Kapitel 1 von 15: Deutschland
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Tag 3 von 88
Schleusenwärter Helmut und das Abenteuer in Dangast – 70 km entlang der Nordsee
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 3.4.20211
Tageskilometer: 70.26 km
Route: Fedderwardersiel → Dangast
Fahrzeit: 3:50:55
Schnitt: 18.3 km/h
Gesamtstand: 284.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Heute fühlte ich mich wie auf einem Laufsteg – ständig Klamotten an, Klamotten aus. Der Himmel war unentschlossen, und genauso war auch mein Kleidungsstil. Doch bevor ich ins Detail gehe, hier ein paar Zahlen für die Statistiker unter euch: Orte: Fedderwardersiel – Seefeld – Varel – Dangast Tagesleistung: 70,26 km Durchschnitt: 18,25 km/h Fahrzeit: 3:50:55 h Max: 34,68 km/h Gesamtleistung: 284 km
Der Tag begann mit einem sanften Plätschern auf dem Zeltdach. Ich war aus meinem süßen Schlaf gerissen und dachte nur: „Oh nein, Regen?“ Noch war die Motivation, aufzustehen, nicht groß. Aber dann hörte das Plätschern auf. Raus aus dem Schlafsack, rein in die Klamotten – und ab zum Brötchenholen. Nach einem ausgiebigen Frühstück und einer Stunde Packen – ja, ich werde definitiv noch schneller – ging es los. Die Luft war frisch, also erstmal ordentlich eingepackt losfahren. Doch keine zehn Minuten später kam die Sonne hervor, als wolle sie mir sagen: „Na, wird’s nicht zu warm?“
Also wieder anhalten, Klamotten wechseln. Kaum ging’s weiter, merkte ich: „Mist, jetzt ist es an den Armen doch wieder zu kühl.“ Das war der Beginn meines heutigen Laufsteg-Auftritts: Jacke an, Jacke aus, Ärmlinge? Ach, die sind tief im Gepäck vergraben. Weiter also im ständigen Wechsel zwischen gutem Wetter und frischer Brise.
Doch das war noch nicht alles. Plötzlich hörte ich ein Schleifen am Hinterrad. Mein Herz rutschte mir in die Hose – das Rack Pack hing nur noch am Gummiband! Fast hätte ich meine gesamte Ladung verloren, weil ich die Klipper nicht richtig eingerastet hatte. Eine Lektion, die ich so schnell nicht vergessen werde!
Glücklicherweise hatte ich heute Rückenwind, der mich ordentlich anschob. Es war, als würde die Natur die Unannehmlichkeiten des Morgens wieder gutmachen wollen. Schnell nahm ich wieder Fahrt auf und dachte mir: „Vielleicht schaffe ich es ja doch noch nach Dangast.“ Auf der Website hieß es, der Campingplatz öffnet erst in ein paar Tagen – na, mal sehen, was ich finden kann.
Ich fuhr durch Seefeld, und ehrlich gesagt fragte ich mich, warum die Route überhaupt diesen Schlenker macht. Irgendwas Besonderes musste es hier doch geben, aber mir erschloss sich nichts. Weiter ging es nach Varel – eine Geisterstadt an diesem Sonntag. An einer Ampel sprach mich ein älterer Herr auf einem Fahrrad an: „Schon ganz schön früh im April, oder? Nordseerunde?“ „Jo“, sagte ich und lächelte. Und schon lotste er mich durch die Stadt, seine Frau immer voran. Wir plauderten über mögliche Ziele, und er brachte mich zu einem Bekannten, der sich in der Gegend gut auskannte.
Dieser Bekannte erzählte mir von einem privaten Campingplatz in Dangast, da der offizielle Platz noch geschlossen war. Er fuhr los, um alles zu klären, und kam kurze Zeit später mit den Worten zurück: „Alles geregelt, der Schleusenwärter erwartet dich.“ Ich konnte es kaum glauben – wie praktisch!
Als ich in Dangast ankam, sah ich den leeren, trostlosen Campingplatz. Aber das machte nichts, ich hatte ja eine Sondergenehmigung. Weiter zum Schleusenwärterhaus – das einzige Haus weit und breit. Dort wartete er schon auf mich, grinste breit und sagte: „Wenn jemand fragt, sag einfach, Helmut hat’s erlaubt.“
Nach einer kurzen Einführung in die Geheimnisse der Siel-Schleusen – ohne die das Land hier regelmäßig unter Wasser stehen würde – fuhr ich weiter zum privaten Platz. Das Zelt aufzubauen ging schon deutlich routinierter. Ein kleiner Erfolg. Danach gönnte ich mir im Kurhaus eine warme Mahlzeit und setzte mich an diesen Bericht.
Morgen geht es weiter entlang der Ostfriesischen Inseln. Mal sehen, was der Tag noch bringt. Grüße aus Dangast! Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Neuhalingersiel. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?