Kapitel 9 von 15: Norwegen

70% der Gesamtreise

Tag 62 von 88

Sonne so weit das Auge reicht und eine Begegnung auf der Strecke

5 min Lesezeit

Norwegen 🇳🇴 59.9 km

Etappen-Infobox

Datum: 02.06.2011

Tageskilometer: 59.86 km

Route: Lillesand → Vatnebu

Fahrzeit: 3:51:38

Schnitt: 15.5 km/h

Gesamtstand: 4305.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 62: Sonne und Begegnung auf der Strecke
Tag 62: Sonne und Begegnung auf der Strecke

War das heute endlich mal wieder schön zu fahren, Sonne so weit das Auge reicht! Ich nähere mich langsam wieder der 07:00 Uhr-Marke beim Aufstehen. Das Frühstück konnte ich unter freiem Himmel auf einer Bank mit Tisch einnehmen. Die Temperatur war angenehm und die Sonne schien. Der Tag versprach gut zu werden. Ich verquatschte mich ein wenig mit einem Rentner-Ehepaar, die solange durch Norwegen kurven wollen, wie das Geld reicht.

Um kurz nach 10:00 Uhr war ich zum Aufbruch bereit. Vorher musste ich aber noch Gerd anrufen. Er versuchte, mich gestern zu erreichen, und schrieb mir gestern Abend noch eine Mail. Gerd fährt die Nordseerunde anders herum, gegen den Uhrzeigersinn. Wir stehen schon länger in Kontakt und planten, uns zu treffen. Gerd ist gestern in Arendal angekommen. Nicht weit von Lillesand entfernt. Wir verblieben dabei, dass ich mich später von Grimstad nochmals melde. Ich wurde gewarnt, nicht den Schotterweg zu nehmen, sondern die alte E18, die sich wesentlich besser fahren lässt. Irgendwie schien ich das wieder vergessen zu haben.

Die Route führte über einen schmalen Holzsteg, auf der linksseitig ein länglicher Fischersee ruhig im Glanz der Sonne dalag und zur rechten ein kleiner Sturzbach, das Seewasser in den Fjord entließ. Da konnte ich nicht anders, da musste ich lang. Direkt hinter dem See ging es in einen Wald hinein. Dieser war noch befahrbar. Ich kam zurück auf die Straße, um etwas später auf der anderen Seite wieder in einen Seitenweg einzubiegen. Dort gab es ebenfalls keine geteerte Straße. An den Häusern vorbei kam ich zu einem Weg, der so aussah, als ob sie das Teeren vergessen hätten.

Links ging es über eine Brücke, rechts gingen zwei Wege weiter. Nirgendwo ein Schild oder Hinweis, wo es nun lang gehen sollte. Meine Karten konnten mir auch nicht weiterhelfen. Ich fuhr ein paar Hundert Meter rechts den Weg entlang und kam zu dem Entschluss, dass das nicht der richtige Weg wäre. Also wieder zurück zur Brücke. Dort traf ich einen Mountainbiker, den ich fragte, wo es denn nach Grimstad lang gehe. Er meinte, ich müsse über die Brücke und dann rechts. Er fuhr ein wenig mit und erzählte mir dabei, dass es besser wäre, auf die Straße abzubiegen. Er machte mir das Angebot, mir den Weg zu zeigen, und ich nahm dankend an.

Wir fuhren ganz schön flott durch den Wald. Ich versuchte, dran zu bleiben. Die Anstiege kam ich trotz Gewicht etwas schneller hoch. Die Kraft ist wieder da. Ich muss jetzt aber dazu sagen, dass gute Manne bereits sein 60. Lebensjahr überschritten hat. Dank ihm war ich wieder schnell auf der Straße. Wir fuhren weiter zusammen und unterhielten uns ganz angeregt. Er fährt drei bis vier Mal die Woche mit dem Rad. Richtig so, das hält jung. Bei Grimstad erklärte er mir den weiteren Weg, er selber war nun fast zu Hause angekommen.

Grimstad’s Zentrum liegt direkt an einem Fjord. Es machte einen ganz anschaulichen Eindruck. Es hatte einen Bootshafen, wie jede Stadt an der Küste einen hat. Bei Grimstad rief ich noch mal den Gerd an, der mir sagte, dass er bei dem Campingplatz kurz vor Arendal auf mich wartet. Die folgenden 13 km liefen sehr gut. Nicht allzu viele Höhenmeter und leichten Rückenwind und ein vernünftiger Straßenbelag haben mich in Windeseile dort hin gebracht.

Auf dem Campingplatz angekommen trafen wir uns dann. Über 2 1/2 Stunden haben wir uns unterhalten. Ein wirklich nettes und schönes Gespräch. Als wir da saßen, kam ein Münchener Radpaar auf den Platz. Wir unterhielten uns gemeinsam ein wenig. Die beiden machen eine 3000er Tour von Deutschland über Dänemark, Norwegen und Schweden und noch weiter. Irgendwann musste es aber weitergehen, wir verabschiedeten uns.

Da es bereits schon ziemlich spät war, kam für mich nur der nächstgelegene Campingplatz in Frage. Der übernächste wäre mit über 50 km zu weit weg gewesen. Ich hatte bis dahin 38 km auf dem Tacho und empfand es nicht als dramatisch, mal wieder weniger als 80 km zu fahren. Die Fahrt durch Arendal war sehr angenehm. Arendal liegt ebenfalls an einem Fjord und hat über einen Großteil der Wasserlinie Hafen. In dem allerlei Boote lagen. Kleine und große, schnelle und langsame, Jachten und Segelboote lagen festgebunden an den Stegen. Man konnte entlang dieser Hafen fahren und diesen herrlichen Anblick genießen. Der Fjord wirkte wie ein großer See mit einer Einfahrt. Auf der gegenüberliegenden Seite gab es bebaute, bewaldete Felsen. Es schaut immer so aus, als ob die Häuser in mehreren Ebenen gebaut werden, wenn diese auf den Felsen oder Hängen stehen.

Von Arendal waren es noch etwas mehr als 15 km bis zu meinem Ziel. Diese fuhren sich genau so angenehm und gut wie die vorherigen. Dort angekommen wies mir ein Schild den Weg, auf dem aber kein Zeltzeichen war, nur ein Betten- und Essenszeichen. Auf einem weiteren Schild gab es auch ein Zeltsymbol. Der Weg zu dem Platz verlief über eine Schotterpiste mit steilen Aufstiegen und Gefällen. Also ein Campingplatz war das mal nicht. Eher ein B&B, wo man auch sein Zelt aufschlagen kann. Es hat eine Dusche und eine Küche und ich kann im Frühstücksraum mein Essen zu mir nehmen, meine Geräte aufladen und meinen Bericht schreiben. Dabei habe ich durch das Fenster einen wunderschönen Blick auf einen See. Alles wunderbar.

Ab morgen möchte ich mal schauen, dass ich langsam wieder ein wenig mehr Kilometer leiste. Das Wetter soll vielversprechend gut werden. Ich merkte heute bereits, wie gut das für die Motivation ist.

Bye, Micha

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Kragerø. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?