Kapitel 5 von 15: England
35% der Gesamtreise
Tag 31 von 88
Das was man herauf fährt, darf man auch wieder herunter fahren – Küstenradtour mit Burgen und Dünen
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 1.5.2011
Tageskilometer: 74.78 km
Route: Amble → Goswick
Fahrzeit: 5:19:11
Schnitt: 14.1 km/h
Gesamtstand: 2189.0 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Das Bed & Breakfast, in dem ich die Nacht verbrachte, war außergewöhnlich sauber und überaus angenehm. Auch das liebevoll zubereitete englische Frühstück setzte einen wunderbaren Start in den Tag. Beim Frühstück unterhielt ich mich mit einem Tandem-Pärchen, die eine zweitägige Tour in die entgegengesetzte Richtung machten. Sie schwärmten von ihrer Strecke, genauso wie ich von meiner. Nach dem Frühstück nahm ich mir vor, mich heute ganz auf die Schilder zu konzentrieren – keine Extra-Kilometer sollten dazukommen!
Zum Glück war die Beschilderung heute hervorragend. Kein einziges Schild fehlte, und viele der Wegweiser hatten das NSCR-Logo. So konnte ich den Tag mit gutem Gewissen starten. Der Wind blies heute immer noch mit Stärke 4, aber der Himmel war blau, und die Sonne strahlte – ideale Bedingungen.
Direkt nach Amble kam ich an einer beeindruckenden Burgruine vorbei. Leider war das Haupttor noch geschlossen, und ich konnte die Burg nur von außen bewundern, bevor ich weiterzog. Der erste Anstieg führte mich auf einen Golfplatz, von dem ich einen fantastischen Blick auf das Wasser hatte. Es scheint, als hätten die Engländer die ganze Küste mit Golfplätzen gepflastert – ich bin an unzähligen vorbeigekommen!
Nach einem kurzen Verfahrer (ich hatte die Abzweigung verpasst) traf ich wieder auf die Route und sogar auf eine bekannte Radfahrerin, die ich schon gestern gesehen hatte. Wir plauderten kurz, und dann trennten sich unsere Wege wieder. Ich fuhr entlang der Küste weiter, mit Blick auf das glitzernde Meer. An einer Weggabelung entschied ich mich für die Küstenroute – sie war zwar kürzer, aber wie so oft in diesen Fällen auch schwieriger zu befahren. Ein sandiger Abschnitt und eine hohe Stufe auf einer Brücke stellten mich vor Herausforderungen. Zum Glück kamen mir zwei freundliche Läufer zur Hilfe und halfen, mein Rad über die Hindernisse zu heben.
Nach dieser Hürde machte ich eine Pause an einer ruhigen Bucht. Kurz darauf traf ich auf einen anderen bepackten Radfahrer, der aus Aberdeen kam und so lange fahren wollte, wie er Lust hatte. Wir tauschten Geschichten aus, bevor sich unsere Wege trennten.
Der Tag brachte noch zwei weitere Burgen. Die erste war nur noch eine Ruine, die ich nur aus der Ferne sehen konnte, da der Weg dorthin für Fahrräder unzugänglich war. Doch die zweite Burg war ein echtes Highlight – eine majestätische Festung, die hoch oben auf einem Felsen thronte, direkt am Meer. Sie zog viele Besucher an, doch mir blieb keine Zeit für eine Besichtigung. Schließlich hatte ich noch Kilometer vor mir.
Der Weg führte dann ein Stück ins Landesinnere, mit herrlichen Anstiegen und grandiosen Ausblicken auf die Küste. Und das Beste: Was man herauf fährt, darf man auch wieder herunterfahren! Die Abfahrt war herrlich, und ich genoss die Geschwindigkeit.
Der letzte Abschnitt des Tages war jedoch weniger idyllisch. Ein kleiner, holpriger Pfad führte durch Niemandsland, zwischen Dünen und Schafweiden. Kein richtiger Weg, nur eine Spur, die kaum sichtbar war. Doch am Ende dieses Trampelpfades tauchte plötzlich ein kleiner Campingplatz auf – meine Rettung für die Nacht. Es war zwar erst 75 Kilometer, doch ich entschied, hier zu bleiben. Zelten stand sowieso schon länger auf dem Plan.
Morgen melde ich mich dann aus Schottland. Bye Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Melrose. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?