Kapitel 11 von 15: Schweden

81% der Gesamtreise

Tag 71 von 88

Abschied von Schweden: Die Reise nach Dänemark beginnt

5 min Lesezeit

Schweden 🇸🇪 Lange Etappe 121.8 km

Etappen-Infobox

Datum: 10.06.2011

Tageskilometer: 121.75 km

Route: Göteborg → Varberg

Fahrzeit: 8:33:22

Schnitt: 14.2 km/h

Gesamtstand: 5076.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 71: Abschied von Schweden
Tag 71: Abschied von Schweden

Heute morgen erfuhr ich, dass der Däne 20 Tage lang mit seinem Kajak unterwegs sein wird. Davon 150 km auf offener See. Dafür hat er sich extra ein kleines Segel gebaut. Seine Frau fährt unterdessen mit ihrem Mountainbike und jeweils an einen Anhänger für die Tochter und für den Hund an Land entlang. Ich war von dem, was er vorhat, genauso überwältigt wie er von meiner Reise. Von den beiden Süddeutschen habe ich mich wehmütig verabschiedet.

Bevor ich losfuhr, checkte ich noch einmal die Fährverbindungen. Nach Göteborg war es nicht mehr allzu weit. Wie bei jeder größeren Stadt zieht es sich, bis man im Zentrum angekommen ist. So auch hier. Die Strecke verlief über 10 km lang immer parallel zur Autobahn durch das vorgelagerte Industriegebiet. Dabei begegnete mir der erste IKEA in Schweden. In Göteborgs Zentrum ließ ich es ruhig angehen. Ich machte eine Pause, aß ein wenig und schaute mir die Schweden an. Ich prüfte, wann die Fähre von Varberg nach Grånde übersetzt.

Samstag um 08:55 Uhr und Sonntag um 08:55 Uhr und kurz vor Acht. Heute würde ich es auf gar keinen Fall mehr schaffen. Morgen nur, wenn ich mich günstig zum Ableger positioniere. Nach Varberg war es noch ein wenig hin, mindestens über 50 km. Das könnte ich mit Glück bis um 20:00 Uhr schaffen. Nach dem Zentrum fuhr ich eine Weile durch einen schönen Park. Danach ging es viele Kilometer auf einem separaten Radweg, der gut abgeschottet vom übrigen Verkehr war. Sehr angenehm zu fahren. Dabei traf ich ein älteres niederländisches Pärchen, die die komplette Runde ebenfalls fahren. Vier Monate haben sie dafür veranschlagt. Es sind also doch einige unterwegs.

Kurze Zeit später kam ich an die Küste. Die Sonne schien und es war schön, an diesen kleinen Buchten mit den kleinen Felsen und leichten Sandstränden entlang zu fahren. Bis Kilometer 40 hatte ich dieses Vergnügen. Dann traf ich einen Radfahrer, der da stand und Fotos machte. Ich sprach ihn an und wir unterhielten uns angeregt über eine Stunde lang. Der Gute kommt aus Braunschweig und fährt hoch bis zum Nordkap. Es war mir relativ egal, dass ich noch einen sehr weiten Weg vor mir hatte. Ich ließ mich nicht treiben und genoss das Gespräch.

Kurz nach 17:00 Uhr gesellten sich noch zwei andere deutsche Fahrer dazu. Wir unterhielten uns allesamt kurz und trennten uns daraufhin. Zu diesem Zeitpunkt ging ich noch von etwas über 55 km aus, die ich nach Varberg noch zu fahren hatte. Tatsächlich waren es aber noch 80 km. Das sollte mir kurze Zeit später klar werden. Doch auch das schockte mich nicht. Der letzte Tag in Schweden und ich war mehr als relaxed.

Von der Küste fuhr ich über Kungsbacka wieder ins Land hinein. Ich streifte Golfplätze, fuhr durch Naturreservate und kämpfte mich auf leichte Anhöhen empor, von denen ich einen wunderschönen Ausblick hatte. Ich fuhr entlang der Bahnschienen wieder zurück an die Küste. So um 20:30 Uhr fing ich an zu rechnen. 35 km sind noch zu fahren. Es würde spätestens 24:00 Uhr werden. Entweder ich suche mir einen Zeltplatz in der Nähe oder ich haue mich kurz vor Varberg in die Büsche. Die dritte Alternative gefiel mir am besten. Ich fahre bis zum Fähranlieger, mache mich dort wegen morgen früh schon mal kundig und suche mir ausgehend von diesem Ort die erstbeste Schlafmöglichkeit.

Für mich deswegen schon die beste Möglichkeit, weil ich eher die Eule und weniger die Lerche bin. Das Gute hier in Schweden ist, dass es bis kurz vor Zwölf noch hell ist wie bei uns am Vorabend. Ich deckte mich an einer Tankstelle noch mit ein wenig Zucker in Form von Cola ein. Alle 10 km machte ich eine kurze Pause, trank etwas und gab wieder Gas. Bei Varberg gab es noch einen Hinweis auf einen Campingplatz, ich blieb aber bei meinem Plan.

Um 23:30 Uhr erreichte ich den Fähranlieger. Der Ticketschalter macht um 07:15 Uhr auf und Check-in ist spätestens eine halbe Stunde vor Abfahrt um 08:55 Uhr. Da wusste ich erst mal Bescheid. Jetzt hieß es, eine Schlafmöglichkeit zu finden. Wald gab es hier nicht. 4 km zurück gab es gute Gelegenheiten, wild zu campen. Ich fuhr erst mal weiter, um mich hinter den Terminals umzuschauen. Bei einem Hotel hielt ich, ging hinein und fragte nach dem Preis. 1400 SEK waren mir einfach zu teuer. Handeln ließ die gute Dame auch nicht mit sich und eine Besenkammer gab es auch nicht. So ging ich wieder.

Draußen hörte ich Partymusik. In der Nähe schien es ein größeres Lokal zu geben. Ich fuhr halbwegs in diese Richtung und kam an einem Minigolfplatz vorbei. Ich fuhr weiter Richtung Wasser und kam zu einer Burg mit einer hohen Mauer drum herum. Ich fuhr die Mauer entlang und sah, dass es auf der Wasserseite einen geeigneten Rasen für ein Zelt gab. Dort führte zwar ein beleuchteter Weg entlang, das war mir aber egal. Ich schlug mein Zelt dort auf. So ganz wohl fühlte ich mich nicht dabei. Ab und an hörte ich Leute entlanggehen und ob das Zelten dort überhaupt erlaubt sei, war ich mir auch nicht so sicher.

Morgen werde ich die Reise nach Dänemark antreten, um das letzte noch fehlende Land zu befahren. Bye, Micha

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Fjellerup. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?