Kapitel 9 von 15: Norwegen

59% der Gesamtreise

Tag 52 von 88

Regen und Stürze: Auf dem Weg durch Norwegen

3 min Lesezeit

Norwegen 🇳🇴 Wind/Regentag 76.1 km

Etappen-Infobox

Datum: 24.05.2011

Tageskilometer: 76.11 km

Route: Bergen → Leirvik

Fahrzeit: 6:04:25

Schnitt: 12.5 km/h

Gesamtstand: 3664.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 52: Regen und Stürze in Norwegen
Tag 52: Regen und Stürze in Norwegen

Norwegen scheint mich noch nicht wirklich willkommen heißen zu wollen. Der Tag begann mit Regen und unerwarteten Zwischenfällen, die mich daran hinderten, mich gleich wohl zu fühlen. Trotzdem stand mir eine großartige Etappe bevor.

Der Morgen lief eigentlich ganz gut an. Ich packte früh meine Sachen und brachte sie aus dem dritten Stock des Hostels ins Erdgeschoss. Mein Fahrrad war im zweiten Stock im Gepäckraum untergebracht, doch ich konnte es noch nicht holen, da die Rezeption, die den Schlüssel hatte, erst um 08:00 Uhr öffnete. So wartete ich geduldig und machte mich in der Zwischenzeit auf die Suche nach einem Bäcker. Schnell fand ich einen und gönnte mir ein kleines Frühstück.

Der Weg aus Bergen heraus verlief zunächst problemlos. Es war zwar windig und frisch, aber immerhin trocken. Nachdem ich das erste Schild der Route 1 gefunden hatte, konnte ich der Strecke folgen. Links von mir grüne Wiesen und Wälder, rechts glitzernde Seen und Fjorde. Die Kulisse war atemberaubend, und nach einer Weile tat sich der erste richtige Berg vor mir auf. Es dauerte eine halbe Stunde, bis ich oben ankam. Die Belohnung? Eine Windbö, die mich umwarf, als ich die Kuppe erreichte. Zum Glück konnte ich schnell aus den Klickpedalen herauskommen und lag nicht lange auf der Straße. Aber der Schreck saß tief.

Die nächsten 20 Kilometer waren dagegen entspannter. Die Fahrt führte durch ruhige Wälder, vorbei an malerischen Fjorden und traditionellen Holzhäusern in den typischen skandinavischen Farben – Blau, Grün und Rot. Die Ruhe der Landschaft und die klaren Fjorde machten die Anstrengungen fast vergessen.

Doch kaum hatte ich Osøyro erreicht, stand die nächste Herausforderung bevor: die Überfahrt mit der Fähre. Ich kam mit meinem Fuß nicht schnell genug aus der Klickpedale, und wieder kippte ich um. Der linke Fuß schmerzte, aber ich biss die Zähne zusammen. Die Fährüberfahrt dauerte eine halbe Stunde, und währenddessen ärgerte ich mich über meinen Sturz.

Nach der Ankunft schien für einen kurzen Moment die Sonne, nur um mich nach wenigen Minuten wieder mit Regen zu überraschen. Ich zog die volle Regenmontur an und setzte meine Fahrt fort. Und plötzlich, wie durch ein Wunder, begegnete ich zwei Radfahrern, die ich am Tag zuvor auf einem Blog entdeckt hatte. Wir hatten uns gegenseitig noch Mails geschrieben, und jetzt standen wir uns gegenüber! Ein glücklicher Zufall, der uns für eine halbe Stunde in ein angeregtes Gespräch in einem Bushäuschen führte. Der Regenschauer war Nebensache – wir quatschten ihn einfach weg.

Der Rest der Strecke war landschaftlich beeindruckend, aber regnerisch. Zum Abschluss des Tages gab es noch einen Blick auf schneebedeckte Berge, die mich in der Ferne grüßten. In Leirvik angekommen, suchte ich einen Campingplatz, fand ihn und richtete mich ein. Dort traf ich einen Norweger, der seine Reise zum Nordkap aufgeben musste, weil sein Zelt vom Wind zerstört und ihm seine Geldbörse gestohlen worden war. Wir unterhielten uns lange in seiner gemieteten Holzhütte, doch als ich zurück zu meinem Zelt humpelte, war mir klar, dass mein Fuß mir Sorgen bereitete.

Was auch immer morgen bringt – ich werde weiterfahren. Zur Not auch einbeinig. Bye Micha.

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Haugesund. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?