Kapitel 5 von 15: England
24% der Gesamtreise
Tag 21 von 88
Windig und Zäh – Ein Tag ohne Highlights
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 21.4.2011
Tageskilometer: 79.04 km
Route: St. John's Fen End → Boston
Fahrzeit: 5:13:37
Schnitt: 15.1 km/h
Gesamtstand: 1503.0 km
Wind-Fokus: Heute war der Wind ein dominanter Mitspieler.
Heute gibt es leider nicht viel Aufregendes zu berichten. Der Tag war schlicht und einfach flach, monoton und – dank des ständigen Gegenwinds – richtig anstrengend. Vor der Abfahrt unterhielt ich mich mit dem Campingplatz-Manager, einem freundlichen Kerl, der mich mit einem breiten Grinsen begrüßte und meinte, dass seine Frau ihm schon erzählt hatte, was ich so treibe. “Crazy, crazy,” sagte er, und fügte lachend hinzu, dass ein E-Motor doch besser wäre. Ich klopfte auf meine Beine und erwiderte: “These are my motors!” Wir lachten gemeinsam, doch als er mir vorschlug, doch einen Tag Pause einzulegen, war ich noch nicht bereit. Diese Gegend war einfach nicht der richtige Ort für einen Ruhetag.
Heute wehte der Wind den ganzen Tag aus Norden, und genau dorthin führte auch meine Route. Vom ersten Kilometer an war klar: Es wird ein Tag, an dem der Wind mein ständiger Begleiter ist. Während man bei hügeligen Etappen wenigstens ab und zu in eine Abfahrt rollen kann, lässt der Gegenwind auf flachen Strecken nicht locker. Jeder Meter fühlt sich an wie ein kleiner Kampf, und die Beine arbeiten ohne Pause. Auf langen, eintönigen Straßen, die sich durch das flache Land ziehen, wird einem erst bewusst, wie sehr abwechslungsreiche Landschaften das Radfahren erleichtern.
Die Orte, die ich heute passierte – Wisbech und Holbeach – boten ebenfalls keine wirklichen Höhepunkte. In Holbeach hielt ich nur kurz an, um festzustellen, dass es keinen Grund gab, länger zu verweilen. Die Stadt wirkte trostlos, und ich machte mich schnell wieder auf den Weg. Es sind solche Tage, an denen die mentale Stärke auf die Probe gestellt wird. Wenn die Umgebung keinen Anreiz bietet und der Wind einem unentwegt ins Gesicht bläst, wird jeder Kilometer zur Herausforderung.
Mein ursprünglicher Plan war es, bis Woodhall Spa zu fahren und dort einen Ruhetag einzulegen. Doch nach einigen Kilometern wurde mir klar, dass ich es heute nicht so weit schaffen würde. Alternativ beschloss ich, Boston als Tagesziel anzusteuern. Es lag etwa 80 Kilometer entfernt, und das schien mit etwas Durchhaltevermögen machbar. Die letzten 20 Kilometer bis nach Boston waren ein echter Kampf. Der Wind und die Erschöpfung machten mir zu schaffen, und ich war mehr als froh, als ich endlich in Boston ankam.
Die Suche nach einer Unterkunft gestaltete sich anfangs etwas schwierig, da die Touristeninformation bereits geschlossen hatte und ich telefonisch niemanden erreichen konnte. Glücklicherweise fand ich schließlich ein B&B, das für 25 £ ein Zimmer anbot. Zugegeben, es war keine luxuriöse Unterkunft, aber nach diesem Tag war mir das völlig egal. Eine Dusche, ein Bett – mehr brauchte ich heute nicht.
Nachdem ich mich frisch gemacht hatte, ging ich noch ein wenig in der Stadt spazieren. Boston war zwar etwas größer als die vorherigen Orte, die ich durchquert hatte, aber auch hier war wenig, was wirklich ins Auge stach. Das Einzige, was mich beeindruckte, war der Fluss. Bei Ebbe lagen die Boote tief unten auf dem Flussbett, ganze zehn Meter unterhalb der Kaimauer. Scheinbar gibt es hier eine mächtige Tidenhub von rund zehn Metern, was in dieser Gegend außergewöhnlich ist.
Nach einem kurzen Rundgang kehrte ich in mein Zimmer zurück und beschloss, morgen eine kürzere Etappe zu fahren und den Rest des Tages als Ruhetag zu nutzen. Vielleicht nur 25 Kilometer, um die Beine ein wenig zu schonen, und dann übermorgen wieder eine moderatere Strecke von rund 60 Kilometern. Dieser Plan würde perfekt in meinen Zeitrahmen passen und mir die nötige Erholung verschaffen.
Ich melde mich morgen von meinem Ruhetag! Auf Wiedersehen, Micha.
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Woodhall Spa. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?