill nach 92 Kilometern. Müde, aber zufrieden, blickte ich auf die weiten Hochlandschaften zurück. Morgen werde ich die letzten Meilen auf schottischem Festland fahren, bevor ich das Meer überquere. Die Abenteuer in den Highlands bleiben unvergessen – sowohl die physischen Herausforderungen als auch die unglaublichen Panoramen, die mir heute geboten wurden.
Bye Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach John o'Groats. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?