Kapitel 2 von 15: Deutschland - Niederlande

9% der Gesamtreise

Tag 8 von 88

Wo ist die Fähre? – Rückenwind und Umwege in Ostfriesland

3 min Lesezeit

Deutschland - Niederlande 🇩🇪 - 🇳🇱 Wind/Regentag 85.8 km

Etappen-Infobox

Datum: 8.4.2011

Tageskilometer: 85.81 km

Route: Dyksterhus → Nieuweschans

Fahrzeit: 4:55:57

Schnitt: 17.4 km/h

Gesamtstand: 598.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 8: Wo ist die Fähre?
Tag 8: Wo ist die Fähre?

In Ostfreesland is’t am besten over Freesland geigt der niks.

Der achte Tag meiner Reise begann so routiniert wie immer. Aufstehen, waschen, allen Campern, die einem begegnen, ein fröhliches „Moin Moin“ entgegenwerfen, frühstücken und die Sachen packen. Langsam wird das zur Normalität. Heute ist es genau eine Woche her, dass ich aufgebrochen bin. Und doch fühlt es sich an, als sei die Zeit hier draußen eine ganz andere. Jeder Tag ist voller neuer Eindrücke, und man muss sich bewusst die Rosinen rauspicken, um sie wirklich zu genießen.

Die ersten Stationen des Tages waren Loquard und Rysum, zwei charmante kleine Orte. Rysum ist ein sogenanntes Rundwarfendorf – eine alte Siedlungsform, bei der das Dorf konzentrisch um den höchsten Punkt herum angelegt ist, um vor den Fluten sicher zu sein. Was Rysum noch besonders macht: Es beherbergt die älteste, noch spielbare Orgel Nordeuropas, die aus dem Jahr 1457 stammt. Unglaublich, dass sie so lange hält – moderne Orgeln könnten sich da eine Scheibe abschneiden.

Von dort ging es weiter nach Knock, einem beliebten Wassersportrevier mit einer Verkehrszentrale des Wasser- und Schifffahrtsamts. Mit Rückenwind im Nacken war die Fahrt nach Emden ein wahres Vergnügen. Die 15 Kilometer waren in Windeseile geschafft. Der Wind war heute wieder extrem stark, doch dieses Mal spielte er zu meinen Gunsten.

In Emden gönnte ich mir eine Pause in einem gemütlichen Café mit einem T-Online Hotspot. Während ich leckere Tagliatelle verspeiste, nutzte ich die Gelegenheit, ein paar Bilder hochzuladen. Doch der Upload dauerte ewig, und mein iPad-Akku schmolz dahin. Ich sollte mir wohl einen Campingplatz mit stabilem WLAN suchen, sobald ich einen Ruhetag einlege.

Nach zwei Stunden Pause machte ich mich wieder auf den Weg. Auf dem Weg aus Emden traf ich einen Rennradfahrer, der mich ein Stück begleitete. Wir unterhielten uns, und er erzählte mir, dass der Wind heute besonders heftig sei – selbst für Ostfriesland. Als er mir zeigte, dass er bereits 75 km gefahren war, meinte er, das reiche ihm für heute. Ich erzählte ihm von meiner Reise rund um die Nordsee, und er fuhr noch ein Stück mit mir, um mir den Weg aus Emden zu zeigen.

Mein Plan war, mit der Fähre bei Petkum nach Ditzum überzusetzen, aber als ich dort ankam, sah ich keine Fähre weit und breit. Ein älteres Ehepaar klärte mich auf: Die Fähre war wegen Bauarbeiten außer Betrieb und würde erst am 20. April wieder fahren. Tja, so lange wollte ich nicht warten. Also musste ein Plan B her, auch wenn ich keinen hatte.

Ich entschied mich, außen herum über Leer zu fahren, um die Ems zu überqueren und in Weener wieder auf meine Route zu stoßen. Zum Glück hatte ich auf dem ganzen Weg einen irrsinnigen Rückenwind, der mich regelrecht über den Radweg trieb – teilweise mit bis zu 34 km/h. Ich musste wirklich aufpassen, dass mir die Bodenwellen keinen Strich durch die Rechnung machten.

In Weener fand ich dann endlich wieder die vertrauten NSCR-Schilder, die mich durch Bunde führten. Hinter Bunde fuhr ich einige Kilometer an Bahnschienen entlang, bis ich schließlich zu einer kleinen Brücke kam. Auf der einen Seite der Brücke sah ich deutsche Schilder, auf der anderen Seite niederländische. Ich war in den Niederlanden angekommen!

Dort suchte ich mir einen Campingplatz, und dieses Mal war ich wirklich der einzige Gast. Kein Camper weit und breit. Der Platz grenzte direkt an einen Fußballplatz, und das Vereinshaus diente als Waschraum für die Camper. Morgen steht die niederländische Küste auf dem Programm – oder, wie wir im Triathlon-Jargon sagen: Die Küste wird gerockt!

Bis morgen, Micha

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Uithuizermeeden. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?