Kapitel 15 von 15: Deutschland

100% der Gesamtreise

Tag 88 von 88

Die Ankunft in Hamburg: Ein unvergesslicher Tag am Ziel

4 min Lesezeit

Deutschland 🇩🇪 Lange Etappe 124.7 km

Etappen-Infobox

Datum: 27.06.2011

Tageskilometer: 124.70 km

Route: Brunsbüttel → Hamburg

Fahrzeit: 8:34:35

Schnitt: 14.5 km/h

Gesamtstand: 6321.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 88: Ankunft in Hamburg
Tag 88: Ankunft in Hamburg

Jede Reise geht einmal zu Ende, und so endete meine Radtour an einem wunderschönen sonnigen Tag auf einer traumhaften Strecke. Der Campingplatz in Brunsbüttel war der kleinste, den ich auf meiner gesamten Reise besucht hatte. Doch heute war er lebhaft mit zahlreichen Tourenradlern auf der kleinen Zeltwiese gefüllt. Das Wetter war fantastisch, und die Radfahr-Saison war in vollem Gange. In gewohnter Routine verstaut ich zum letzten Mal meine Ausrüstung und machte mich auf den Weg, um die letzten Kilometer bis zu meinem Ziel in Hamburg mit einem gleichmäßigen Tritt zu nehmen.

In Brunsbüttel wartete die Herausforderung, den Nord-Ostseekanal zu überqueren. Ich war im Irrtum, dass ich dies über das Sperrwerk tun müsse, das komplett eingezäunt war. Viel einfacher war es: Eine kostenlose Fähre brachte mich ans andere Ufer. Als der Nord-Ostseekanal eingerichtet wurde, wurde Brunsbüttel zweigeteilt, und der Fährverkehr wurde eingerichtet – eine Erleichterung für alle Radfahrer.

Nach dem Überqueren des Kanals musste ich den Industriepark passieren. Solche Parks sind selten naturbelassen und bieten oft wenig Schönes. Doch auch das bekam ich bald hinter mir. Günstigerweise ging es kurze Zeit später wieder an den Deich, und bei strahlend blauem Himmel präsentierte sich die Elbe von ihrer besten Seite. Bis Brokdorf ließ es sich überaus angenehm fahren. Einzig der Wind aus Südosten verlangsamte meine Reisegeschwindigkeit.

Heute begegnete ich vielen Tages- und Urlaubsfahrern, und auch viele Schulklassen waren unterwegs. In Brunsbüttel kündigte ich in meinen Social Networks, Twitter und Facebook, mein Heimkommen an. In jeder Stadt, die ich durchfuhr, meldete ich meinen Standort. Es fühlte sich an wie ein Countdown, bei dem man von 10 rückwärts zählt. Die erste Haltestelle war Glückstadt, die bereits bei Kilometer 40 lag. Man fährt nicht durch Glückstadt, ohne ein Matjesbrötchen gegessen zu haben. Glückstadt ist weltberühmt für seinen Matjes, und ich gönnte mir eine Pause.

Von Glückstadt ging es weiter an der Elbe entlang. Was für ein herrlicher Tag – warm und einladend. Der nächste Ort zum Pausieren war Kolmar, wo ich mit ein paar anderen Radlern ins Gespräch kam. Ich bewunderte die Radler mit Kinderanhängern, die nicht nur das Gepäck, sondern auch das zusätzliche Gewicht der Kinder transportieren mussten.

In Kolmar bog ich ab, um Richtung Elmshorn zu fahren. Der Weg dorthin war ebenfalls angenehm. Elmshorn selbst war nicht besonders aufregend. Von Elmshorn musste ich über 10 km zurück zur Elbe. Auf dem Weg dorthin sah ich ein Schild mit der Kilometerangabe nach Hamburg: 65 km bereits hinter mir, und 50 km sollten noch folgen. Ich wusste, dass ich es bis 18:00 Uhr etwas eng werden könnte.

Es dauerte lange, bis ich endlich Wedel erreichte. Es war spannend für mich, weil ich das Elbgebiet zwischen Wedel und Blankenese noch nicht kannte. Aber in Wedel wurde es langsam anstrengend. Ich hatte bis dahin keine Pause eingelegt und dachte auch nicht daran, noch eine einzulegen. Hamburg zog mich wie ein Magnet an.

Bei Blankenese begann für mich bekanntes Gebiet. Ich konnte Airbus in Fuhlsbüttel auf der anderen Seite der Elbe sehen. Hamburg kam mit jedem Tritt näher. Ein vertrautes, fast unwirkliches Gefühl. Am Fähranleger Teufelsbrück hielt ich kurz an, wo ich am 01.04.2011 das erste NSCR-Zeichen entdeckt hatte.

Ich setzte meinen Weg fort in Richtung Ovelgönne, wo ich am Elbstrand mein Rad auf dem schmalen Weg schieben musste, der direkt an den Wohnungen der Ovelgönner vorbeiführte – ein visueller Genuss. Hinter dem Elbstrand setzte ich meinen Weg entlang des Fischmarktes zu den Landungsbrücken fort. Mein Puls stieg mit jedem Kilometer vor lauter Aufregung. An den Landungsbrücken radelte ich noch durch die Hafencity. Und was soll ich sagen: Die Elbphilharmonie ist immer noch nicht fertig.

Am Hauptbahnhof traf ich mich mit meinem kleinen Neffen, der mich auf den letzten Kilometern gerne begleiten wollte. Wir fuhren gemeinsam entlang der Alster nach Winterhude. Wegen des guten Wetters war an der Alster extrem viel los. Es fühlte sich alles so vertraut und nach Hause an.

Nach der Alster, beim Kampnagel, kam ich schließlich zu Hause an. Ich blieb stehen und stieg ab. Ich musste nicht mehr weiterfahren – ich war da. Ich war am Ziel, dort, wo ich gestartet bin. Es war großartig und überwältigend.

Ich werde auch noch am 89. und 90. Tag einen Bericht folgen lassen. Morgen werde ich darüber schreiben, wie es ist, nach Hause zu kommen, und übermorgen werde ich ein Resümee über die Reise abgeben.