Kapitel 7 von 15: Schottland
57% der Gesamtreise
Tag 50 von 88
Der stärkste Wind bis jetzt: Letzter Tag in Schottland
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 22.05.2011
Tageskilometer: 49.29 km
Route: Lerwick → Sumburgh Head
Fahrzeit: 4:39:16
Schnitt: 10.6 km/h
Gesamtstand: 3564.0 km
Wind-Fokus: Heute war der Wind ein dominanter Mitspieler.
Jedes Mal, wenn man denkt, es kann nicht schlimmer werden, kommt ein Tag, an dem man eines Besseren belehrt wird. Heute hatte ich definitiv den stärksten Wind meiner Tour bisher, und es war alles andere als einfach. Doch dieser Tag markiert auch meinen letzten in Schottland, und das gab mir die Kraft, durchzuhalten.
Mein Wecker klingelte wie gewohnt, doch da ich heute nur um die 40 Kilometer zu fahren hatte, ließ ich es gemächlich angehen. Ich drückte mehrfach die Schlummertaste und stand schließlich um 09:00 Uhr auf. Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich, dass es regnete – typisch für Schottland. Wer dieses Land nicht im Regen erlebt hat, hat es nicht wirklich gesehen.
Meine Strategie: Den Regen aussitzen. Bei nur 40 Kilometern konnte ich mir das leisten. Ich gönnte mir ein ausgiebiges Frühstück im Community Centre, das gleich neben dem Hostel lag. Beide sind irgendwie miteinander verbunden, auch das WiFi wird gemeinsam genutzt. Als ich das Rad endlich aus dem Shelter holte, hatte der Regen zum Glück nachgelassen, doch die Wettervorhersage versprach nichts Gutes. Nach einem kurzen Plausch mit einem anderen Radfahrer machte ich mich dennoch auf den Weg.
Kaum zehn Minuten unterwegs, brach der nächste Regenschauer über mich herein, doch das sollte der letzte für diesen Tag sein. Danach klarte der Himmel auf, und die Sonne kam heraus – eine willkommene Abwechslung. Doch der Wind… oh, der Wind war gnadenlos. Mindestens dreimal wurde ich regelrecht von der Straße geblasen. Bergauf mit Gegenwind war es fast unmöglich, das Rad in der Spur zu halten. Bei einem besonders dichten Überholmanöver eines Autos spürte ich den Luftzug so stark, dass ich beinahe stürzte.
Doch sobald die Wolken verzogen waren, wurde ich für die Strapazen belohnt. Die Strecke führte über die Hauptstraße, die mich mit weiten Ausblicken auf die Buchten, Felsen und Klippen beschenkte. Es war einfach atemberaubend, was für ein Panorama sich mir bot. In der zweiten Hälfte der Strecke wechselte ich auf eine Nebenstraße im Westen, die mir weitere wundervolle Ausblicke gewährte – 15 Kilometer reine Schönheit.
Die letzten Kilometer zurück auf der Hauptstraße waren anstrengend. Noch eine Kuppe galt es zu erklimmen, doch oben angekommen, hatte ich einen sagenhaften Blick auf die Südspitze der Insel und den Flughafen in der Mitte. Der Weg führte in einer rasanten Abfahrt direkt auf den Flughafen zu, wo ich die Landebahn überquerte, um das Terminal zu erreichen.
Dort verschaffte ich mir erst einmal Klarheit über den morgigen Check-in. Alles verlief problemlos: Der Check-in öffnet eine Stunde vor Abflug, also reicht es, wenn ich um 08:45 Uhr da bin. Diese Gewissheit beruhigte mich ungemein, denn die Nervosität, ob alles klappt und mein Rad heil in Norwegen ankommt, ist schon seit Tagen in mir.
Die Frage nach der Übernachtung stellte sich noch. Zelten vor dem Flughafen, im Warteraum schlafen oder ein Hotel? Ich entschied mich für das Hotel – auch wenn es mit £70 recht teuer war, wollte ich den letzten Abend in Schottland bequem ausklingen lassen.
Morgen früh verlasse ich Schottland und melde mich aus Norwegen. Bye Micha!
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Bergen. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?