Kapitel 9 von 15: Norwegen

74% der Gesamtreise

Tag 65 von 88

Heute war ein abwechslungsreicher, schöner, sonniger Tag

5 min Lesezeit

Norwegen 🇳🇴 88.0 km

Etappen-Infobox

Datum: 05.06.2011

Tageskilometer: 88.01 km

Route: Helgeroa → Husvik

Fahrzeit: 5:48:14

Schnitt: 15.2 km/h

Gesamtstand: 4578.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 65: Sonniger Radtag
Tag 65: Sonniger Radtag

Heute morgen habe ich es tatsächlich geschafft, um 07:00 Uhr aufzustehen. Nicht weil ich mir Mühe gab, sondern weil mich die Hitze im Zelt aus diesem heraus trieb. Um 07:00 Uhr ist es auf einem norwegischen Campingplatz noch sehr ruhig. Der gemeine Camper scheint ein wenig später aufzustehen. So war ich kurz nach neun schon am Rollen. Eine gute Ausgangslage.

Zurück auf meiner Spur musste ich erst in einem Wald um dann zwischen den Büschen einen schmalen Trampelpfad zu fahren. Dieser war aber nach einigen Kilometern bereits bewältigt. Zurück auf der Straße begann für mich ein außergewöhnlich guter Radtag. Die 14 km bis Stavern fuhren sich in Windeseile, dank recht flacher Strecke und ein wenig Rückenwind. Ich glaubte nicht daran, nochmals Rückenwind auf meiner Tour zu haben. Bis jetzt fuhr ich fast ausschließlich mit Gegenwind.

Die 7 km von Stavern nach Larvik waren dann auch schnell gefahren. In Larvik kam ich an einem Radshop vorbei. Das hatte ich noch gar nicht erwähnt. Man will ja auch nicht immer nur rumjammern. Mir ist eine Speiche gebrochen und mir ist die rechte Halterung vom Sattel gebrochen. Dadurch saß ich die ganze Zeit mit einer Schiefstellung auf der rechten Seite auf dem Sattel. Durch diese Fehlhaltung hatte ich die letzten Tage Probleme in der rechten Wade bekommen. Das Rad wurde neu gespeicht und zentriert. Ich bekam einen neuen Sattel, der dem alten sehr ähnlich ist. Es handelt sich um einen Sportsattel. Weil ich gerade da war, habe ich mir die fehlenden Schrauben von dem Schutzblech, die ich für den Gepäckträger benutzt habe, montieren lassen. Der Fachmann meinte, der Mantel würde auch nicht mehr so gut sein, deshalb ließ ich mir auch noch einen neuen Mantel aufziehen.

Das Rad fuhr sich ausgesprochen gut nach dieser Rundum-Behandlung. Mit einer geraden Sitzhaltung auf dem Rad fuhr es sich auch gleich ganz anders. Die folgenden 22 km bis nach Sandjefjord rollten wie im Fluge. Dort suchte ich mir ein schönes Plätzchen am Wasser und genoss die Sonne, das Wetter und die Aussicht bei einer kleinen Mittagspause.

Jetzt musste ich mal wieder eine Entscheidung treffen. Entweder 25 km von Sandjefjord nach Tønsberg außen herum oder 15 km über Nøtterøy. Nøtterøy ist eine Halbinsel, um dort hinzukommen, muss man von Engø nach Tangen, welches auf einer kleinen Insel liegt, übersetzen. Von Tangen oder von Vestgården (liegt auch auf der kleinen Insel) setzt man dann nach Tenvik auf Nøtterøy über. Dort fährt man am Ende über eine Brücke nach Tønsberg oder man setzt mit einer kleinen Fähre von Husøy nach Husvik über, um nochmals 8 km zu sparen.

Ich entschied mich für die Fährverbindung. Ohne genau zu wissen, wie die Fährzeiten sind. In Engø angekommen stand ich vor dem Fährplan, der sich mir nicht sofort erschloss. Ich bekam Hilfe von ein paar netten Damen, die für mich ganz Norwegen abtelefonierten, um herauszufinden, wann die Fähre fährt. Sie selber verstanden den Plan auch nicht. Hätte ich sie früher angesprochen, hätte ich eventuell mit dem Großvater rüberfahren können.

Die Fähre fuhr in 20 Minuten und hatte eine Stunde Aufenthalt auf der kleinen Insel, um dann weiter nach Tenvik zu fahren. Vom Fährmeister bekam ich eine kleine Skizze der Insel mit den genauen Abfahrtzeiten und den Hinweis auf einen Ort, wo ich in der Zwischenzeit einen Snack einnehmen konnte. Er war ja bereits auf mich vorbereitet, die eine Dame hat ja mit ihm telefoniert. Die Insel hatte keine Straßen, nur Sandwege. Es war relativ viel los dort: Jugendliche, Familien und Wochenendurlauber.

Pünktlich um 16:50 Uhr konnte ich die Fahrt fortsetzen. Nøtterøy ließ sich ebenso gut radeln wie der Rest der Strecke. In Husøy kam ich an der 12-Personen-Fähre an. Der Fährmeister sonnte sich in einem Sonnenstuhl. Er sah mich kommen, stand auf und meinte zu mir, dass ich pünktlich wäre. Ich glaube, er meinte, dass er wohl gerade Feierabend machen wollte.

Bevor es los ging, mussten wir aber erst mal ein wenig klönschnacken. Seine Kumpels waren auf dem Hamburger Hafengeburtstag mit einem Segelboot. Er konnte leider nicht, weil er arbeiten musste. 2006 hatte er aber das Vergnügen. Hamburg sei eine tolle Stadt, meinte er. Die Überfahrt selbst dauerte nur fünf Minuten. Er sagte noch zu mir, dass die Fahrt für mich umsonst sei. Der Fährmeister hat mir gefallen.

In Husvik wechselte ich die Karten, dabei bin ich von einem Skater angesprochen worden, ob ich meinen Weg suchte. Er gab mir einen Tipp, wo ich am besten langfahren solle. So fuhr ich weiter. An einem T-Stück wollte ich links abbiegen, da rief der Skater von hinten rechts herum. Der gute Mann war ganz schön flott unterwegs. Das selbe Spiel dann 8 km weiter, ich wollte rechts abbiegen, da rief er von hinten links herum. Bergauf fuhr er mir sogar davon. Ein paar Kilometer weiter trafen wir uns dann ein letztes Mal. Wieder bekam ich von ihm den entscheidenden Tipp.

In Åsgårdstrand kaufte ich für das Wochenende ein. Von dort waren es noch um die 5 km bis zu dem Campingplatz, an dem ich diesen Tag enden lassen wollte. Der Platz selber ist soweit in Ordnung, aber die Preise: 120 NOK für den Platz, 100 NOK für die Sanitäranlagen und nochmal 60 NOK für das Duschen. Den nicht verbrauchten Duschanteil würde ich zurückbekommen. Dafür kostet die Herdbenutzung aber 12 NOK für 45 Minuten. Da koche ich doch lieber mit Gas.

Wenn morgen alles gut läuft, werde ich in der Nähe der schwedischen Grenze übernachten.

Bye, Micha

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Høysand. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?