Kapitel 10 von 15: Norwegen - Schweden
76% der Gesamtreise
Tag 67 von 88
Norwegen begrüßte mich mit Regen und Norwegen verabschiedete mich mit Regen.
4 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 07.06.2011
Tageskilometer: 40.67 km
Route: Høysand → Strömstad
Fahrzeit: 2:56:45
Schnitt: 13.8 km/h
Gesamtstand: 4713.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Der Wecker hat heute Morgen pünktlich geklingelt. Ich bin auch sofort aufgestanden. Aber nur, um ihn gleich wieder auszumachen. Erst drei Stunden später hielt ich es für nötig, dem Tag einen guten Morgen zu wünschen. Ich hatte in Norwegen nicht einen einzigen Ruhetag eingelegt und hielt es deswegen für gerechtfertigt, den Grenzübergang nach Schweden in Ruhe anzugehen. Zumal es draußen regnete. Auch das Frühstück genoss ich in völliger Eillosigkeit.
Um kurz nach 12:00 Uhr gelang es mir dann doch endlich aufzubrechen. Bis zur schwedischen Grenze waren es ungefähr noch 15 km. Nach 5 km fing es wieder an zu regnen. Diesmal war es aber nicht so schlimm wie vor einer Woche. Es war warm, und der Regen kam in Schauern. Nach einem Schauer trocknete man recht schnell wieder ab.
Die Grenze zwischen Norwegen und Schweden wird durch einen Fluss gebildet, über den eine 65 m hohe Brücke von einem Land zum anderen führt. So verließ ich Norwegen über einen letzten schönen Anstieg. Von der Brücke hatte man einen schönen Überblick ins Tal, durch das der Fluss verlief. Es ist ein großartiges Gefühl, wieder ein Land geschafft zu haben. Vier Länder habe ich bereits komplett hinter mich gelassen. Die Niederlande, England, Schottland und jetzt auch Norwegen wären geschafft. Schweden, Dänemark und der Rest von Deutschland fehlen noch.
Man verlässt jedes bereiste Land mit ein wenig Wehmut. Hat man dort doch Schweiß und Kraft gelassen. Auch unwiderrufliche Eindrücke hat man von ihnen mitgenommen. Nachdem ich die Brücke überquert hatte und in Schweden angekommen war, galt es, meinen Weg zu finden. Eine Karte hatte ich noch nicht. In OpenCycleMap war die Route nicht verzeichnet. So nahm ich den Weg, der mich nach Strömstad führte. Eine Radroutenbeschilderung habe ich nicht gesehen.
Bei einem großen Kaufzentrum bog ich ab und suchte dort den Bankautomaten auf, um mich mit schwedischen Kronen einzudecken. Obwohl es bereits kurz vor 15:00 Uhr war, hatte ich es immer noch nicht sonderlich eilig. Ich hatte größtenteils die Autobahn parallel von mir. So ganz bin ich die Originalroute sicher nicht gefahren. Gerade in Strömstad angekommen hörte ich bereits das Donnern aus der Ferne. Weit war es nicht entfernt, und es kam immer näher. Rechtzeitig suchte ich Schutz unter dem Sonnenschutz eines Einrichtungsgeschäftes. Eine Bank verleitet mich dazu, dort meine Mittagspause einzulegen. Es hat ein paar Mal richtig gedonnert und geblitzt. Dazu gab es noch einen ordentlichen Schauer.
Als der Regen nachließ, fuhr ich weiter Richtung Innenstadt, in der Hoffnung, dort in einer Buchhandlung eine Karte zu bekommen und in einem Radladen einen Ersatzschlauch. Meine waren ja mittlerweile alle verbraucht. Im Zentrum fragte ich einen Passanten nach einem Buch- und einem Radladen. Von ihm erfuhr ich, dass heute Nationalfeiertag ist und deswegen diese Geschäfte geschlossen. Wir unterhielten uns ein wenig. Er gab mir noch ein paar gute Tipps bezüglich Campingplätze.
Ich überlegte hin und her. Es war bereits kurz vor 18:00 Uhr. Ich hatte 40 km auf dem Tacho. Wenn ich heute in Strömstad bleibe, kann ich morgen versuchen, Kartenmaterial zu bekommen und mir Ersatzschläuche zu besorgen. Ohne zu fahren ist mir einfach zu riskant. So entschied ich mich für Strömstad. Ich hatte es heute eh nicht so eilig. Ich deckte mich noch mit Lebensmitteln ein und fuhr den Campingplatz an, der sich direkt in Stadtnähe befindet. Dort mietete ich mir mal wieder eine Hütte. Eine Zwei-Personen-Hütte, die von außen eher wie eine Ein-Personen-Hütte ausschaut. Innen hat sie aber genug Platz für zwei Personen. Irgendwie erinnern mich diese an Hundehütten.
Als ich gerade mit der häuslichen Einrichtung fertig war, kam ein Radlerpärchen, welches die Hütte neben meiner bezog. Es stellte sich heraus, dass die beiden aus Hamburg kommen und die Nordseeküstenroute von Oslo bis nach Dänemark fahren. Soweit wie sie in 2 1/2 Wochen kommen.
Bis morgen, Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Rorvik. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?