Kapitel 9 von 15: Norwegen
73% der Gesamtreise
Tag 64 von 88
Heute rollte es mal wieder richtig gut – Sonne soweit das Auge reicht
4 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 04.06.2011
Tageskilometer: 95.15 km
Route: Kragerø → Helgeora
Fahrzeit: 7:05:59
Schnitt: 13.4 km/h
Gesamtstand: 4490.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Heute morgen war es schon recht warm im Zelt, als ich aufwachte. Das Frühstück war schnell beendet. Da gestern die Geschäfte wegen des Feiertags geschlossen hatten, konnte ich nichts einkaufen. So blieb es bei Müsli und einer Tasse Kaffee heute morgen.
Als erstes musste ich die Halbinsel, auf der ich mich befand, wieder verlassen, um auf meinem Weg zurück zu gelangen. Die Anstiege auf der Halbinsel, die mir gestern Abend noch sehr fordernd vorkamen, waren heute morgen leicht genommen. Es macht einen großen Unterschied, ob man ermüdet oder frisch und ausgeruht etwas leisten muss. Die Sonne stand am Himmel, es war warm und angenehm.
Nach über 10 km konnte ich einen Blick auf den Campingplatz auf der Halbinsel werfen. Diese verlief parallel zu meiner Route. Dort gab es sogar einen Sandstrand. Den hatte ich gestern gar nicht bemerkt. Man muss aber dazu sagen, dass der Campingplatz nicht auf einer Ebene liegt, sondern über mehrere. Die ersten 30 km verliefen entlang der Fjorde und durch die norwegischen Wälder, recht angenehm. Es war nicht flach, es war aber auch nicht alpin.
Bei Valle gönnte ich mir eine kleine Rast am Wasser. Aus einiger Entfernung schaute ich mir das bunte Treiben im Yachthafen an. Direkt vor mir im Wasser stand ein Fels. Dieser Fels war um die 200 m vom Land entfernt. Auf ihm stand ein Haus. Die Boote fuhren drum herum.
So um und bei Kilometer 40 verließ ich die Straße, um einem Pfad zu folgen. Zu Beginn des Pfades stand ein Schild. Es deutete an, dass es steil wird und dass nur Fahrräder mit intakten Bremsen diesen Weg befahren sollten. Es war ein Rad auf einer Schräge abgebildet, und in Norwegisch stand da was von Bremsen. So schlimm war der Anstieg dann doch nicht. Ich musste eine Weile einem Schotterweg folgen, der auf und ab ging, wie ich es bereits mehrfach erlebt habe. Nach nicht allzu langer Zeit war ich wieder auf festen Wegen, denen ich folgte.
Es dauerte nicht lange, da kam ich an einen Punkt, an dem ich nicht genau wusste, ob ich mich links halten oder geradeaus weiterfahren sollte. Da sprach mich ein älterer, sehr rüstiger Herr an, der gerade joggen war. Ich erzählte ihm mein Dilemma, und er verwies mich auf die dritte Möglichkeit, die ich noch gar nicht in Betracht gezogen hatte. Wir unterhielten uns ein wenig. Er macht demnächst eine Kajak-Tour mit seinem Freund. Dabei übernachten sie mit einem kleinen leichten Einmann-Zelt auf diesen Steininseln. Klang recht spannend.
So fuhr ich genau zwischen meinen beiden Alternativen hindurch auf einen Berg zu. Der alte Herr meinte noch, dass es nur ein paar Minuten dauern würde, bis ich oben bin. Ich stand abermals vor einem Schild, auf dem auf gute Bremsen hingewiesen wurde. Die folgende Auffahrt hätte ich vermutlich nicht mal ohne Taschen hochfahren können. Nach über 10 Minuten war ich dann oben.
Jetzt hatte ich wieder einen gewohnten Schotterweg zu fahren. Nach 20 Minuten war ich aber auch da durch. Nach Langesund war es jetzt nicht mehr weit. Langesund liegt direkt an der Einfahrt eines 20 km langen und sehr breiten Fjordes. Ich fuhr auf einen Wald zu, der auf mich wirkte, als ob er über 50 m hohe Bäume hätte. Tatsächlich waren die Bäume versetzt auf einem Berg und deuteten an, wie hoch ich gleich hinauf muss.
In Langesund war gerade maritimes Chorfestival. Überall sah man die Chorgruppen stehen. Ich hörte mir kurz eine Probe eines Chors an, musste dann aber weiter. 20 km ging es durch bewohntes und bebautes Gebiet. Dabei musste ich, um nach Brevik zu kommen, eine Brücke überqueren, von der man eine sehr gute Aussicht hat. In Brevik war ich fast geneigt, mir ein Eis zu kaufen, wenn da diese riesige Schlange nicht gewesen wäre.
Aus Brevik heraus kam ich an die Spitze des Fjordes. Dahinter wurde es wieder einsamer. Auf über 5 km lief der Weg parallel zur E18. Bei Langangen gab es nochmals eine sehr schöne serpentinartige Abfahrt. Die folgenden 15 km forderten mich noch ein wenig. Bei Helgeora hatte ich mich zwischen drei Campingplätzen zu entscheiden. Ich kaufte erst mal ein und nahm den nächsten, der kam. Ein sehr großer Platz, der sehr weiträumig und voll wirkte. Ich konnte mich mit meinem Zelt am Strand mit Blick auf den Fjord stellen. Sehr schön.
Leise ist es hier nicht unbedingt. Gelächter und Gespräche überall um mich herum. Bye, Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Husvik. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?