Kapitel 3 von 15: Niederlande
11% der Gesamtreise
Tag 10 von 88
Der Weltumradler – Begegnungen auf dem Deich und Wind im Rücken
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 10.4.2011
Tageskilometer: 81.33 km
Route: Uithuizermeeden → Holwerd
Fahrzeit: 4:42:59
Schnitt: 17.2 km/h
Gesamtstand: 739.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Der Wecker klingelte wie jeden Morgen um 07:00 Uhr. Draußen war es klamm, feucht und kalt, aber das hielt uns nicht auf. Geplante Abfahrzeit: 09:00 Uhr. Der Campingplatz, auf dem wir übernachtet hatten, war hervorragend ausgestattet, und heute Morgen konnte ich mein Frühstück auf einer Bank mit Tisch genießen – viel angenehmer als im Zelt.
Um 09:20 Uhr brachen Erik und ich schließlich auf. Der erste größere Halt war Pietburen, zu dem wir über einen der typischen Polder fuhren. Ein Polder ist ein Landstrich, der dem Meer abgewonnen wurde, und so fuhren wir zwischen zwei Deichen – links und rechts von uns die aufgeschichteten Wälle, die das Land vor dem Wasser schützen. In Pietburen hatten wir geplant, im örtlichen botanischen Garten eine Pause zu machen. Als wir das Ortsausgangsschild sahen, wussten wir, dass wir wohl daran vorbeigefahren waren. Aber so ist das manchmal, wenn man so viele Kilometer unterwegs ist – man fährt nicht mehr zurück. Also machten wir anderswo eine Pause.
Die Route war malerisch: Ziegenfarmen, Schafe auf dem Deich und verwinkelte Wegführungen, die uns immer tiefer in die niederländische Landschaft führten. Unser nächster größerer Halt war Lauwersoog, ein Ort, der an einem 5 Kilometer langen Damm liegt. Dieser Damm schließt eine Bucht ab, die dadurch zu einem See wurde – mindestens doppelt so groß wie die Außenalster in Hamburg. Um dorthin zu gelangen, mussten wir einen niederländischen Truppenübungsplatz überqueren. Wir hofften, dass dort am Sonntag nicht scharf geschossen wurde. Die Räder über den Deich zu schieben, war bei dem Gewicht unserer bepackten Drahtesel eine kleine Herausforderung.
Kurz vor dem Damm wurden wir angesprochen. Ein Mann hielt uns an und begann ein Gespräch. Er erzählte, dass er bereits die Welt umrundet hatte – mit dem Fahrrad! Neuseeland, Europa, Afrika – er schien schon überall gewesen zu sein. Der Mann war ein echtes Original: oranges Kopftuch, rot-orange gemustertes Baumwollhemd – er sah aus, als wäre er gerade von einer weiteren Welttournee zurückgekehrt.
Als wir über den Damm fuhren, wurde die Fahrt richtig schön. Das Wetter spielte mit, der Wind kam aus der richtigen Richtung, und die Landschaft war atemberaubend. Wir fuhren entlang malerischer Ortschaften und immer am Deich entlang. Der nächste Halt war Moddergat, gefolgt von Holwerd, wo der Campingplatz direkt vor einer alten Kirche lag.
Erik und ich haben beschlossen, bis van Hoek zusammen weiterzufahren. Dort werde ich nach England übersetzen, und Erik wird etwas später eine andere Fähre nehmen, da er ein anderes Ziel in England ansteuert. Wenn alles gut läuft, werde ich mich morgen von der Mitte eines 30 Kilometer langen Damms melden.
Gute Nacht, Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Den Oever. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?