Kapitel 3 von 15: Niederlande
16% der Gesamtreise
Tag 14 von 88
Die Dünentour – Auf und Ab durch endlose Weiten
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 14.4.2011
Tageskilometer: 86.77 km
Route: Egmon aan Zee → Scheveningen
Fahrzeit: 4:56:40
Schnitt: 17.6 km/h
Gesamtstand: 998.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Der Morgen begann wie jeder andere, doch heute lag ein besonderes Gefühl in der Luft. Es war nicht mehr ganz so kühl und feucht wie an den vorangegangenen Tagen, und zum ersten Mal hatte ich kein Kondenswasser im Zelt. Das Aufstehen fiel mir deutlich leichter, fast schon mühelos. Vor mir lag eine der schönsten Streckenabschnitte entlang der niederländischen Küste, und das machte mich neugierig auf den Tag.
Von Egmond aan Zee aus führte der Weg schnurstracks in die endlosen Dünen. Diese Landschaft, die sich über Kilometer erstreckt, war einfach atemberaubend. Die Dünen sind so tief ins Land gezogen, dass man oft das Gefühl hat, in einer eigenen Welt zu fahren. Keine Straßen, keine Städte – nur der weiche Sand und die hügelige Landschaft, die uns umgab. Ab und zu standen Galloway-Rinder direkt am Wegesrand, so nah, dass man sie hätte berühren können. Sie ließen sich von den vorbeiziehenden Radfahrern nicht im Geringsten stören.
Die Route schlängelte sich weiter durch die Dünen, mit sanften Anstiegen und rasanten Abfahrten, die mir das Gefühl gaben, über den Sand zu fliegen. Wir machten eine kurze Pause in einem kleinen Waldstück, das überraschend dicht und grün war, bevor wir weiter nach Beverwijk fuhren, um dort die Fähre nach Ijmuiden zu nehmen. Auch hier war die Landschaft unbeschreiblich schön, und ich konnte es kaum erwarten, die nächste Etappe zu erleben.
Kurze Zeit später tauchten wir in den Nationalpark Zuid-Kennermerland ein, und was für eine Aussicht uns dort erwartete! Überall um uns herum dehnten sich Felder und Wälder aus, und die Stille des Parks war fast greifbar. Wir machten eine Pause im Herzen des Parks und genossen die Ruhe und Schönheit der Natur.
Hinter dem Park führte uns die Route wieder durch die vertrauten Dünen, diesmal nach Zandvoort. Ein idyllischer Ort, bekannt für seine langen Sandstrände und die lebendige Atmosphäre im Sommer. Allerdings war heute nicht viel los, da die Saison noch nicht begonnen hatte. Trotzdem gönnten wir uns eine Pause in einem kubanischen Café direkt am Strand, das den passenden Namen “Mangos” trug. Die Sonne hatte sich hinter den Wolken versteckt, aber das störte uns nicht. Es war die perfekte Gelegenheit, Energie für die nächste Etappe zu tanken.
Auf der Weiterfahrt begegneten wir einem älteren Radfahrer mit vollem Gepäck. Natürlich hielten wir sofort an und sprachen ihn an. Man weiß ja nie, wer noch auf der North Sea Cycle Route unterwegs ist. Der Mann, bereits im Rentenalter, war beeindruckend fit und berichtete stolz von seiner eigenen Nordseerunde. Auch er schien den Radwanderern verbunden zu sein.
Von Zandvoort ging es weiter durch Noordwijk aan Zee und Katwijk aan Zee – ebenfalls malerische Orte mit langen, weißen Sandstränden und schicken Hotels, die sich perfekt für eine kleine Auszeit vom Alltag eignen. Besonders beeindruckend war, wie diese Städte sich entlang der Küste erstrecken und ein Gefühl von Freiheit und Weite vermitteln.
Unsere letzte Station war Scheveningen, ein bekannter Badeort bei Den Haag. Hier ist alles eine Spur luxuriöser und größer. Wir fanden ein kleines, charmantes Hotel, das unsere Räder sicher verstauen konnte. Die Beine fühlten sich zwar müde an, aber die Fahrt durch die Dünen hatte richtig Spaß gemacht. Ich merkte, dass ich langsam in den „Flow“ kam. Die Auf- und Abfahrten bereiteten mir große Freude, und ich hatte das Gefühl, dass es von Tag zu Tag besser lief.
Morgen wartet die Überfahrt nach England auf mich. Es wird ein Abenteuer, das mich aufgeregt und gespannt macht.
Bis morgen, Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Harwich. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?