Kapitel 7 von 15: Schottland
44% der Gesamtreise
Tag 39 von 88
Sonnenschein und frische Luft: Der perfekte Tag in den Highlands
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 9.5.2011
Tageskilometer: 84.15 km
Route: Aberdeen → Turriff
Fahrzeit: 6:07:29
Schnitt: 13.7 km/h
Gesamtstand: 2761.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Heute wollte ich den Tag strategisch angehen: früh aufstehen, früh losfahren, langsam anfangen und ausreichend Pausen einlegen. Das Aufstehen funktionierte schon mal gut. Um 7:00 Uhr klingelte der Wecker, und ich war bereit für den Tag. In einem Hostel mit vier Fremden zu schlafen, ist nicht jedermanns Sache. Man versucht, leise zu sein, um niemanden zu stören, was schwierig ist, wenn man sein Frühstück aus den tief verpackten Radtaschen holen muss. Aber der Preis ist unschlagbar.
Ich war stolz, als ich kurz vor 9:00 Uhr losfuhr. Der frühe Start bedeutete, dass ich entspannt durch Aberdeen strampeln konnte, ohne Druck, Zeit aufholen zu müssen. Ich verließ die Stadt über Dyce, und kurz darauf führte mich der Weg auf einen alten Railway, der sich wunderbar befahren ließ. Die Landschaft war leicht wellig, und ich konnte die endlosen Hügel genießen. Keine steilen Anstiege heute – nur sanfte, lange Strecken, die man mit einem angenehmen 9 km/h-Schnitt hochkurbeln konnte.
Die Sonne schien, der Himmel war strahlend blau, und das Gras leuchtete in einem satten Grün. Es war einer dieser Tage, an denen alles stimmte. Ich fühlte mich gut, die Beine machten mit, und die Aussicht war atemberaubend. Die Strecke bis Maud verlief auf dem ehemaligen Bahndamm, und bei Maud machte ich einen Richtungswechsel von Norden nach Westen. Dort steht noch der alte Bahnhof, der zwar keine Schienen mehr hat, aber einen Hauch von Nostalgie versprüht. Ich legte eine wohlverdiente Mittagspause ein und hielt mich an meinen Plan, regelmäßig Pausen zu machen.
Hinter Maud, auf dem Weg nach Cuminestown, eröffnete sich mir ein spektakulärer Blick auf das grüne, wellige Tal. Solche Momente machen die ganze Anstrengung der Tour wert. In Cuminestown musste ich nicht einmal in die Pedale treten – es ging die ganze Zeit bergab. Auf dem Weg dorthin sah ich plötzlich auf einer großen Wiese drei Lamas grasen. Was machen die denn hier? Ein paar Meter weiter entdeckte ich ein Gehege mit zwei Straußen. Ich hielt an und beobachtete die Tiere eine Weile. Solche unerwarteten Begegnungen sind das Salz in der Suppe auf einer langen Reise.
Am Zaun hing ein kleines Schild, das erklärte, dass die Besitzer seit 1978 eine Genehmigung haben, die exotischen Tiere zu halten. Man solle die Tiere nicht füttern, stand darauf.
Hinter Cuminestown stand ich dann vor einer Entscheidung: 10 Kilometer weiter nach Turriff fahren und den Tag nach etwa 80 Kilometern beenden, oder durchziehen bis nach Banff an die Küste – das wären weitere 30 Kilometer gewesen. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich für Turriff. Ich wollte es heute nicht übertreiben.
In Turriff angekommen, fuhr ich direkt zum Campingplatz. Vorher machte ich noch einen Abstecher in den Supermarkt und kaufte frisches Fleisch, Paprika, Tomaten und eine Reismischung. Heute Abend würde ich mir etwas Gutes kochen. Frische Zutaten muss ich immer sofort verarbeiten, da ich keinen Kühlschrank dabei habe. Oft weiß ich bis zum letzten Moment nicht, ob ich auf einem Campingplatz oder in einem B&B übernachte. Frisch einkaufen ist daher immer ein kleines Risiko, das ich nur eingehe, wenn ich mir sicher bin, dass ich auf einem Campingplatz landen werde.
Morgen steht wieder die Küste auf dem Programm. Endlich werde ich wieder das Meer sehen!
Bye Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Elgin. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?