Kapitel 7 von 15: Schottland
40% der Gesamtreise
Tag 35 von 88
Regen, Wind und Schraubenverlust: Ein typisch schottischer Tag auf der Nordseeroute
3 min Lesezeit
Etappen-Infobox
Datum: 5.5.2011
Tageskilometer: 84.47 km
Route: Edinburgh → Newton of Falkland
Fahrzeit: 6:08:56
Schnitt: 14.1 km/h
Gesamtstand: 2458.0 km
Wind-Fokus: Heute war der Wind ein dominanter Mitspieler.
Nach einem ereignisreichen und beeindruckenden Tag in Edinburgh musste ich heute wieder auf den Sattel steigen. Es bleibt keine Zeit für ausgedehnte Stadterkundungen, denn ich habe ein Ziel: in 90 Tagen die Nordsee zu umrunden. Der Weg aus Edinburgh heraus führte mich über die bekannte Princes Street, die von Bussen und Taxis dominiert wird. Die Doppeldeckerbusse fuhren in einem Tempo, das mich dazu brachte, vorsichtiger als sonst zu sein.
Ich ließ die Stadt hinter mir und nahm über einen angenehm begrünten Radweg Kurs auf die Forth Road Bridge bei Queensferry. Diese Brücke, die den Firth of Forth überspannt, ist nicht ganz so imposant wie die Humber Bridge in Hull, aber dennoch beeindruckend. Auf der anderen Seite des Flusses fuhr ich in Richtung Inverkeithing und genoss die ländliche Umgebung – bis mich ein unbekanntes Quietschen, das ich seit einigen Tagen vernommen hatte, wieder einholte.
In Inverkeithing hielt ich an, um das Geräusch zu inspizieren. Dabei stellte ich fest, dass sich eine Schraube des hinteren Gepäckträgers gelöst hatte und fehlte. Die Vorstellung, dass der Gepäckträger bricht, ließ mir keine Ruhe. Also musste eine schnelle Lösung her. Glücklicherweise fand ich eine Ersatzschraube am Schutzblech und einen Abstandhalter von den Bremsbacken, die ich als Ersatz dabei hatte. Mit einem Schnellbinder befestigte ich das Schutzblech notdürftig. Noch ein Tipp: Einweghandschuhe sind für solche Reparaturen ideal – so bleiben die Hände sauber, auch wenn man unterwegs keine Waschgelegenheit hat.
Nach der erfolgreichen Reparatur konnte ich die Fahrt fortsetzen, und das Quietschen hatte endlich ein Ende. Durch Dumfermline ging es weiter in Richtung Kinross. Die Stadt war angenehm zu durchqueren, mit breiten kombinierten Fuß- und Radwegen und sauberen Wohnsiedlungen. Hinter Dumfermline wurde es wieder ländlich, und das grüne, wellige Terrain der schottischen Lowlands erstreckte sich vor mir. Weiden, Wiesen und Rapsfelder säumten meinen Weg, und zwischendurch gab es kleine Waldgebiete. Doch das Wetter, das heute typisch schottisch war – verregnet und grau – machte den Tag zu einer Herausforderung.
Bereits am Morgen hatte ich mich in Regenkleidung gehüllt, und sie blieb den ganzen Tag an. Kurz vor Kinross, das malerisch am Loch Leven liegt, musste ich mich einem ordentlichen Anstieg stellen. Mit der Kette links kurbelte ich den Berg hoch, mittlerweile fast schon routiniert. Von oben bot sich mir ein verhangener Blick auf das Loch Leven und den dahinter liegenden Lomond Hill, der mit seinen 522 Metern glücklicherweise nicht auf meiner Strecke lag. Der Weg führte um den Berg herum, was mir eine anstrengende Auffahrt ersparte.
Durch die Reparatur hatte ich Zeit verloren, und so beschloss ich, die Etappe in Falkland zu beenden. Doch als ich in Falkland ankam, schien es keine Übernachtungsmöglichkeiten zu geben. Die Straßen wirkten leer, und kein Hinweis auf eine Unterkunft war zu sehen. Also fuhr ich weiter nach Newton of Falkland, wo ich zunächst ebenfalls nichts fand. Doch kurz bevor ich den Ort verließ, entdeckte ich ein kleines B&B-Schild am Ortseingang. Ein freies Zimmer war verfügbar, und ich war froh, den Tag dort beenden zu können.
Es sieht ganz danach aus, als ob der Regen auch morgen mein treuer Begleiter sein wird. Aber das gehört wohl zu einer echten Schottland-Radtour dazu. Tschüss, Micha
Cliffhanger
Morgen geht es weiter nach Carnoustie. Schafft die Tour den naechsten Abschnitt ohne Rueckschlag?