Kapitel 7 von 15: Schottland

43% der Gesamtreise

Tag 38 von 88

Nebel, Regen und die Magie von Aberdeen

3 min Lesezeit

Schottland 🇸🇧 Wind/Regentag 46.3 km

Etappen-Infobox

Datum: 8.5.2011

Tageskilometer: 46.31 km

Route: Stonehaven → Aberdeen

Fahrzeit: 3:34:39

Schnitt: 12.9 km/h

Gesamtstand: 2677.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 38: Nebel, Regen
Tag 38: Nebel, Regen

Die gestrige Etappe war bisher die härteste auf meiner gesamten Reise. Es war so anstrengend, dass ich an manchen Stellen einfach anhalten musste, die Augen schloss und mir vorstellte, an einem anderen Ort zu sein. Die Kombination aus Regen, kalten Füßen und Müdigkeit machte es fast unerträglich. Ich konnte gar nicht fassen, wie sehr ich die Menschen beneidet habe, die ich durch die Fensterscheiben in ihren warmen, trockenen Wohnzimmern sah. Aber ich wusste, dass das noch nicht das Schlimmste war, was auf mich zukommen könnte.

Heute Morgen weckte mich der Regen um 7 Uhr, und es stürmte mit der vorhergesagten Windstärke 5. Nach dem anstrengenden Vortag hatte ich absolut keine Lust, bei diesem Wetter loszufahren, also drehte ich mich noch einmal um und schlief weiter. Irgendwann musste ich dann aber doch raus. Mit Regenjacke bewaffnet machte ich mich auf den Weg zum Waschraum und genoss ein ausgiebiges Frühstück. Ich dachte mir: Ich brauche viele Kalorien für das, was noch kommt.

Es war klar, dass ich die heutige Etappe nach Aberdeen verkürzen musste. Bei 40 Kilometern und dem schlechten Wetter fühlte sich das schon als richtige Entscheidung an. Glücklicherweise hörte der Regen auf, als ich meine Sachen zusammenpackte, und um 14:00 Uhr konnte ich endlich losfahren. Der Himmel war immer noch mit dichtem Nebel verhangen, und Stonehaven war in eine Art mystische Nebelwand gehüllt. Die Straßen waren nass, aber die Fahrt begann dennoch relativ angenehm.

Zuerst führte mich die Route über eine stark befahrene Hauptstraße. Ich schaltete mein Licht ein, warf mir meine Signalweste über und fuhr los – Augen zu und durch. Nach drei Kilometern konnte ich auf eine ruhigere Straße wechseln, was die Fahrt deutlich angenehmer machte. Durch den Nebel zu radeln war ein seltsames Gefühl. Man konnte die Anstiege und Abfahrten kaum sehen, wusste nie, was hinter der nächsten Biegung lag, und auch die Landschaft blieb nur schemenhaft sichtbar. Die Steinmauern, Wiesen und Weiden, die Schottlands Landschaft prägen, waren nur angedeutet.

Nach etwa 10 Kilometern traf ich zwei Radfahrerinnen aus Holland, die ein kleines Stück der NSCR radelten. Wir tauschten uns kurz aus, bevor ich meinen Weg fortsetzte. Der Nebel begann sich langsam zu lichten, und bei Portlethen kam ich schließlich wieder an die Küste. Die Wellen tobten, und die Brandung schien bei Windstärke 5 noch wilder als am Morgen.

Kurz vor Aberdeen, in Cove Bay, schien die Sonne plötzlich durch den Nebel. Ich konnte die Farben der Landschaft endlich klar erkennen. Die Sicht auf die Bucht mit den tosenden Wellen war beeindruckend, doch das beste Erlebnis wartete noch. Als ich am Leuchtturm von Aberdeen vorbeifuhr, offenbarte sich ein atemberaubender Blick: Über dem Nebelmeer zeichnete sich Aberdeen ab, schemenhaft sichtbar, als wäre es in ein Gemälde eingebettet. Die Hafenanlagen, Kirchspitzen und das Riesenrad gaben der Stadt eine mystische Anmutung, und vor mir brachen sich riesige Wellen an einem Steg, der in die Bucht führte. Es war ein unbeschreiblicher Moment, der mich für alle Strapazen des Tages entschädigte.

Nach der Ankunft in Aberdeen machte ich mich auf die Suche nach einer Unterkunft und fand ein Hostel etwas außerhalb des Stadtzentrums. Es war die dritte Hostel-Übernachtung auf dieser Reise, aber diesmal war ich nicht alleine im Zimmer. Merkwürdigerweise gab es im Raum keine einzige Steckdose – so etwas habe ich noch nie erlebt.

Morgen geht es in die Highlands, und das Wetter soll sich endlich bessern.

Greetings Micha

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Turriff. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?