Kapitel 7 von 15: Schottland
38% der Gesamtreise
Tag 33 von 88
Herausfordernde Anstiege und der atemberaubende Blick auf Edinburgh
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 3.5.2011
Tageskilometer: 92.95 km
Route: Melrose → Edinburgh
Fahrzeit: 6:21:31
Schnitt: 14.6 km/h
Gesamtstand: 2374.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Das Bed & Breakfast, in dem ich übernachtete, war wirklich erstklassig. In England werden solche Unterkünfte mit vier Sternen ausgezeichnet, und das zurecht. Auch Melrose hinterließ insgesamt einen gehobenen Eindruck. Schon beim Frühstück gab es Gesprächsstoff, als die anderen Gäste von meiner Reise erfuhren. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie erstaunt und respektvoll die Menschen reagieren, wenn ich ihnen von meinem Vorhaben erzähle.
Die Tour startete heute Morgen ähnlich wie gestern: wellige Landschaft entlang des Tweed, an den Scottish Borders. Ich fühlte mich stark, und das Rad rollte gut. Die Hügel nahm ich gelassen, während ich die sanften Anstiege langsam bezwang und die Abfahrten in vollen Zügen genoss. Doch bald änderte sich die Szenerie: Links und rechts tauchten Landschaften auf, die man durchaus als Berge bezeichnen könnte. Kleinere Wälder, Wiesen, die mit Moos überzogen waren, und überall weideten Schafe – Schottland pur.
Die Route führte mich entlang von Hängen, durch Baumschneisen, auf und ab durch die Hügellandschaft, bis ich schließlich Innerleithen erreichte. Diese Stadt liegt mitten in den Bergen und diente mir als Orientierungspunkt, denn ab hier ging es in nördlicher Richtung direkt auf Edinburgh zu. Doch bevor ich dorthin gelangen konnte, musste ich die “Granites” überwinden – zwei extrem lange Anstiege, von denen mir später berichtet wurde, dass sie berüchtigt sind. Gleich hinter Innerleithen begann der erste Anstieg, und ich brauchte fast eine Stunde, um ihn zu bewältigen. Die Straße zog sich scheinbar endlos den Berg hinauf, und mit meinem 47 kg schweren Tourenrad war das kein leichtes Unterfangen.
Im Gegensatz zu kleineren Anstiegen, die schnell überwunden sind, fühlte sich dieser wie eine endlose Herausforderung an. Ich erreichte Durchschnittsgeschwindigkeiten von 8 km/h – ein Tempo, das ich zuvor nur bei starkem Gegenwind in Ostfriesland erlebt hatte. Oben angekommen, wurde ich leider nicht mit einer spektakulären Aussicht belohnt, sondern sah nur weitere Berge. Dafür kam die Abfahrt wie gerufen, doch die Erholung währte nicht lange. Die zweite Auffahrt folgte bald, sie war kürzer, dafür aber steiler.
Nach knapp 20 km und fast zwei Stunden harter Arbeit war ich endlich oben. Ein Wegweiser zeigte an, dass ich mich auf 404 Höhenmetern befand. Nach einer letzten Kurve offenbarte sich mir ein Blick, der für die Mühen entschädigte: Weit in der Ferne konnte ich Edinburgh erkennen, das noch etwa 40 km entfernt lag. Die Abfahrt war kühl, aber erfrischend, und die nächsten 30 km gingen größtenteils bergab – die kleinen Aufstiege zwischendurch störten mich kaum noch.
In Dalkeith traf ich auf einen netten Radfahrer, der mir half, mich durch die Stadt zu navigieren. Die Baustellen entlang meiner Route waren zahlreich, und ohne seine Hilfe hätte ich wohl deutlich länger gebraucht. Wir sprachen noch ein wenig über aktuelle Entwicklungen in der Tourenrad-Technik, bevor wir uns verabschiedeten.
Bis Kilometer 80 lief alles bestens, doch dann wurde es wieder anstrengend. Die Erschöpfung machte sich breit, doch nach insgesamt 92 km erreichte ich endlich Edinburgh. Dort suchte ich nach einer Unterkunft, die ich auch schnell fand: ein großes Backpacker-Hostel, das alles bot, was ich brauchte – von einer Bar über kostenloses WLAN bis hin zu Waschmöglichkeiten und einer rund um die Uhr besetzten Rezeption.
Nachdem ich mich frisch gemacht hatte, nutzte ich den Abend für einen ersten Spaziergang durch die Stadt. Edinburgh machte sofort einen atemberaubenden Eindruck auf mich. Morgen ist Ruhetag, und ich freue mich darauf, die Stadt in aller Ruhe zu erkunden.
Bye Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Edinburgh. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?