Kapitel 5 von 15: England
23% der Gesamtreise
Tag 20 von 88
Unverhoffte Entdeckungen – Vom Campingplatz bis zur Buckelpiste
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 20.4.2011
Tageskilometer: 72.39 km
Route: Burnham Deepdale → St. John's Fen End
Fahrzeit: 4:47:09
Schnitt: 15.1 km/h
Gesamtstand: 1424.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Der Tag begann mit einer interessanten Entdeckung: Auf dem Campingplatz, den ich gestern erreicht hatte, gab es tatsächlich riesige Tipi-Zelte! Da fühlte man sich doch gleich in seine Kindheit zurückversetzt, als Cowboys und Indianer die Fantasie beflügelten. Doch statt Tipi-Romantik musste ich mich mit dem realen Frühstück versorgen, also schnell in den kleinen Supermarkt auf dem Campingplatz. Ich füllte meine Taschen mit Bananen und Riegeln, die mir auf der Fahrt Energie liefern sollten, und besorgte mir Milch und eine Uncle Ben’s Reismischung für das Abendessen. Doch als ich endlich losfahren wollte, fiel mir auf, dass ich meine Radflaschen noch nicht gefüllt hatte – ein unverzeihlicher Anfängerfehler!
Schnell also nochmal in die Frühstücksbar, wo ich freundlich um etwas Wasser bat. Der verführerische Geruch nach frischem Frühstück ließ mich kurz innehalten, doch ein zweites Frühstück hätte mich nur aufgehalten. Mit vollen Flaschen und neuer Motivation machte ich mich auf den Weg. Der erste Abschnitt der Route schien einfach zu sein: eine Straße, die im rechten Winkel auf meine Route trifft. Doch wie das so oft passiert, verfuhr ich mich, landete auf einer viel befahrenen Straße und fragte mich, wie ich hierhergekommen war.
Schnell das Navi eingeschaltet, den Fehler gefunden und über eine Hauptstraße wieder auf Kurs gebracht. Die Autos rasten mit knappem Abstand an mir vorbei, aber das stört mich mittlerweile nicht mehr – daran gewöhnt man sich wohl. Endlich fand ich die Kreuzung, an der ich abbiegen konnte, und vor mir lag eine Meile purer Spaß: Eine buckelige Landstraße mit knackigen Anstiegen und kurvigen Abfahrten. Die Landschaft rund um King’s Lynn war abwechslungsreich und forderte mich körperlich, aber ich genoss jede Abfahrt.
King’s Lynn selbst enttäuschte ein wenig. Ich hatte gehofft, dort eine schöne Mittagspause in einem idyllischen Stadtkern zu verbringen, aber das Bild, das sich mir bot, war eher unspektakulär. Schließlich fand ich doch noch einen Platz am Flussarm des Wash, eine große Bucht, die ein wenig an den Jadebusen in Deutschland erinnert. Hier legte ich eine Pause ein und kümmerte mich um die Planung für die Nacht. Mein ursprüngliches Ziel, Holbeach, schien plötzlich zu ambitioniert, also korrigierte ich auf Wisbech – 18 Meilen weniger, aber immer noch ein ordentlicher Abschluss des Tages.
Ich rief die Touristeninformation an, um einen Zeltplatz zu finden. Der erste Campingplatz, den ich versuchte, war jedoch telefonisch nicht erreichbar, und das Navi zeigte mir nur umständliche Wege an. Immerhin wusste ich, dass ich in King’s Lynn gut vom Weg herunterkommen würde. Auf den endlosen flachen Wegen, die sich zwischen Weiden und Feldern erstreckten, fuhr ich weiter und genoss die Ruhe. Doch als ich über St. John’s Fen End kam, nahm das Drama seinen Lauf. Ich fuhr versehentlich falsch ab, und nach drei Kilometern in die falsche Richtung musste ich umkehren. Zurückfahren ist einfach frustrierend.
Es wurde später und dunkler, und noch immer hatte ich keinen Campingplatz erreicht. Doch dann, plötzlich, entdeckte ich ein Schild mit einem Zelt und einem Wohnwagen darauf – ein Campingplatz, genau da, wo ich ihn nicht erwartet hätte. Ich überlegte nicht lange und bog ab. Für 10 Pfund hatte ich alles, was ich brauchte: Dusche, Waschgelegenheiten und einen kleinen See, an dem Angler sich austoben konnten. Morgen würde ich nach einem schönen Ort für einen Ruhetag Ausschau halten. Wer hätte gedacht, dass mich dieser Tag so unverhofft überraschen würde?
Greetings from England, Micha!
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Boston. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?