Kapitel 7 von 15: Schottland

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Tag 48 von 88

Starker Wind und spektakuläre Landschaften auf den Shetland-Inseln

3 min Lesezeit

Schottland 🇸🇧 Lange Etappe Wind/Regentag 122.3 km

Etappen-Infobox

Datum: 20.05.2011

Tageskilometer: 122.29 km

Route: Lerwick → Lerwick

Fahrzeit: 11:11:00

Schnitt: 10.9 km/h

Gesamtstand: 3515.0 km

Wind-Fokus: Heute war der Wind ein dominanter Mitspieler.

Tag 48: Starker Wind auf den Shetland-Inseln
Tag 48: Starker Wind auf den Shetland-Inseln

Heute sollte der stärkste Wind der ganzen Tour auf mich warten – zum Glück nicht durchgehend von vorne, aber es war trotzdem eine Herausforderung. Die Shetland-Inseln empfingen mich mit einer kühlen, windigen Umarmung, und mein Ziel war klar: eine Rundtour von über 120 Kilometern, die ich durchstehen musste.

Ich habe wunderbar in meiner Viermannkabine auf der Fähre geschlafen. Gestern Abend um 21:00 Uhr war der Check-in, und bis zur Abfahrt um 23:45 Uhr vertrieb ich mir die Zeit mit einem neuen Blog-Eintrag. Neben mir warteten zwei Motorradfahrer, ein Vater und sein Sohn, die sich ebenfalls auf den Weg zu den Shetland-Inseln machten. Um 6:30 Uhr wachte ich auf und machte mich bereit, die Fähre legte um 7:30 Uhr an.

Das Wetter war vielversprechend – trocken und teilweise klarer Himmel. Der Südwestwind wehte bereits kräftig, aber ich hoffte, dass er mich auf der Tour unterstützen würde. Die Route, die ich plante, beschrieb eine Art Acht durch die Hauptinsel. Ich entschied mich, gegen den Uhrzeigersinn zu fahren und startete Richtung Osten. Zuerst führte die Strecke über eine Hauptstraße, die mich an den ersten und einzigen Golfplatz des Tages brachte.

Die Ostküste der Hauptinsel war zerklüftet, mit langen, ins Wasser reichenden Landspitzen, die malerische Buchten formten. Die Shetlands sind deutlich hügeliger und karger als die Orkney-Inseln – weniger grün, aber dafür wilder. Ich genoss die Aussichten, vor allem die über die South Nesting Bay und die Dury Voe, die mich mit jeder Kurve aufs Neue beeindruckten.

Doch wie so oft auf dieser Reise forderten mich die Anstiege heraus, die zwar anstrengend waren, aber jedes Mal mit atemberaubenden Ausblicken belohnt wurden. Bei Laxo erreichte ich wieder die Hauptstraße, die in Richtung Norden führte. Auf dem Weg zum nördlichsten Punkt meiner Reise bei Boath of Toft wurde der Wind immer stärker, aber ich blieb motiviert. In Firth machte ich eine kurze Pause und realisierte: Jetzt geht es nur noch gen Süden – zurück nach Hause.

Der Rückweg stellte sich jedoch als extrem schwierig heraus. Der Wind, der mich auf dem Hinweg unterstützt hatte, blies mir nun frontal entgegen. Meine Geschwindigkeit fiel dramatisch, von 15 km/h auf nur noch 7 km/h. Das Vorankommen wurde mühsam, besonders auf den hügeligen Abschnitten.

In Brae machte ich eine kurze Rast und überlegte, ob ich die Tagesetappe hier beenden sollte. Doch es war noch zu früh, also setzte ich meinen Weg fort. In Voe angekommen, entschied ich mich für die längere Westküstenroute, obwohl sie mit 28 Meilen länger war als der direkte Weg nach Lerwick. Ich wollte die gesamte NSCR-Route fahren, und halbe Sachen kamen für mich nicht infrage.

Der Wind und die steilen Anstiege forderten mich heraus. Besonders in Aith hoffte ich, eine Unterkunft zu finden, doch außer ein paar Häusern gab es nichts. Auch in Bixter und Tresta fand ich keine Übernachtungsmöglichkeit, also blieb mir nichts anderes übrig, als weiterzufahren. Ein letztes Highlight war die rasante Abfahrt bei Tresta, bei der ich mit 64 km/h den bisherigen Geschwindigkeitsrekord dieser Tour aufstellte.

Die letzten Kilometer nach Lerwick waren ein echter Kraftakt. Der Wind hatte mich ausgelaugt, und bei den letzten Anstiegen musste ich mein Rad sogar schieben. Doch als ich schließlich Lerwick erreichte, begann es zu regnen – zum Glück hatte ich es rechtzeitig ins Trockene geschafft. Insgesamt war ich 13 Stunden unterwegs, davon 11 Stunden auf dem Rad. Es war ein Tag, der mich an meine Grenzen brachte, aber auch mit unvergesslichen Erlebnissen belohnte.

Bye Micha!

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Lerwick. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?