Kapitel 11 von 15: Schweden
80% der Gesamtreise
Tag 70 von 88
Schöne Fahrt durch die Schärengärten Schwedens
5 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 10.06.2011
Tageskilometer: 89.07 km
Route: Malö → Kungälv
Fahrzeit: 6:04:56
Schnitt: 14.7 km/h
Gesamtstand: 4954.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Wie immer, wenn es morgens noch regnet und auf das Zeltdach prasselt, zögere ich ein wenig mit dem Aufstehen. Bei Regen hört es sich im Zelt an, als käme der ganze Himmel herunter, dabei sind es oft nur ein paar Tropfen. Heute nehme ich mir aber vor, das Zelt auch im Regen zu verpacken. Davor habe ich mich bis jetzt immer gesträubt.
Zeitig losgekommen bin ich dann trotzdem nicht, weil ich mich mit dem deutschen Pärchen in einem sehr angenehmen Gespräch verquatscht habe. Der erste Teil der heutigen Reise sollte mich über die Schären führen. Schären, das sind die kleinen Inseln vor der Küste. Eine ganze Ansammlung dieser Inseln nennt man Schärengarten. Zuerst ging es auf Orust, einer der größten Inseln Schwedens. Ich hatte eine sehr schöne Fahrt bis Varekil, teils mit Seeblick und teils landschaftlich. Auf Orust ließ es sich sehr gut fahren. Die Wege waren verkehrsarm und schön.
Ab Varekil musste ich der viel befahrenen 160 folgen. Dies ist wie in jedem Land nicht so schön. Schnelle, laute Autos, die teils dicht an mir vorbeifahren. Das ist immer ein wenig Stress, weil man sich sehr konzentrieren muss und nicht so rumeiern kann auf dem Rad. Über eine Brücke auf der Insel Tjörn angekommen, konnte ich die 160 glücklicherweise wieder verlassen. Die Insel Tjörn streifte ich eigentlich nur kurz.
Recht bald kam ich bei der Brücke an, die Tjörn mit dem Festland verbindet. Die Brücke ist eine der größeren. Nicht aber die Größe ist interessant, sondern was die Brücke für die Region bedeutet. Bis zu den Fünfzigern mussten die Inselbewohner noch mit Booten auf das Festland übersetzen. Der Hartnäckigkeit einiger weniger ist es zu verdanken, dass die Brücke 1951 gebaut wurde. Der Bau der Brücke und die damit verbundenen Kosten wurden von vielen als unnötig angesehen. Wirtschaftlich gesehen war die Brückenverbindung ein Erfolg. Auf Orust und Tjörn wurde der Tourismus erschlossen, sowohl für Touristen als auch für die Festländer, die jetzt schnell und leicht ins Grüne kamen. Die Inselbewohner hatten die Möglichkeit, leicht zu ihren Arbeitsstellen in der aufkeimenden Petroindustrie in Stenungsund zu gelangen.
Ende der 70er havarierte ein Schiff an einem der Brückenpfeiler, die daraufhin einstürzte. Acht Menschen kamen dabei ums Leben. Es wurde ein Fährbetrieb aufgenommen, der bis zu 6000 Autos täglich transportierte. Eine neue Brücke wurde in der Rekordzeit von 15 Monaten errichtet. Ich war froh, dass die Brücke nicht unter mir zusammenbrach, und kam wohlerhalten mit ein paar wunderschönen Eindrücken, die ich oben von der Brücke hatte, auf der anderen Seite in Stenungsund an. Dort durfte ich noch eine Weile an der Küste fahren, bevor es mich ins Land hineinführte. Zuerst wurde es ländlich und dann wäldlich.
Der Weg führte mich in einen Wald, in dem ich auf einem ungeteerten Weg fuhr. Der Weg war soweit gut zu fahren. Ich durfte ein wenig an Höhe gewinnen. Flach wäre mir heute aber auch recht gewesen. Aus dem Wald heraus ging es an die Göta älv, einen Fluss, der sich von Göteborg bis in den Osten Schwedens zieht. War ich vorher noch die ganze Zeit am Überlegen, ob ich bis Göteborg durchfahre und mir da ein Hostel suche, war mir mittlerweile klar, dass das zu spät werden würde. Der nächste Campingplatz gab es in Kungälv und der sollte dann das Ziel der heutigen Etappe werden. So fuhr ich den Fluss entlang, bis ich schließlich in Kungälv ankam.
In Kungälv sprach ich einen Angler an, um ihn zu fragen, wo ich mir Nahrungsmittel kaufen könnte. Wie sich schnell herausstellte, kam der Gute aus München. Er war mit seinem Freund zum Wandern in Schweden. Wir unterhielten uns eine Weile. Ich wollte ja aber noch etwas Essbares kaufen in der Stadt und so fuhr ich los. Bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit war es nicht weit. Ich stand dann auch pünktlich um 20:00 Uhr vor verschlossenen Türen. Da müssen heute wohl die Reserven ranhalten. So drehte ich wieder um und begab mich Richtung Campingplatz.
Auf dem Weg dorthin kam ich wieder an den beiden Wanderern vorbei. Mittlerweile hat sich auch noch ein Däne mit seiner englischen Frau, seiner zweijährigen Tochter und seinem einjährigen Hund dazu gesellt. Er fährt Kajak und sie Rad mit Anhang. Ich sollte alle später auf dem Campingplatz wieder treffen. Mittlerweile war es nach Acht. Die Rezeption war nicht mehr besetzt und am Telefon ging nur eine Mailbox heran. Oft ist es so, dass die Rezeptionen nicht besetzt sind. Dann ruft man eine Nummer an und es kommt jemand. Hier kam keiner. Ich schaute, wo die anderen Zelte standen und begab mich dort hin.
Da ich nicht einchecken konnte, wusste ich auch nicht, wie es sich mit den Sanitäranlagen verhält. Ich fragte Mike, den Dänen, der mittlerweile zurück auf dem Platz war. Er gab mir einen Pin-Code, den ich an der Tür eingeben musste. Damit war auch das Duschen gesichert. Das Abendbrot nahm ich mit Stephan und Christian, den beiden Bayern, bei einem sehr schönen Gespräch ein. Sie wanderten auf einem sehr naturbelassenen 130 km langen Wanderpfad und hatten ihre Angeln dabei. Fische hatten sie nicht gefangen. Dafür hatten sie aber abenteuerliche Geschichten zu erzählen. Demnächst geht es auf den Kilimandscharo, sehr spannend. Auch meine Reise interessierte sie sehr. Da wir diesen Abend bis nach Mitternacht zusammen saßen, kam ich nicht mehr dazu, meinen Bericht zu schreiben. So hole ich das jetzt nach.
Bis morgen, Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Varberg. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?