Kapitel 9 von 15: Norwegen

64% der Gesamtreise

Tag 56 von 88

Die drei Gesichter der Etappe: Flach, steinig und grün

3 min Lesezeit

Norwegen 🇳🇴 83.1 km

Etappen-Infobox

Datum: 26.05.2011

Tageskilometer: 83.07 km

Route: Ølberg → Egersund

Fahrzeit: 6:34:29

Schnitt: 12.6 km/h

Gesamtstand: 3910.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 56: Drei Gesichter der Etappe
Tag 56: Drei Gesichter der Etappe

Der heutige Morgen begann mit dem sanften Geräusch des Regens, der auf das Zeltdach prasselte. Als der Wecker um 07:00 Uhr klingelte, hatte ich das Gefühl, dass der Tag ungemütlich starten würde. Doch ich beschloss, mich nicht entmutigen zu lassen. Als ich das Zelt verließ, stellte ich erfreut fest, dass der Regen aufgehört hatte. Dies sollte sich bis zum Abend als Glücksfall herausstellen.

Um kurz nach 10:00 Uhr machte ich mich schließlich auf den Weg. Mein Ziel für heute war Egersund, eine Strecke von rund 83 Kilometern. Die ersten 50 Kilometer erwiesen sich als angenehm. Die Umgebung war geprägt von Ackerland und Weiden, gesäumt von Schafen und Kühen, die mich an die norddeutschen Küsten erinnerten. Die Straßen waren größtenteils geteert, und ich konnte mit einem erfreulichen Tempo fahren.

Auf der linken Seite erblickte ich in der Ferne schneebedeckte Berge, während die Küste auf der rechten Seite in sanften Kurven verlief. Die Strecke führte mich über zwei kleine, wackelige Brücken, die ich nur mit Schiebetechnik passieren konnte. Immer wieder wechselte der Weg zwischen der Hauptstraße und kleineren Nebenstraßen, die mich durch schattige Wälder führten und mich mit der Natur umgaben. Bis Kilometer 50 fühlte ich mich stark und energiegeladen.

Doch dann kam der Wind zurück. Und natürlich blies er mir direkt ins Gesicht. Von Kilometer 50 bis 60 sollte der Weg mich über eine alte, mit Kies bedeckte Hauptstraße führen – und das war eine wahre Herausforderung. Diese Straße war in den letzten Jahren kaum genutzt worden und zeigte sich in einem erbärmlichen Zustand. Der Weg war stark wellig, mit Steigungen von bis zu 23 %. Ich kämpfte mich schiebend die Anstiege hinauf, während ich von den schroffen, runden Felsen umgeben war, die sich überall türmten.

Oben angekommen, war die Aussicht einfach atemberaubend. Der Blick in Richtung Osten ließ all die Mühen der Anstiege schnell vergessen. Ich fühlte mich angekommen in Norwegen. Die letzten 10 Kilometer führten mich durch ein traumhaftes Gelände: Ich fuhr durch Wälder, entlang eines Sees und kreuzte mehrfach eine Bahnlinie. Der Weg schlängelte sich immer weiter bis nach Egersund.

Als ich schließlich den Campingplatz erreichte, war ich erleichtert. Für 80 Kronen bekam ich einen Platz, der im Vergleich zu anderen ziemlich günstig war. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte, entdeckte ich zwei deutsche Wohnmobile und einen VW-Bus mit deutschen Kennzeichen. So viele Deutsche an einem Ort! Es war ein bisschen surreal, denn ich war in Norwegen und hatte so lange niemanden aus meiner Heimat getroffen.

Ich gesellte mich zu einigen der anderen Camper und wir plauderten ein wenig. Doch die Müdigkeit überkam mich schnell. Nach einem langen Tag war ich zu erschöpft, um etwas zu schreiben, und fiel sofort ins Zelt und in einen tiefen Schlaf.

Morgen werde ich meine Reise fortsetzen und bin gespannt, was die nächsten Tage für mich bereithalten. Bis dahin, Micha.

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Flekkefjord. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?