Kapitel 7 von 15: Schottland
41% der Gesamtreise
Tag 36 von 88
Eine Fahrt durch Schottlands Berge, Wälder und Küsten – mit einem kaputten iPhone als Andenken
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 6.5.2011
Tageskilometer: 85.26 km
Route: Newton of Falkland → Carnoustie
Fahrzeit: 5:45:08
Schnitt: 14.8 km/h
Gesamtstand: 2543.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Als ich heute Morgen aufwachte und die Gardinen zur Seite schob, sah ich direkt: Regen. Also drehte ich mich einfach nochmal um und gönnte mir eine weitere Stunde Schlaf. Doch zu spät konnte ich nicht aufbrechen, schließlich standen wieder einige Kilometer an. Das Frühstück hatte ich am Vorabend storniert, weil ich um 6:30 Uhr noch nicht bereit für ein Full English war. So fand ich mich um 8:30 Uhr in einem fast leeren Haus wieder und bereitete mir selbst Toast.
Draußen war es noch nass, aber der Regen hatte immerhin aufgehört. Mein erstes Etappenziel war das etwa 20 Meilen entfernte St Andrews. Der Weg dorthin war von mehreren Anstiegen gespickt: Der erste Anstieg kam bei Hilton of Forthar, gefolgt von Fronthill, Cultshill und Walton Hill. An einigen Stellen kroch ich mit nur 4 km/h den Berg hinauf – gerade schnell genug, um nicht umzukippen. In solchen Momenten brennen die Beine, und der Puls schießt nach oben, aber aufgeben ist keine Option.
St Andrews war mein Zwischenziel, aber da ich noch 48 km vor mir hatte, legte ich nur eine kurze Pause ein. Ich nutzte die Gelegenheit, um die beeindruckende Kathedrale und das Castle zu besichtigen. Die Stadt war voller Studenten und Golfer, was St Andrews einen einzigartigen Charme verleiht. Besonders der Golfplatz, einer der ältesten der Welt, und das dazugehörige Museum sind ein Blickfang.
Von St Andrews aus ging es weiter, und ich fuhr entlang einer Bucht, vorbei an einem alten Militärflugplatz, auf dem ich während meiner Marinefliegerzeit vor etwa 14 Jahren gewesen war. Die Erinnerungen an diese Zeit – an Loch Ness, Whisky-Destillerien und die Highlands – kamen wieder hoch. Diese Reise prägt mich bis heute und ist einer der Gründe, warum ich immer weiter radle.
Dann kam der Tentsmuir Forest, ein Naturschutzgebiet mit einem herrlich zu befahrenden Weg. Doch kurz bevor ich wieder aus dem Wald herauskam, erwartete mich noch eine Herausforderung: eine sandige und schotterige Strecke, die mich ordentlich durchrüttelte. Bei Tayport sah ich dann Dundee auf der anderen Seite des Tay, in Nebel und Dunst gehüllt.
Um nach Dundee zu gelangen, musste ich nach Newport-On-Tay fahren und die Brücke überqueren. Diese Brücke war anders als die meisten, denn sie fällt in beide Richtungen ab, je nachdem, ob man hinauf oder hinunter fährt. Während der Fahrt passierte es dann: Mein iPhone fiel aus der Halterung und krachte auf den Boden. Glücklicherweise rutschte es nicht auf die stark befahrene Straße, aber drei Risse im Display hinterließen ihre Spuren. Die Laune war im Keller.
Nach der Brücke musste ich durch die Docks von Dundee, ein Gebiet, in das man nur kommt, wenn jemand das Tor öffnet. Danach wurde es richtig hart: Ab Brought Ferry hatte ich eisigen Gegenwind, und ich fühlte mich erschöpft und demoralisiert. Doch aufgeben kam nicht in Frage, also fuhr ich weiter.
Der Pfad hinter Monifieth zog sich ewig hin, vorbei an einem Militärübungsgelände mit Schildern, die davor warnten, nichts anzufassen, weil es explodieren könnte. Diese acht Kilometer zogen sich wie Kaugummi. Endlich in Carnoustie angekommen, sah ich gleich den ersten Golfplatz, auf dem bereits die berühmten British Open stattgefunden haben. Tiger Woods hat hier gespielt – der erste Milliardär durch Sport.
Morgen geht es weiter die Küste entlang, hoffentlich ohne Regen. Nacht, Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Stonehaven. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?