Kapitel 9 von 15: Norwegen
67% der Gesamtreise
Tag 59 von 88
Bergtouren und Regen: Auf der Strecke nach Mandal
4 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 30.05.2011
Tageskilometer: 71.84 km
Route: Farsund → Mandal
Fahrzeit: 6:07:28
Schnitt: 12.6 km/h
Gesamtstand: 4130.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Das Aufstehen fiel mir heute Morgen sehr schwer. Der gestrige Tag hatte einiges von mir abverlangt. Nach dem Frühstück und dem Zusammenpacken wechselte ich hinten die Bremsbeläge. Die alten waren komplett heruntergefahren. Zwei Beläge hatte ich aus Deutschland mitgenommen. Die ersten Kilometer verliefen relativ ruhig. Es hatte noch nicht geregnet, und ich hatte leichten Rückenwind. Ich bin schon lange keine 20 km/h mehr gefahren, die Bergabfahrten mal ausgenommen.
Es dauerte nicht lange, und ich verließ die Hauptstraße. Die nächsten 20 km sollten es in sich haben. Es ging mit einer Steigung los, die ich noch fahren konnte. Danach ging es relativ schnell wieder runter. Später kam eine zweite Steigung, die ich nicht in einem hochfahren konnte. Sie war einfach zu steil, und meine Beine waren auch nicht mehr ganz so frisch. Die Abfahrt verlief über eine Schotterpiste und war daher auch nicht einfach zu fahren. Wieder auf der Straße musste ich schon wieder nach oben kurbeln. Ich war mittlerweile völlig entkräftet. Die letzten Tage forderten langsam ihren Tribut. Links Felswand und rechts Abhang. Da kam mir auch noch ein Lkw auf dem schmalen Weg entgegen. Ich presste mich mit dem Rad an die Felswand. Die Abhangseite war mir zu waghalsig.
Weil ich auf dem Berg nicht mehr anfahren konnte, schob ich den Rest nach oben. Über die Hauptstraße kam ich nach Lyngdal. Lyngdal hatte einen Campingplatz, und mein Tacho zeigte 26 km an. Ich blieb stehen und überlegte eine Weile, ob ich den Tag nicht einfach hier enden lassen sollte. Ich entschied mich dagegen. Es waren einfach noch zu wenige Kilometer. Ich wollte in Vigeland, 34 km weiter, mein Lager aufschlagen. Ob ich das mal nicht noch bereuen sollte?
Die folgenden 34 km verliefen auf und ab. Immer 100 m hoch und auch wieder runter. Es fing auch wieder an zu regnen. Mehr als einmal musste ich die Auffahrt kurz unterbrechen, um durchzuschnaufen. Bei Kilometer 35 ging gar nichts mehr; ich kam den Berg nicht mehr hoch. Ich machte frierend eine halbe Stunde Rast am Straßenrand. Ich aß einiges, während ich da saß. Völlig durchgefroren und ein kleines bisschen erholt setzte ich die Fahrt fort. Es ging wieder. Ich kam die Berge wieder hoch, wenn auch nur mit viel Mühe.
Die letzten 5 km bis nach Vigeland durfte ich flacher und mit Gegenwind fahren. So kam ich dort endlich an. Aber weit und breit kein Hinweis auf einen Campingplatz. Dafür aber ein Hinweis, dass Mandal nur 12 km entfernt sei. Mandal war mein ursprüngliches Ziel. Ich rechnete mit 20 km mehr. Weil ich den Campingplatz nicht fand, fuhr ich einfach weiter in der Hoffnung, dass die nächsten 12 km etwas flacher werden. Ich sollte mich auch hier wieder täuschen.
Kurz nach Vigeland ging es auf einen Weg mit Schotteruntergrund durch einen Wald. Eigentlich eine sehr schöne Strecke. Ich hatte dreihundert Meter auf dem Weg und teilweise keine Chance, die zu fahren. So schob ich wieder: 20 m schieben, zwei Minuten Pause. Aber auch diese 6 km brachte ich hinter mir. An einem Golfplatz entlang fuhr ich in Mandal hinein. Bei der ersten Tankstelle erkundigte ich mich nach dem Campingplatz. Dieser war nicht mehr weit entfernt.
Ein riesen Platz, aber keine besetzte Rezeption. Ich wollte mir eine Hütte mieten, das hatte ich mir wirklich verdient. Vorne im Fenster stand eine Telefonnummer, die rief ich an. Leider keine Einpersonen-Hütte mehr frei. Also doch wieder zelten. Warmes Essen gab es auch nicht. Meine Gaskartusche war leer und die Küche auf dem Platz hatte auch geschlossen. So gab es nur Salat, den ich mir selbst machte. Der Kaffee fällt morgen früh auch aus. Ebenso das Müsli, weil die Milch im Bag ausgelaufen ist. Brötchen habe ich auch keine mehr.
Muss ich wohl in Mandal frühstücken. Ab Mittwoch wird das Wetter definitiv besser. Ich hab keine Lust mehr auf Regen, Nässe und Frieren. Die Strecke soll auch wieder flacher werden.
Bis bald, Micha.
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Søgne. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?