Kapitel 7 von 15: Schottland

56% der Gesamtreise

Tag 49 von 88

Ruhetag in Lerwick: Windige Pausen und Shetlands Geschichte

3 min Lesezeit

Schottland 🇸🇧 Ruhetag Wind/Regentag 0.0 km

Etappen-Infobox

Datum: 21.05.2011

Tageskilometer: 0.00 km

Route: Lerwick → Lerwick

Fahrzeit: 0:00:00

Schnitt: 0.0 km/h

Gesamtstand: 3515.0 km

Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.

Tag 49: Ruhetag in Lerwick
Tag 49: Ruhetag in Lerwick

Heute war ein wohlverdienter Ruhetag. Nach der anstrengenden Etappe gestern gönnte ich mir das Ausschlafen – und das fühlte sich mehr als richtig an. Es war der erste Tag seit 15 Tagen, an dem ich einfach nichts Großartiges vorhatte. Ich fliege erst am 21. Mai nach Bergen, und der Flughafen ist keine 30 Kilometer entfernt, also hatte ich keinen Druck. Den Vormittag ließ ich entspannt angehen: Waschen, Frühstücken und ein bisschen im Internet surfen. Es tat gut, mal wieder völlig ohne Plan zu sein.

Bevor ich mich aufmachte, Lerwick zu erkunden, geriet ich in ein unerwartet schönes Gespräch mit einer älteren Kanadierin. Sie sprach fließend Deutsch, da sie mit einem Deutschen verheiratet war. Halb auf Deutsch, halb auf Englisch tauschten wir uns aus, und so verging die Zeit schneller als gedacht.

Nachdem der morgendliche Regen abgezogen war, klarte das Wetter auf, und die Sonne zeigte sich, obwohl der Wind weiterhin unaufhörlich mit über 5 Windstärken blies. Es war ein Kampf, selbst beim Gehen, aber der Ausblick über die Stadt und das Meer entschädigte für die Anstrengung.

Ich lief einen Bogen Richtung Innenstadt, wenn man das in Lerwick so nennen kann, und bummelte durch die Einkaufspassage. Mein Ziel war das Stadtmuseum, aber ich hatte noch genug Zeit, also entschied ich mich, das Museum vor dem Mittagessen zu besuchen. Um 16:00 Uhr kam ich dort an – rechtzeitig, denn Museen hier schließen um 17:00 Uhr.

Die Ausstellung über die Geschichte der Shetlands faszinierte mich. Diese Inseln haben eine mehr als 6000 Jahre alte Geschichte. Funde von Knochen und Siedlungen belegen, dass die Menschen hier schon lange gelebt haben. Die älteste Siedlung ist rund 4000 Jahre alt. Norweger und Dänen prägten die Inseln, und auch die Deutschen trieben hier Handel. Erst im späten 15. Jahrhundert kamen die Shetlands unter schottische Kontrolle.

Die Menschen lebten hauptsächlich vom Fischfang, während die Orkneys mehr auf Landwirtschaft setzten. Ein Sprichwort besagt: „Orkneys sind Farmer, die etwas fischen, und die Shetlands sind Fischer, die etwas Landwirtschaft betreiben.“ Ende der 1980er Jahre wurde Öl in der Region gefunden, was die Wirtschaft und Infrastruktur der Shetlands revolutionierte. Die Inseln profitieren bis heute von jeder geförderten Ölbarrel.

Auch kulturell ist der norwegische Einfluss noch spürbar: Viele der Häuser hier sind aus Holz und erinnern an skandinavische Bauweise. Jedes Jahr gibt es einen großen Umzug zu Ehren der Wikinger, bei dem sich die Menschen in traditionellen Gewändern verkleiden. Dieses Fest ist tief in der lokalen Kultur verankert.

Shetland ist außerdem ein Paradies für Vogelbeobachter. Millionen von Vögeln unterschiedlichster Art leben und brüten hier, was viele Ornithologen anzieht. Der Tourismus ist auf den Shetlands jedoch weniger ausgeprägt als auf den Orkneys, die mir persönlich ein wenig besser gefallen haben. Trotzdem haben auch die Shetlands ihre außergewöhnlichen Ecken und malerischen Ausblicke.

Morgen mache ich mich auf den Weg, um ein Plätzchen in der Nähe des Flughafens zu finden. Es kribbelt schon etwas in mir – hoffentlich läuft mit dem Flug alles glatt und mein Rad kommt heil in Norwegen an. Bye Micha!

Cliffhanger

Morgen geht es weiter nach Sumburgh Head. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?