Kapitel 1 von 15: Deutschland
1% der Gesamtreise
Tag 1 von 88
Und dann war ich weg – der Start ins Abenteuer
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 1.4.2011
Tageskilometer: 137.29 km
Route: Hamburg → Cuxhaven
Fahrzeit: 8:20:05
Schnitt: 16.5 km/h
Gesamtstand: 137.3 km
Wind-Fokus: Rücken- und Gegenwind bleiben die unsichtbaren Gegner dieser Tour.
Der Moment war da. Alles war gepackt, die Route geplant – und doch wusste ich, dass das hier mehr war als nur eine Radtour. Heute sollte mein Abenteuer beginnen, mein Weg ins Ungewisse. Mit jeder Umdrehung des Pedals spürte ich, wie sich ein Stück Alltag von mir löste. Mein erstes Ziel: Cuxhaven. 105 km waren es laut Plan – am Ende wurden es 137. Aber der Reihe nach.
Es war früh am Morgen, als ich mich von meinem Bruder verabschiedete. Er war extra gekommen, um mich zu sehen, bevor ich aufbreche. Es fühlte sich seltsam an, die vertrauten Straßen Hamburgs zu verlassen, doch die Vorfreude trieb mich voran. Mein erster Halt? Das Büro in der Hafencity. Gestern hatte ich noch eine E-Mail an alle Kollegen geschickt: „Morgen fahre ich am Balkon vorbei!“ Und als ich dort ankam, standen sie tatsächlich alle da. Fotos, Umarmungen, Jubel – Gänsehaut pur. Ein Moment, den ich niemals vergessen werde. Wenn man die Möglichkeit hat, so Abschied zu nehmen, sollte man sie nutzen.
Und dann ging es wirklich los. Von Teufelsbrück nahm ich die Fähre nach Finkenwerder. Dort fand ich das erste Schild der North Sea Cycle Route – mein Kompass für die kommenden Wochen. Jedes Mal, wenn ich ein weiteres Schild entdeckte, fühlte es sich an, als würde ich ein kleines Ziel erreichen. Über das Alte Land, das mich mit seinen weiten Obstplantagen und endlosen Feldern begrüßte, führte die Route nach Stade. Das Alte Land – eine wahre Augenweide für jeden Radfahrer.
In Stade kam es zu einem kurzen Moment der Verwirrung. Ich wollte die B73 nicht überqueren, doch da war ich plötzlich. Dank eines freundlichen Einheimischen fand ich den richtigen Weg. Manchmal sind es diese kleinen Begegnungen, die einem zeigen, dass man auf dem richtigen Pfad ist.
Weiter ging es durch Hemmor, das mich nicht lange aufhielt, und schließlich in Richtung Wingst. Hier wurde ich wirklich auf die Probe gestellt – kleine Hügel, die für norddeutsche Verhältnisse fast wie Berge wirkten. Doch mit etwas Krafteinsatz kam ich oben an. Die Wingst hat für mich eine besondere Bedeutung, denn hier wurde ich geboren. Es war ein kurzer emotionaler Moment, bevor ich weiterfuhr.
Später, als ich Otterndorf erreichte, begann der Tag sich zu ziehen. Die Dunkelheit setzte ein, die Kräfte ließen nach. 30 kg Gepäck und ein schweres Rad machten die letzten Kilometer zu einer echten Herausforderung. Um 21:15 Uhr – endlich! – erreichte ich Cuxhaven. Ich hielt kurz an einer Tankstelle für eine Cola und ein Mars – mein persönlicher Rettungsanker.
Bei meinen Eltern angekommen, wurde ich herzlich empfangen, bekam eine warme Mahlzeit und eine heiße Dusche – ein Luxus, den ich in den kommenden Tagen vermissen werde. Morgen wird es ruhiger, schließlich habe ich heute ordentlich vorgearbeitet.
Fotos folgen, sobald ich an einem Hotspot bin. Bis morgen aus Ostfriesland!
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Fedderwardensiel. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?